Stand: 17.10.2018 14:20 Uhr

Löws Einsicht kommt spät, aber nicht zu spät

Mit dem Spiel der deutschen Nationalmannschaft in Paris gegen Frankreich hat die Diskussion um Bundestrainer Joachim Löw eine neue Wendung erfahren: Die - trotz der 1:2-Niederlage - überzeugende Leistung des umformierten Teams hat Löws Position gestärkt. Ist damit eine vorzeitige Auflösung des Vertrags vom Tisch? Darf Löw die DFB-Elf bis zur Europameisterschaft in zwei Jahren weiter betreuen?

Ein Kommentar von Martin Roschitz, NDR Hörfunk-Sportredaktion

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Die neuformierte DFB-Elf habe sich weitere Bewährungschancen verdient, meint Martin Roschitz.

Wer hätte gedacht, dass die Trainerdiskussion beim DFB mit einer Niederlage vorerst beendet werden würde? Joachim Löw bekommt nach dem 1:2 gegen Frankreich in Paris Rückendeckung von den Bossen Reinhard Grindel und Oliver Bierhoff - weil ohnehin derzeit keine bessere Lösung in Sicht ist und Löw ganz offensichtlich bereit ist, über seinen eigenen Schatten zu springen und Fehler einzugestehen.

Auf die Jungen setzen!

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Endlich gibt es sie, die tiefgreifenden Veränderungen, von denen Löw seit dem Scheitern bei der WM in Russland bislang immer nur geredet hatte. Nach dem "Umbruch light" bei den ersten drei Spielen nach der Weltmeisterschaft, ist die Herangehensweise gegen Frankreich als radikaler Neuanfang zu bewerten.

Mit dem Personal- und Systemwechsel gelang es Löw, Weltmeister Frankreich arg in Bedrängnis zu bringen. Auch wenn der Mut des Bundestrainers am Ende nicht mit Punkten belohnt wurde: Es war dennoch richtig, auf die Jungen zu setzen.

Zukunftsmodell mit einem "Highspeed-Sturm-Trio"

Mit Niklas Süle, Leroy Sané, Thilo Kehrer und Serge Gnabry sank das Durchschnittsalter der Mannschaft im Vergleich zum 0:3 in Amsterdam gegen die Niederlande um mehr als zwei Jahre. Der Effekt war geradezu verblüffend: Erstmals seit langer Zeit spielte das DFB-Team zielstrebig und in hohem Tempo nach vorne.

Die Kombination aus den drei "Highspeed-Stürmern" Timo Werner, Sané und Gnabry hat sich als echtes Zukunftsmodell entpuppt - genau wie die neue Dreierkette mit Süle als Abwehrchef.

Löw muss mutig bleiben

Das neuformierte Team hat sich weitere Bewährungschancen verdient. Auch wenn Löw die bekannten Probleme im Torabschluss nicht über Nacht in den Griff bekommen wird: Jetzt hat er einen Anhaltspunkt - und den ersten Schritt gemacht. Weitere müssen folgen, dann ist auch der drohende Abstieg in der Nations League kein Drama.

Löw scheint endlich erkannt zu haben, dass es keine Alternative mehr gibt zur Verjüngung der Mannschaft. Seine Einsicht kommt spät, aber noch nicht zu spät, um den Neuanfang mit Blick auf die EM 2020 selbst zu gestalten. Er muss nur mutig bleiben - und alte Zöpfe abschneiden.

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Deutschland verliert auch in Frankreich

Der Abstieg aus der Nations League ist für die deutsche Nationalmannschaft nach der Niederlage bei Weltmeister Frankreich kaum noch zu verhindern. Mehr zum Spiel bei sportschau.de. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 17.10.2018 | 06:50 Uhr

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