Die Volkswagen Arena leuchtet in Regenbogen-Farben © VfL Wolfsburg

Regenbogen-Entscheidung: Nordclubs setzen Zeichen für Toleranz

Stand: 23.06.2021 14:50 Uhr

Der VfL Wolfsburg und Hannover 96 wollen heute ein Zeichen für Toleranz und Vielfalt setzen und ihre Stadien bunt illuminieren. Auch andere Nordclubs bekundeten ihre Solidarität. Zuvor hatte die UEFA untersagt, die Arena in München in Regenbogenfarben leuchten zu lassen.

von Bettina Lenner und Jonas Freudenhammer

Zwischen 18 und 1 Uhr soll die Wolfsburger Volkswagen Arena in bunten Farben erstrahlen, bestätigte der norddeutsche Fußball-Bundesligist dem NDR auf Nachfrage. Der Club, bei dem seit 2018 alle Teamkapitäninnen und Teamkapitäne mit der Regenbogenbinde auflaufen, hatte das Stadion zuletzt am 13. März im Rahmen des Vielfaltsspieltags in der Partie gegen Schalke in den Regenbogenfarben illuminiert. Vor dem Wolfsburger Rathaus wehen zudem Regenbogenflaggen. Auch die HDI Arena von 96 wird vielfarbig beleuchtet sein - für "Weltoffenheit und Toleranz", wie der Zweitligist twitterte. In Hamburg strahlen im Inselpark Wilhelmshaven die Fenster der Arena von Basketball-Bundesligist Hamburg Towers bunt.

Viele Fußball-Clubs - wie Zweitligist Holstein Kiel oder die Drittligisten Eintracht Braunschweig und SV Meppen -, aber auch zahlreiche Vereine aus anderen Sportarten reagierten in den sozialen Netzwerken. Werder Bremen hisste am Weser-Stadion Regenbogenflaggen, der FC St. Pauli, wo am Millerntor ohnehin immer eine Regenbogenfahne hängt, stockt auf insgesamt drei Flaggen auf. Vereinswappen und Totenkopffahne werden für das Spiel am Abend vorübergehend ausgetauscht. Auch beim HSV steht immer eine Regenbogenfahne vor dem Stadion, heute werden es sechs sein: vier große Regenbogenfahnen vor der Osttribüne und zwei vor der Arenawelt.

Das DFB-Team, dessen Kapitän Manuel Neuer erneut seine bunte Spielführerbinde tragen wird, bestreitet heute (21 Uhr, im Livecenter bei NDR.de) in München sein letztes EM-Gruppenspiel gegen Ungarn.

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Weitere Städte machen mit

Das Münchner Stadion hatte dann nach dem Willen der Politik als Zeichen für Toleranz und Gleichstellung vielfarbig leuchten sollen. Die UEFA lehnte den Antrag des Münchner Oberbürgermeisters Dieter Reiter (SPD), der "ein weithin sichtbares Signal für unser gemeinsames Werteverständnis" senden wollte, jedoch ab.

"Ich finde es beschämend, dass die UEFA uns verbietet, ein Zeichen für Vielfalt, Toleranz, Respekt und Solidarität zu setzen. Ich bin auch enttäuscht vom DFB, der trotz der überragenden Zustimmung aus der ganzen Republik sich nicht der in Lage sehen wollte, das Ergebnis zu beeinflussen." Dieter Reiter

Nun wollen andere Städte ein buntes Zeichen setzen. Unter anderem bestätigten Berlin, Köln und Frankfurt entsprechende Pläne. "Wenn München am Mittwoch nicht darf, dann müssen eben die anderen Stadien im Land Farbe bekennen. Auf jetzt, Kollegen in der Liga", hatte Eintracht Frankfurts Vorstandssprecher Axel Hellmann in der Nacht zum Dienstag getwittert.

Hintergrund des Protestes ist ein Gesetz in Ungarn, das die Informationsrechte von Jugendlichen in Hinblick auf Homosexualität und Transsexualität einschränkt und das erst am vergangenen Dienstag vom Parlament in Budapest gebilligt wurde. Das Gesetz gilt als besonderes Anliegen von Ministerpräsident Viktor Orban. Entsprechend laut war die Forderung nach einem klaren Zeichen bei der Fußball-EM in Deutschland geworden. In Ungarn war der Münchner Vorstoß nicht gut angekommen.

St. Pauli: Fußball muss seiner Verantwortung gerecht werden

Mit knapp 300 Wörtern beschrieb die UEFA ausführlich ihren Kampf gegen "Rassismus, Homophobie, Sexismus und alle Formen der Diskriminierung" - um das Anliegen dann dennoch abzulehnen. Die UEFA sei "aufgrund ihrer Statuten eine politisch und religiös neutrale Organisation. Angesichts des politischen Kontextes dieser speziellen Anfrage - eine Botschaft, die auf eine Entscheidung des ungarischen Parlaments abzielt - muss die UEFA diese Anfrage ablehnen", teilte der Dachverband mit - und löste damit heftige Kritik und zahlreiche Gegenreaktionen aus.

"Der Fußball muss in seiner Rolle als Bindeglied zwischen den Menschen seiner gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden. Dazu gehört auch, für eine Welt einzustehen, in der jeder Mensch lieben kann, wen er will", twitterte der FC St. Pauli.

Die UEFA fühlt sich missverstanden: Einige Leute hätten die UEFA-Entscheidung als "politisch interpretiert", schrieb der Verband, der sein Logo mit den sechs Regenbogenfarben anreicherte, am Mittwoch: "Doch im Gegenteil: Die Anfrage war politisch." Für die UEFA sei der Regenbogen "kein politisches Symbol, sondern ein Zeichen unseres festen Engagements für eine vielfältigere und integrativere Gesellschaft".

LSVD: "Die Zeichen der Zeit nicht erkannt"

Ob der Schaden, den sich die UEFA selbst zugefügt hat, noch abzuwenden ist? Wohl kaum. "Wir als Verband finden es sehr befremdlich, wie die UEFA mit Werten umgeht, die in der Gesellschaft allgemein akzeptiert werden sollten", sagte Sprecher Markus Ulrich vom Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD). "Die UEFA hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt - und es ist klar zu erkennen, auf welche Seite sie sich mit ihrer Entscheidung stellt."

Immerhin habe sich der DFB bislang als einziger Verband während der EM klar positioniert. "Das finden wir sehr gut. Wir freuen uns auch sehr darüber, dass in anderen Städten geplant wird, die Stadien zu erleuchten", so Ulrich: "Zudem unterstützen wir die Aktion, an die Zuschauer in München Regenbogenfahnen zu verteilen, um ein Zeichen für Respekt und Akzeptanz zu setzen."

Der Dachverband der deutschen Christopher Street Days (CSD) wird mit Partnern wie Amnesty International den Fans 11.000 Fahnen zur Verfügung stellen. "Zeigen wir den LGBTIQ* in Ungarn, dass sie nicht alleine sind", hieß es in einer Erklärung: "Doch zeigen wir auch aller Welt, dass Menschenrechte für alle Menschen zu gelten haben."

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