Hängende Köpfe bei den Spielern des HSV © Witters Foto: Joerg Halisch

Ist der HSV "unaufsteigbar"?

Stand: 07.11.2021 14:58 Uhr

Wieder nur ein Unentschieden! Nach dem achten Remis im 13. Saisonspiel beim Karlsruher SC tritt der HSV in der Zweiten Liga auf der Stelle. Aber was sagt das aus über den Kampf um einen Aufstiegsplatz?

Für die Anhänger des Karlsruher SC war der Fall klar. "Nie mehr Erste Liga - HSV", sangen die KSC-Fans nach dem 1:1 im Wildparkstadion schadenfroh. "Ich finde es schön, dass wir immer noch so ein Anreiz sind als HSV", sagte dessen Trainer Tim Walter, konnte dabei aber nicht verbergen, dass er angesäuert war. Erneut warb er um Geduld - für sein Team und auch für sich selbst. "Wir stehen genau da, wo ich uns mit dem jüngsten Kader der Liga erwartet habe", sagte Walter - klang dabei allerdings genauso wie der Imperator in "Star Wars", der jeden unerwarteten Rückschlag unbeirrt mit "Es läuft genauso, wie ich es vorhergesehen habe" kommentiert.

"Unsere Entwicklung ist auf dem richtigen Weg. Wir bringen die Bereitschaft auf und sind mutig. Der Rest kommt dann irgendwann von alleine." Tim Walter

Im Kino-Blockbuster scheitert das Imperium bekanntlich, und auch beim HSV stellt sich langsam die Frage, ob die ersehnte Ziel Bundesliga-Rückkehr realistisch ist. Zumal Geduld alles andere als eine Primärtugend rund um den Hamburger Volkspark ist. Man frage nach bei Walters Trainer-Vorgängern Hannes Wolf, Dieter Hecking oder Daniel Thioune, die allesamt den Aufstieg verpassten.

Barbarez: "St. Pauli ist vorbeigezogen"

Zumindest die direkten Aufstiegsplätze werden nach der Länderspielpause mehr und mehr aus dem Blickfeld geraten, wenn die Norddeutschen ihre Siegquote nicht erhöhen können. Besonders schmerzlich ist zudem, dass der Traditionsclub in dieser Saison immer mit dem ungeliebten Stadtnachbarn vom Millerntor verglichen wird.

Tabellenführer FC St. Pauli konnte an diesem Wochenende zwar nicht spielen, weil Gegner Sandhausen 18 Corona-Fälle vermeldet hat, liegt aber immer noch sechs Punkte vor dem HSV und hat in diesem Spieljahr doppelt so viele Siege eingefahren wie die Mannen von Trainer Walter. Auch die einzige Saisonniederlage musste der HSV ausgerechnet gegen den Stadtrivalen verbuchen.

"St. Pauli ist sportlich schon jetzt vorbeigezogen", urteilte unlängst der einstige HSV-Profi Sergej Barbarez im "kicker" und traf damit die Fans der Rothosen mitten ins Herz. "Es liegt vor allem daran, dass keine Entwicklung sichtbar wird. Seit Jahren nicht", kritisierte der Bosnier seinen Ex-Club.

Trotz Führungstreffern zehn Punkte verloren

Walter ficht solche Kritik nicht an. Konsequent folgt der HSV-Coach seinem inneren Kompass und seiner Spielidee. "Wir gucken nicht auf die Tabelle, sondern sehen, wie die Entwicklung voranschreitet. Wir haben in den vergangenen sieben Spielen einen enormen Schritt nach vorne gemacht", so der Kraichgauer. Viel Zeit bleibt ihm aber wohl nicht mehr, um seine Schützlinge zu stabilisieren.

Auffällig ist, dass es den Hanseaten auf dem Spielfeld überhaupt nicht hilft, wenn sie das erste Tor schießen. Nach eigener Führung ließen die "Rothosen" in dieser Spielzeit bereits zehn Punkte liegen. "Es ist immer wieder mehr drin für uns. Da können uns diese Unentschieden natürlich nicht zufriedenstellen", sagte HSV-Kapitän Sebastian Schonlau selbstkritisch.

Schweres Restprogramm bis Weihnachten

Dass es dem einstigen Bundesliga-Dino gelingt, bis zur Winterpause in Schlagdistanz zur Tabellenspitze zu bleiben, ist trotz vier Heimspielen zumindest nicht selbstverständlich. Direkt nach der Länderspielpause kommt der Tabellenzweite Jahn Regensburg am 20. November in die Hansestadt.

Anschließend geht es gegen den FC Ingolstadt, der seinen letzten Auftritt im Volksparkstadion vor eineinhalb Jahren 3:0 gewann. Auswärts treten die Hanseaten bei Hannover 96 an - gegen die Niedersachsen warten sie seit drei Partien auf einen Sieg (zwei Remis, eine Niederlage). Die Heimspiele gegen den starken Aufsteiger Hansa Rostock und Bundesliga-Absteiger Schalke 04 dürften auch keine Selbstgänger sein. Beste Voraussetzungen für besinnliche Weihnachtstage an der Elbe versprechen die anstehenden Aufgaben nicht.

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 07.11.2021 | 22:50 Uhr

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