Stand: 16.09.2020 15:33 Uhr

Pro und Kontra zur Fan-Rückkehr in die Stadien

Pünktlich zum Start der Fußball-Bundesliga am Wochenende ist die Zeit der Geisterspiele in allen Stadien vorbei. Bundesweit einheitlich dürfen bei Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Zuschauern nun 20 Prozent der Plätze besetzt werden. Doch sollten Fußballspiele überhaupt wieder mit Publikum stattfinden dürfen? Rolf Rainer Gecks und Martin Seidemann vom NDR Hörfunk haben unterschiedliche Auffassungen.

Pro, Rolf Rainer Gecks:

Rolf Rainer Gecks © Gecks: NDR Presse und Information, Stadion: © m.schuckart - Fotolia.com, Tastatur: © Ian McGregor_Fotolia.com Foto: Gecks: NDR/M. Heuberger, Stadion: © m.schuckart - Fotolia.com, Tastatur: © Ian McGregor_Fotolia.com
Rolf-Rainer Gecks.

Rundheraus gesprochen: Die Einigung der Bundesländer auf eine gemeinsame Linie zur Zulassung von Zuschauern in den Stadien halte ich für eine gute Sache. Sie eröffnet endlich Perspektiven, mit denen man etwas anfangen kann. Und mit denen man auch Hoffnung weckt. Die Hoffnung darauf zum Beispiel, dass die Zuschauer, die ein Ticket für das Stadion bekommen haben, wissen, dass sie sich verantwortungsvoll benehmen müssen. Schon bei der Anreise zum Spiel, aber auch im Stadion selbst gilt die AHA-Regel weiter: Abstand halten, Hygiene-Regel beachten und Alltagsmaske mit Mund- und Nasenschutz tragen.

Das sind die Grundvoraussetzungen dafür, dass das positive Gefühl, das der Fan beim direkten Blick auf das Spielfeld bekommt, sich auch wirklich dauerhaft fortsetzen kann. Es wäre verheerend für den Fußball, wenn dieses Experiment durch Nachlässigkeit, Großspurigkeit oder Ignoranz scheitern sollte. Schließlich schaut nicht nur das Ausland auf die deutschen Profiligen, sondern auch Handball und Basketball hierzulande wollen in ihren Hallen das Konzept von DFL und DFB anwenden. 

Wenn es zu Superspreads kommen sollte, also Masseninfektionen, könnte es schnell vorbei sein mit der Rolle des Sports als gesellschaftlich hochgradig wichtig angesehenem Bereich, der systemrelevant ist. Und die erstklassige Arbeit der Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb unter Leitung des deutschen Nationalmannschaftsarztes Prof. Tim Meyer wäre umsonst gewesen. Sein medizinisch-hygienisches Arbeitsschutz-Konzept weist den Weg.

Mit einer 20-prozentigen Stadionauslastung beginnt die sechswöchige Testphase und ich bin zuversichtlich, dass sie Erfolg haben wird. Wenn das gelingt, gehören Geisterspiele der Vergangenheit an.

UMFRAGE
Mögliche Antworten

Fans dürfen wieder in größerer Zahl in die Stadien und Hallen des Profisports. 20 Prozent der Kapazitäten können genutzt werden. Richtig so?

Kontra, Martin Seidemann:

Martin Seidemann © NDR Foto: Christian Spielmann
Martin Seidemann.

Endlich wieder Normalität ... also, ein bisschen. Ein ganz kleines bisschen. Eher ein "Experiment", so hat es ja der bayerische Ministerpräsident Markus Söder genannt. Normalität unter Versuchsbedingungen. Und damit hat der Plan, die Stadien zu einem Fünftel vorsichtigst mit Zuschauern zu füllen, natürlich rein gar nichts mit Normalität zu tun.

Egal, könnte man sagen: Es ist ein Zeichen, ein Lichtblick. Und die Einigung gilt ja auch für andere Sportarten, nicht nur für den Fußball. Außerdem könnten die Konzepte ja eine Schablone für andere Kulturveranstaltungen sein und damit ein Hoffnungsschimmer für eine gebeutelte Branche.

Aber wie so häufig, wenn es in Deutschland um Sport geht, werden alle auf den Fußball schauen. Und der eignet sich eben nicht für dieses "Experiment".

Sauber vorsortierte Fans, die brav Abstand haltend durch separate Eingänge geschleust werden, um dann - nach Möglichkeit bitte stumm - in ihren Sitzschalen auszuharren? Das hat mit Fußball, wie ich ihn mir vorstelle, nichts zu tun. Und: Es funktioniert nicht. Im DFB-Pokal hat sich gerade gezeigt, dass die Fans natürlich jubeln. Dass sie schreien und singen und sich umarmen. Und dass dabei die Maske auch mal verrutscht, ist doch klar. So ist das beim Fußball. Zum Glück.

Aber: Es ist vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie unverantwortlich. Deswegen: Zuschauer gerne, aber richtig, mit allem was dazu gehört. Aber erst, wenn es wieder geht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Sport aktuell | 16.09.2020 | 14:25 Uhr

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