Stand: 29.08.2018 16:46 Uhr

Hendrik Weydandt: Hannovers Märchenprinz

Die ursprüngliche Zukunftsplanung lässt sich fraglos als solide bewerten. BWL studieren, Wirtschaftsprüfer werden, im besten Fall in einigen Jahren die Kanzlei des Vaters übernehmen, und als Ausgleich während dieser Zeit einige Tore schießen für den Barsinghausener Kreisligisten TSV Groß Munzel - so hatte sich das Hendrik Weydandt im Sommer 2014 gedacht. Vier Jahre später stellt sich die Lage so dermaßen anders dar, dass sie sich für den 23-Jährigen wie ein Märchen anfühlen muss, in dem er die Hauptrolle spielt. Der Hobby-Kicker ist zum Shooting-Star des deutschen Fußballs aufgestiegen, der es bis in den Profikader von Bundesligist Hannover 96 geschafft hat.

Für Hannover 96 II vorgesehen

Eigentlich war der 1,95-Meter-Mann von Hannover 96 für die zweite Mannschaft verpflichtet worden, für Regionalliga-Duelle mit Teams wie Lupo Martini Wolfsburg, SSV Jeddeloh II, VfL Oldenburg, BSV SW Rehden oder seinem Ex-Verein 1. FC Germania Egestorf/Langreder. Zu dem war er im Sommer 2015 gewechselt. Der 1. FC spielte damals noch in der Oberliga. Weydandt trug mit 13 Treffern in der Punktrunde und zwei weiteren in der Relegation einen ordentlichen Teil zum Aufstieg in die Regionalliga bei. Und auch dort traf der bewegliche Hüne mit dem Spitznamen "Henne" munter weiter. Nach insgesamt 26 Treffern in den folgenden beiden Spielzeiten schnappte 96 zu, gab ihm einen Amateurvertrag bis zum 30. Juni 2020.

Altkanzler Schröder: "Wunderbare Geschichte"

In der Vorbereitung auf die Saison wurde Weydandt zur großen Überraschung bei den "Roten". Er schaffte es in den Profikader und blieb dort seiner Linie treu: Er traf einfach munter weiter. Im Erstrundenspiel des DFB-Pokals beim Drittligisten Karlsruher SC kam der gebürtige Gehrdener in der 82. Minute für Niclas Füllkrug in die Partie und erzielte in der Schlussphase noch die beiden letztenTreffer zum 6:0-Endstand. Und am vergangenen Wochenende folgte dann, ebenfalls als "Joker", zum Saisonauftakt bei Werder Bremen (1:1) sein erstes Tor in der Bundesliga - nur 77 Sekunden nach seiner Einwechslung. Sprechen mochte er danach nicht. Das taten andere. "Solche Geschichten schreibt nur der Fußball", schwärmte 96-Kapitän Waldemar Anton. "Er hat jetzt die Latte ganz schön hoch gehängt. Ich bin gespannt, was jetzt noch kommt", orakelte Torhüter Michael Esser. Altbundeskanzler und 96-Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Schröder befand: "Das ist eine wunderbare Geschichte. Jeder würde sich das wünschen."

Profivertrag ist ausgearbeitet

Im Verein haben sie auf den sensationellen Werdegang Weydandts, der an jenen des früheren Bezirksliga-Kickers Miroslav Klose (SG Blaubach-Diedelkopf) erinnert, flugs reagiert. Ein Profivertrag, der eine satte Gehaltserhöhung ausweist, für den neuen Fan-Liebling ist schon ausgearbeitet. "Das hat er sich erarbeitet", lobte Trainer André Breitenreiter. Weitere Kapitel in Weydandts Märchen scheinen nur eine Frage der Zeit.

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 31.08.2018 | 22:40 Uhr