Fußballer Justin Eilers, im Outfit des Halleschen FC, schaut skeptisch. © picture alliance / Eibner-Pressefoto | Schulz/Eibner-Pressefoto

Pechvogel Eilers: HFC heute ohne den Braunschweiger gegen die Eintracht

Stand: 16.08.2021 10:15 Uhr

Es hätte ein wunderbares Wiedersehen werden können - doch wie so oft im Leben von Justin Eilers kam es anders als erhofft. Der Fußballprofi vom Halleschen FC freute sich auf das Drittliga-Duell gegen seinen Jugendverein Eintracht Braunschweig, als es wieder passierte: Eilers verletzte sich.

Im Training habe er die Patellasehne überstreckt, hieß es vom Verein. Doch Medien in Halle berichten übereinstimmend, dass bei dem Stürmer außerdem ein Ödem im Knie festgestellt worden sein. Das könnte eine Pause von Wochen, wenn nicht Monaten bedeuten. In jedem Fall wird Eilers heute Abend gegen Braunschweig (19 Uhr, im NDR Livecenter) zum Zuschauen verdammt sein.

Neuanfang in Halle: "Der Osten hat mich wieder"

33 Jahre alt ist Eilers inzwischen. Und die Karriere des gebürtigen Braunschweigers, die ohnehin erst spät Schwung bekam, ist gepflastert von Rückschlägen. Beinahe hat der Fußballer mehr Zeit in Krankenhaus und Reha verbracht als im Mannschaftstraining. Vor der Saison vom SC Verl an die Saale gewechselt, behinderten in der Vorbereitung Achillessehnenprobleme einen optimalen Start. Dabei war Eilers fast euphorisch in sein zweites Fußball-Abenteuer im Osten gestartet. "Ich freue mich riesig auf die neue Aufgabe! Der Osten hat mich wieder", schrieb er bei Facebook.

Eilers hatte Eintracht Braunschweig im Alter von 21 Jahren verlassen. Als er nach Intermezzi in Bochum, Goslar und Wolfsburg 2014 bei Dynamo Dresden anheuerte, schien das sein Durchbruch zu sein. Der Stürmer - inzwischen 26 Jahre alt - wurde zum Erfolgsgaranten. Als Torschützenkönig der Dritten Liga führte er die Gelb-Schwarzen in der Saison 2015/2016 zum Aufstieg. Die Zuschauer in Dresden feierten "Eile". Selbst nachdem er im Sommer 2016 dem Lockruf von Werder Bremen gefolgt war, hielten sie ihm die Treue.

Von Dresden an die Weser - ein folgenreicher Schritt

Der Wechsel an die Weser sollte Eilers den Traum vom Bundesliga-Profi erfüllen. Doch der Traum platzte schon in der Saisonvorbereitung wie eine Seifenblase. Hüftverletzung, Leisten-Operation, Kreuzbandriss - die Krankenakte während seiner Bremer Zeit liest sich wie eine Horrorgeschichte. Ohne Bundesliga-Einsatz verließ Eilers Bremen 2018 Richtung Griechenland. Doch auch bei Apollon Smyrnis, damals trainiert von seinem ehemaligen Wolfsburger Coach Valérien Ismaël, fand er sein Glück nicht. Beim Hauptstadtclub in Athen wurden schon bald die Gehälter nicht mehr gezahlt.

Nach weiterer OP droht das Karriereende

Zurück in Deutschland heuerte Eilers im Januar 2019 beim Drittligisten Sportfreunde Lotte an. Nach zwei Kurzeinsätzen musste er wegen Hüftbeschwerden erneut operiert werden. Das Karriereende drohte. Doch verbissen kämpfte der Profi wieder um ein Comeback, bezahlte, um den Anschluss zu schaffen, unter anderem Privattrainer selbst.

Eilers meldet in Braunschweig Privatinsolvenz an

Im Herbst 2019 wurde sein körperliches Dilemma existenzgefährdend und Eilers entschloss sich, in seiner Heimatstadt Braunschweig den Gang vors Insolvenzgericht anzutreten. Er machte sich auch öffentlich "nackig" und versuchte, mit einem emotionalen Facebook-Post seine Lage zu erklären: "Durch meine gesundheitliche Konstellation war ich 42 Monate getrieben von unzähligen Operationen und Rehas, die mich leider nicht nur körperlich aus dem Gleichgewicht gebracht haben", schrieb er. "Dieser jetzige Schritt fällt mir mächtig schwer, aber nur dadurch ist es möglich einen persönlichen Neuanfang zu starten."

Weitere Informationen
Fußball-Profi Justin Eilers während seiner Zeit bei Werder Bremen © imago/Revierfoto

Privatinsolvenz: Nächster Schicksalsschlag für Eilers

Profifußballer Justin Eilers hat in einem bewegenden Facebook-Post mitgeteilt, Privatinsolvenz angemeldet zu haben. Der Ex-Werder-Angreifer wurde immer wieder durch schwere Verletzungen zurückgeworfen. mehr

Nach dem Abstieg von Lotte in die Regionalliga West heuerte Eilers im September 2020 beim Drittliga-Aufsteiger SC Verl an - nach einem vierwöchigen Probetraining, denn sein Leidensweg hatte sich längst überall im Fußball herumgesprochen. Die Ostwestfalen bauten auf die Kämpferqualitäten des Offensivspielers - und Eilers schonend wieder auf. Mit fünf Toren in der Rückrunde zahlte er zumindest einen Teil des Vertrauens zurück.

Minge lotst Eilers zum Halleschen FC

Ein alter Bekannter lotste "Eile" schließlich zurück in den Osten. Ralf Minge, Dynamo-Legende und viele Jahre für die sportlichen Geschicke des Dresdner Kultclubs zuständig, ist inzwischen Sportdirektor beim Halleschen FC. Er bot Eilers einen Einjahresvertrag an. "Justin Eilers hat nach langer Verletzung eindrucksvoll gezeigt, dass er noch sehr genau weiß, wo das Tor steht", sagte Minge. "Seine Quote in der Dritten Liga ist beachtlich (52 Tore in 121 Spielen/d.Red.), von medizinischer Seite gab es ebenfalls grünes Licht."

Bleibt zu hoffen, dass Eilers dieses Mal von einer weiteren zermürbend langen Verletzungspause verschont bleibt. Vorerst kann er jedenfalls nur zusehen, wie der HFC seinen guten Saisonstart mit vier Punkten aus zwei Spielen im Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig auszubauen versucht. Auf die Befindlichkeiten bei seinem Jugendverein, der nach dem Abstieg aus der Zweiten Liga noch auf den ersten Sieg wartet, kann er momentan jedenfalls wenig Rücksicht nehmen.

Weitere Informationen
Braunschweigs Brian Behrendt hockt auf dem Rasen. © IMAGO / Hübner

Ratlosigkeit bei Eintracht Braunschweig

Nach dem Heimdebakel gegen Aufsteiger Viktoria Berlin brennt beim Fußball-Drittligisten schon der Baum. Trainer Schiele fordert neues Personal. mehr

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 16.08.2021 | 23:03 Uhr

Mehr Fußball-Meldungen

Die Bildcombo zeigt Marcell Jansen (l.) und Oliver Reck

Nordderby: Jansen und Reck über Anekdoten, Brisanz und den Favoriten

Wer gewinnt das Derby zwischen Werder und dem HSV? Warum ist dieses Spiel besonders? Der NDR hat mit Marcell Jansen und Oliver Reck gesprochen. mehr