Schiedsrichter in Osnabrück: Aktion gegen Gewalt im Fußball

Stand: 23.10.2022 19:20 Uhr

Die Zahl der Spielabbrüche im deutschen Amateurfußball ist auf eine Rekordmarke gestiegen. Oft sind Übergriffe gegen Schiedsrichter der Grund. Die Referees der Fußball-Spiele im Kreis Osnabrück haben nun mit einer besonderen Aktion auf ihre Misere aufmerksam gemacht.

Flaschen, die aufs Spielfeld geworfen werden, Pöbeleien, rassistische Gesten, körperliche Angriffe: Laut einer Erhebung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sind in der Saison 2021/2022 911 Spiele oder 0,075 Prozent aller Matches aufgrund von Gewalt- oder Diskriminierungsvorfällen abgebrochen worden.

Denkpause: Anpfiff mit zwölfminütiger Verzögerung

Im Kreis Osnabrück haben die Unparteiischen nun ein Zeichen gesetzt und am Sonntag rund 50 Spiele unter dem Motto: "Es ist kurz vor Zwölf!" unangekündigt mit Verzögerung angepfiffen. Die Schiedsrichter informierten die Mannschaften nach der Seitenwahl darüber, dass sich der Beginn um zwölf Minuten verschieben werde. Als Zeichen für mehr Respekt, für mehr Fairplay. Und als Denkpause.

"In den letzten Wochen gab es vermehrt Gewaltvorfälle auf unseren Sportplätzen, bei denen auch Schiedsrichter aufs Schlimmste beleidigt, bedroht und sogar tätlich angegriffen wurden. Hiergegen setzen wir mit unserer Unterbrechung ein Zeichen, denn so wird die Zukunft aussehen, wenn sich nichts ändert", erklärten die Schiedsrichter in einer eigens verfassten Botschaft den verdutzten Spielern, die im Vorfeld nichts von der Initiative wussten. Erst einmal ging es also wieder in die Kabinen.

"Für ein paar Peanuts 90 Minuten lang durchbeleidigt"

Julian Meckfessel, einer der Initiatoren aus dem Schiedsrichter-Ausschuss des Fußballkreises Osnabrück, zeigte sich zufrieden: Es habe sehr viel positives Feedback von Spielern, Trainern und Zuschauern gegeben. Allerdings sei seine Laune getrübt, weil es ausgerechnet am Vortag in Osnabrück wieder zu einem schlimmen Vorfall gekommen sei. Ein Streit zwischen zwei Spielern sei eskaliert und zwar handfest, der Schiedsrichter habe schlichten wollen und dabei einen Schlag abbekommen. Die Folge: Spielabbruch. Schon jetzt habe es im Raum Osnabrück fast genauso viele Sportgerichtsverfahren gegeben wie in der gesamten vergangenen Saison, so Meckfessel.

Erik Ropken, Vorstandsmitglied beim VfR Voxtrup, zeigte Verständnis für die Aktion am Sonntag: "Man muss sehen, dass sie sich für ein paar Peanuts 90 Minuten lang durchbeleidigen lassen. Wir müssen da einfach anders miteinander umgehen." Auch der Niedersächsische Fußballverband (NFV) unterstützte die ungewöhnliche Maßnahme: "Die Zündschnur wird immer kürzer. Und leider haben wir diese Auswüchse auch auf Fußballplätzen, die sich im Moment ein bisschen häufen", sagte Frank Schmidt, einer der Vize-Präsidenten im NFV.

5.582 gemeldete Vorfälle in der Saison 2021/2022

Seit 2014 lässt der DFB auf Basis der Online-Spielberichte der Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter ein Lagebild erstellen. Das Ergebnis: Sowohl die Gesamtzahl an Abbrüchen als auch ihr prozentualer Anteil an allen erfassten Spielen bedeuten Höchststände seit Beginn der Erhebung. 2021/2022 wurden von 1.455.416 ausgetragenen Begegnungen 1.219.397 in einem Online-Bericht erfasst. Es wurden 5.582 Vorfälle gemeldet, davon 3.544 Gewalthandlungen und 2.389 Diskriminierungen. Im Schnitt kam es bei einem von gut 1.300 Spielen zum Abbruch.

"Erstmals in drei Jahren konnten wir wieder eine Saison ohne Lockdowns absolvieren. Das freut uns, aber gleichzeitig müssen wir erstmals einen Anstieg bei den Spielabbrüchen feststellen, wobei wir uns immer noch im Promillebereich bewegen", sagte Ronny Zimmermann, der erste DFB-Vizepräsident Amateure. "Zuletzt haben wir die Präventions- und Interventionsarbeit deutlich ausgebaut. Bei dieser Anstrengung dürfen und werden wir nicht nachlassen."

Schiedsrichter in Hildesheim reagieren nach Vorfall

Vorbild für Osnabrück waren die Referees aus dem Kreis Hildesheim. Dort war im August ein Unparteiischer bei einer Partie zwischen der SG Bettmar/Dinklar und Concordia Hildesheim zu Boden geschlagen und ins Krankenhaus gebracht worden. Die Schiedsrichterkollegen machten kurz darauf mit einer Aktion auf ihre Lage aufmerksam.

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 23.10.2022 | 19:30 Uhr

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