Kiels Trainer Marcel Rapp gestikuliert an der Seitenlinie. © dpa-Bildfunk Foto: Uwe Anspach/dpa

Marcel Rapp: Ein "normaler Typ" bei einem "normalen Verein"

Stand: 11.12.2021 08:00 Uhr

Es war ein Paukenschlag: Ole Werner, der Holstein Kiel vergangene Saison bis ins DFB-Pokal-Halbfinale und in die Relegation geführt hatte, verlässt im Herbst den Verein. Sein Nachfolger: Der eher unbekannte Marcel Rapp, zuletzt U19-Trainer bei der TSG Hoffenheim. Nach gut zwei Monaten ist der gebürtige Pforzheimer langsam im Norden angekommen.

von Christine Pilger

Die beste Fischbrötchen-Bude hat der 42 Jahre alte Fußball-Trainer bereits für sich ausgemacht: In Schilksee hat er das ein oder andere typisch norddeutsche Essen schon verputzt. Auch die Kiellinie hat er mehrfach mit dem E-Roller erkundet, seine Standard-Jogginglaufstrecke führt ihn von Kiel-Schilksee bis nach Strande (Kreis Rendsburg-Eckernförde) und weiter an die Steilküste.

Ohne Familie vor Ort liegt der Fokus voll auf Holstein

Aber etwas fehlt noch für das heimische Gefühl: Rapps Familie lebt noch nicht in Kiel. "Meine große Tochter ist schulpflichtig, das ist nicht ganz so einfach." Auch wenn er seine Familie vermisst - der Holstein-Coach kann sich so zunächst besser auf seine neue Aufgabe konzentrieren: "Wenn man neu ist in einem Fußballverein ist es nicht nur acht Stunden arbeiten - da gehört noch mehr dazu. Das ist so meine Art, Leute kennenzulernen: die Mannschaft, das Trainerteam, die Mitarbeiter von Holstein. Deswegen ist es dann schon ganz gut, wenn niemand daheim wartet und man Verpflichtungen hat. So kann man sich voll und ganz auf den Verein einlassen." Weihnachten verbringt die Familie aber dann wieder zusammen in der Heimat - ganz klassisch, mit Kirchenbesuch und Festessen mit den Eltern, erzählt Rapp.

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"Ich bin einfach ein normaler Typ"

Aber wie kam es überhaupt, das Marcel Rapp seine Koffer gepackt hat und aus dem Süden in den hohen Norden gezogen ist? "Man verfolgt Fußball und guckt, welcher Verein passt denn zu mir? Und dann kommt man unweigerlich auch auf Holstein Kiel, weil einfach die Art des Fußballs, die Art wie der Verein geführt wird - auch wenn das im Süden relativ weit weg ist - kriegt man das schon mit. Und das fixt einen schon an. Und als der Anruf dann kam, hab ich zu meiner Frau gesagt: 'Kiel, ich will da hin!'. In den Gesprächen mit den Verantwortlichen sei immer wieder der eine Satz gefallen - Holstein Kiel, wir sind normal. Das habe ihm besonders gefallen, sagt Rapp. "Ich glaube, das trifft auch auf mich zu. Wenn ich mich so beschreiben würde, würd ich sagen: Ich bin einfach ein normaler Typ."

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Am 4. Oktober wurde der 42-Jährige offiziell beim Verein vorgestellt und sagt selbst: Die Umstellung vom Jugend- zum Profitrainer war gar nicht so schwierig. Nur die Themen mit den Spielern seien andere: "Wenn ich in der U19 Trainer bin, dann rede ich halt über TikTok-Videos oder über Führerscheinprüfungen. Und wenn ich jetzt Trainer von Holstein Kiel bin, rede ich mit Familienvätern oder werdenden Vätern über andere Themen."

Natürlich reden sie aber auch viel über Fußball, das Training und die aktuelle Leistung. Der Zweitligist kämpft im Gegensatz zur Vorsaison dieses Jahr eher gegen den Abstieg, zeigt nach spektakulären Spielen wie dem 2:1-Heimerfolg gegen Werder Bremen in der nächsten Partie gegen Nürnberg wieder zahlreiche Schwachstellen. Der Optimist Rapp glaubt, bald wieder konstante Ergebnisse zu bekommen. "Wir definieren uns über Fußballspielen und da gilt es, noch bessere Lösungen zu finden. Noch zielstrebiger zum Tor zu kommen und die Chancen auf Tore zu erhöhen." Um den Klassenerhalt frühzeitig zu schaffen, muss das in der Rückrunde zwingend besser werden, denn - auch Rapp bedient Fußballfloskeln - "die Tabelle lügt nicht".

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Hannah Böhme und Christine Pilger schauen in die Kamera. © Janis Röhlig/NDR Foto: Janis Röhlig

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Aktiv | 11.12.2021 | 16:40 Uhr

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