Hansa Rostock verliert mitreißendes Ostderby gegen Dresden

Stand: 22.08.2021 11:07 Uhr

Es war rasant, es war hart und es war überladen mit Emotionen: Hansa Rostock hat das Ostderby gegen Dynamo Dresden verloren - zum vierten Mal nacheinander im Ostseestadion mit 1:3 (1:1). Die beiden Zweitliga-Aufsteiger lieferten sich im traditionsreichen Duell am Samstagabend einen atemraubenden Schlagabtausch.

von Ines Bellinger

Hansa hat damit seit mehr als zehn Jahren nicht mehr gegen die Sachsen gewinnen können, in der Zweiten Liga gelang der "Kogge" noch nie ein Sieg gegen die Gelb-Schwarzen. Daran änderte die prächtige Kulisse von knapp 15.000 Zuschauern nichts, die den Ostklassiker auch akustisch zu einem Fußball-Highlight machte. Die noch ungeschlagenen Dresdner eroberten Rang zwei zurück, Hansa findet sich vor dem Auswärtsspiel in einer Woche bei Werder Bremen mit vier Punkten in der zweiten Hälfte der Tabelle wieder.

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Hansa-Keeper Markus Kolke © picture alliance/dpa | Daniel Reinhardt

Trikot von Hansa-Keeper Kolke - Gewinnerin steht fest

Kathrin Freese aus Senftenberg hat das handsignierte Trikot von Markus Kolke gewonnen. mehr

Härtel: Derby-Niederlage "geht uns richtig auf den Sack"

"Dass wir das Derby verloren haben, geht uns richtig auf den Sack", sagte Hansa-Trainer Jens Härtel, ein gebürtiger Sachse, nach dem Spiel auf der Pressekonferenz. "Dynamo hat tief und griffig verteidigt. Insgesamt habe ich eine ordentliche Leistung meiner Mannschaft gesehen - mit dem falschen Ergebnis."

Kapitän Kolke in der Startelf

Eine dicke Überraschung gab es schon vor dem Anpfiff. Hansa-Kapitän Markus Kolke hatte es entgegen der Befürchtungen seines Trainers doch in die Startelf geschafft und nahm seinen Platz zwischen den Pfosten ein. Von Oberschenkelproblemen wollte sich "Krake" Kolke, der am Sonntag im Sportclub des NDR zu Gast ist, offenbar nicht von einem Einsatz im ostdeutschen Traditionsduell abhalten lassen.

VIDEO: Markus Kolke: "Hansa einfach ein sehr geiler Verein" (11 Min)

Mörschel bringt Dresden nach 35 Sekunden in Führung

Doch Kolke war schneller im Fokus, als ihm lieb war. Mustergültig auf rechts freigespielt, marschierte Ransford-Yeboah Königsdörffer kurz nach dem Anstoß in den Hansa-Strafraum und zog aus spitzem Winkel ab. Kolke wehrte nach vorn ab, wo Heinz Mörschel heranrauschte. Nach einer Ping-Pong-Einlage mit dem Hansa-Keeper prallte der Ball von der Brust des Dresdners ins Rostocker Tor. Weil Nico Neidhart sich bei seiner vergeblichen Rettungsaktion verletzte, beschwerten sich Kolke & Co. lauthals bei Schiedsrichter Benjamin Cortus. Doch das 0:1 nach nur 35 Sekunden zählte.

Viel Tempo, viel Körpereinsatz

Das Prestigeduell nahm mit so hohem Tempo und so hartem Körpereinsatz Fahrt auf, dass sehr schnell die Frage im Raum stand, wie lange beide Teams das wohl durchhalten würden. Für Dresdens Kapitän Tim Knipping war das Spiel nach einer Viertelstunde vorbei. Der Innenverteidiger blieb bei einer Abwehraktion im Rasen hängen und verletzte sich am Knie.

4.Spieltag, 21.08.2021 20:30 Uhr

Hansa Rostock

1

Dyn. Dresden

3

Tore:

  • 0:1 Mörschel (1.)
  • 1:1 Mamba (43.)
  • 1:2 Wlachodimos (63.)
  • 1:3 Kade (70.)

