Stand: 30.11.2019 16:10 Uhr

Schiedsrichter nach Oberliga-Spiel angegriffen

Die Gewalt gegen Schiedsrichter im Fußball reißt nicht ab. Bei einem Spiel der Oberliga Nordost Nord am Freitagabend zwischen dem gastgebenden Aufsteiger MSV Pampow und Victoria Seelow (2:2) kam es nach dem Abpfiff zu einer körperlichen Attacke. Obwohl Referee Denis Waegert (Berlin) beim Verlassen des Spielfeldes von Sicherheitskräften begleitet wurde, gelang es einem MSV-Anhänger, sich dem Unparteiischen zu nähern und zuzuschlagen.

Er traf Waegert am Hinterkopf, die Club-Verantwortlichen riefen Polizei und Krankenwagen. Dem Schiedsrichter, der nach dem Faustschlag zu Boden gegangen war, sei es kurze Zeit später "den Umständen entsprechend wieder gut" gegangen, teilte der Verein mit. "Offensichtlich ist nichts weiter passiert, wodurch seine Gesundheit hätte Schaden nehmen können", sagte Pampows Präsident Jens Heysel NDR 1 Radio MV.

"Das ist nicht fassbar, dass ein Mensch dazu fähig ist, so zu reagieren. Da ist insofern eine ziemliche Portion Wut dabei, aber auch Scham. Ich glaube, es ist noch nicht absehbar, welche Auswirkungen das auf den Ruf des MSV und den Amateurfußball in der Region hat." Jens Heysel, Präsident MSV Pampow

Heysel entschuldigte sich im Namen des gesamten Vereins, ein solcher Angriff dürfe niemals geduldet werden. Der Angreifer erhielt Stadionverbot. Da der Vorfall auf dem Spielberichtsbogen vermerkt wurde, droht dem MSV Pampow eine hohe Strafe, eventuell sogar eine Platzsperre für die kommenden Heimspiele. Es ist in dieser Saison einer der schwerwiegendsten Zwischenfälle in der Fußball-Oberliga.

Innenminister beraten sich kommende Woche

Die Forderung von lebenslangen Sperren, der Appell zu größerem Respekt - die Bemühungen im Kampf gegen die anhaltende Gewalt im Amateurfußball sind bis dato wirkungslos verpufft. Die Innenminister der deutschen Bundesländer wollen sich bei ihrer Konferenz in der nächsten Woche in Lübeck (4. bis 6. Dezember) mit dem Thema Gewalt bei Amateurfußball-Spielen beschäftigen und erarbeiten, welche Entwicklungen es in welchen Ländern gibt und welche Maßnahmen dagegen helfen könnten. "Fußball ist ein Fest und es soll gefeiert werden. Wer das nicht begreift, muss die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen", sagte Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU).

Pistorius: "Kein Kavaliersdelikt"

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) hält es für wichtig, "dass immer, wenn etwas strafrechtlich Relevantes auf den Sportplätzen passiert, es auch zur Anzeige gebracht wird. Denn nur weil etwas in der Freizeit passiert, ist es noch kein Kavaliersdelikt." Die Zahlen hätten ergeben, dass es in der Saison 2018/19 in Niedersachsen "in 425 Spielen Gewaltdelikte gab, die mit Abstand meisten davon im Herrenbereich", sagte Pistorius dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland". "Ich befürchte, dass sich vor dem Hintergrund langfristig immer weniger junge Menschen ehrenamtlich als Schiedsrichter engagieren wollen."

DFB-Präsident Keller: "Mir fehlt der Respekt"

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Durch die Bundesliga mit Patrick Ittrich

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Patrick Ittrich gehört zur deutschen Schiedsrichter-Elite. Eine Ehre, aber auch eine Aufgabe mit Verantwortung. Der Leistungsdruck ist hoch. Exklusive Einblicke in das Leben eines Erstliga-Referees. Video (29:49 min)

Hans E. Lorenz, Vorsitzender des DFB-Sportgerichts, kritisiert schlechte Vorbilder aus dem Profibereich: "Das, was oben passiert, findet seine Wiederholung an der Basis." Auch der frühere FIFA-Referee Thorsten Kinhöfer hatte zuletzt die Profis in die Pflicht genommen. Man müsse sich bei diesen "Vorbildern" nicht wundern, "dass im Amateurfußball Woche für Woche Schiedsrichter beleidigt, bedroht und verprügelt werden". Ein Ansatz zur Bekämpfung der Aggressivität könnten Regeländerungen nach dem Vorbild anderer Sportarten sein. "Mir fehlt, durchgängig durch alle Ligen, der Respekt vor den Unparteiischen. Da können wir von anderen Sportarten lernen", konstatierte DFB-Präsident Fritz Keller: "Der Schiedsrichter ist der Chef des Spiels. Das muss man akzeptieren."

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Sport kompakt | 30.11.2019 | 13:15 Uhr