Hansa Rostock: Kolke - Neidhart, Meißner, Roßbach, Scherff (72. Meier) - H. Behrens (79. Rhein), B.B. Bahn - Rizzuto (12. Schumacher), Ingelsson (72. Omladic), Mamba - Verhoek (72. Munsy)
Dyn. Dresden: Broll - Akoto, Sollbauer, Knipping (17. Mai), Löwe - Y. Stark - Schröter (79. Will), Kade - Mörschel (46. Wlachodimos) - Königsdörffer (58. Hosiner), Daferner
Zuschauer: 15000

Weitere Daten zum Spiel

Mamba gleicht vor der Pause aus

Bei Hansa war Calogero Rizzuto schon nach zwölf Minuten mit Nasenbeinbruch ausgeschieden. Härtel brachte Neuzugang Kevin Schumacher für ihn ins Spiel. Und der Joker vergab eine Riesenchance zum Ausgleich, als er Dynamo-Torhüter Kevin Broll per Flachschuss aus elf Metern nicht zu überwinden vermochte (27.). Das holte schließlich Streli Mamba nach, der nach Schumacher-Flanke und Kopfballverlängerung von John Verhoek den Ball aus kurzer Distanz in die Maschen jagte (43.). Der Ausgleich kurz vor der Pause - Hansa hielt das Spektakel am Kochen.

Vlachodimos und Kade versetzen Hansa den K.o.

Der Schlagabtausch, in den sich auch beide Trainer lautstark einmischten und dafür Verwarnungen kassierten, ging nach Wiederanpfiff weiter. Vor allem die Joker wollten es erzwingen. Doch während Schumacher, vergangene Saison noch für den TSV Havelse am Ball, das nötige Schussglück für die Rostocker fehlte (49., 55.), saß der erste Versuch des eingewechselten Panagiotis Vlachodimos aufseiten der Gäste. Der Grieche nickte eine Flanke von Christoph Daferner aus zehn Metern unbedrängt ins rechte Eck - Kolke rührte keinen Finger (63.). Den K.o.-Schlag versetzte Hansa wenig später Julius Kade, der zum 3:1 für die Dresdner abstaubte (70.).

Für ein Comeback fehlte den Rostockern nach kräftezehrenden 70 Minuten die Luft. Nicht aber den Fans, die mit aller Macht und fast durchgehend die "Dynamo"-Rufe der gut tausend mitgereisten Gäste-Fans übertönten.

Polizei: Ausschreitungen vor und nach dem Spiel

Nach der Begegnung kam es zu unschönen Szenen außerhalb des Stadions. Hansa-Anhänger warfen Steine auf die Shuttlebusse der Dynamo-Fans, die zurück zum Bahnhof gebracht wurden. Vereinzelt splitterten Scheiben der eingesetzten Stadt-Busse, verletzt wurde dabei niemand. Einige Leichtverletzte wurden dagegen vor dem Spiel registriert, wie die Polizei mitteilte. Im Bereich der Gartenstadt hatten sich Anhänger beider Teams eine Auseinandersetzung geliefert. Die Polizei konnte von 180 Personen die Identitäten feststellen, die meisten seien Dresdner gewesen, hieß es.

Sie erhielten Platzverweise und wurden durch Einsatzkräfte aus der Stadt begleitet. Außerdem wurden Schutzausrüstungen und eine große Menge Pyrotechnik sichergestellt. Die Polizei war mit insgesamt 900 Einsatzkräften vor Ort. Es gab neben einer Ingewahrsamnahme Strafanzeigen in den Bereichen Landfriedensbruch, Sachbeschädigung, Beleidigung, Diebstahl und Besitz von Betäubungsmitteln.

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Rostock-Trainer Uwe Reinders © picture-alliance

Vor 30 Jahren: Uwe Reinders und das Wunder von Rostock

Reinders war einer der wenigen Trainer, die zur Wendezeit vom Westen in den Osten gingen. Mit ihm wurde Hansa am 4. Mai 1991 Meister der NOFV-Oberliga. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 21.08.2021 | 23:03 Uhr

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