Hannovers Trainer Stefan Leitl: In der Ruhe liegt die Kraft

Stand: 05.09.2022 11:32 Uhr

Seit Stefan Leitl zum Saisonbeginn das Traineramt bei Fußball-Zweitligist Hannover 96 übernommen hat, ist eine Entwicklung des Teams zu sehen. Die "Roten" wirken sportlich verbessert, die Ergebnisse stimmen. Doch Euphorie will Leitl nicht aufkommen lassen.

von Martin Schneider

Bodenständig, bescheiden, verlässlich - Attribute, mit denen Weggefährten den 45 Jahre alten Fußballlehrer beschreiben, der seit knapp drei Monaten die sportlichen Geschicke von Hannover 96 von der Seitenlinie aus lenkt. "Ich fühle mich sehr wohl, meine Familie ist oft zu Besuch und fühlt sich hier auch sehr wohl", sagte Leitl im NDR Sportclub.

Für den gebürtigen Münchner und Familienmensch, der nahezu seine komplette Karriere in Bayern verbracht hat, sind die Niedersachsen Abenteuer und Überzeugung zugleich: "Ich wollte nach den Gesprächen mit Sportdirektor Marcus Mann und Martin Kind unbedingt nach Hannover. Es war schnell klar, dass wir gemeinsam etwas aufbauen wollen und auch gemeinsam etwas schaffen können", sagte der Coach.

Leitl will die Mannschaft entwickeln

Bodenständig, bescheiden, verlässlich - das sind auch Attribute, die in der Vergangenheit nicht direkt mit Hannover 96 in Verbindung gebracht wurden. Zu wechselhaft waren die Leistungen, zu viel Unruhe gab es rund um den Verein. Auch wenn der Streit zwischen Kind und dem Stammverein nach wie vor nicht beigelegt ist, hat der Konflikt aktuell keine Auswirkungen auf das Team.

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Und auf Leitl sowieso nicht, er konzentriert sich auf das Sportliche: "Es gibt keine jungen und alten Spieler, es gibt gute Spieler und weniger gute Spieler", sagt er über den Kader der "Roten". Und der Bayer ergänzt: "Wir als Trainer sind gefordert, da eine gute Mischung zu finden. Wir haben viele Spieler mit großem Potenzial in unserer Mannschaft, aber die gehören geführt."

Sportlicher Höhenflug und anstehende Herausforderungen

Und seine Spieler scheinen ihm zu folgen. Vier Siege in Folge feierten die "Roten" zuletzt, nach dem Erfolg in Rostock klopft 96 tabellarisch oben an. Doch Leitl tritt gegenüber dem NDR etwas auf die Euphoriebremse: "Man darf nicht vergessen, dass Hannover in den letzten drei Jahren im Abstiegskampf steckte. Wir sind in einer Entwicklung. Ich glaube, dass wir uns auf einem richtigen Weg befinden und trotzdem demütig bleiben müssen."

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Unrecht hat der Trainer damit nicht, die vergangenen Jahre waren für die Fans der Niedersachsen eine anhaltende Berg- und Talfahrt. Vorsichtiger Optimismus ist aufgrund der bisherigen Leistungssteigerung in der Saison allerdings erlaubt. Gerade, weil am Sonnabend mit dem Niedersachsen-Derby gegen Eintracht Braunschweig ein prestigeträchtiges Spiel ansteht. "Das ist das wichtigste Spiel für alle Hannoveraner", sagte Leitl und machte den Anhängern Hoffnung: "Wir wollen ein gutes Spiel zeigen. Und wir wollen gewinnen."

Wo landet 96 am Ende der Saison?

Mit einem Sieg gegen die "Löwen" würde Leitl die Herzen der Anhänger noch schneller erobern als ohnehin schon. Mit seiner ruhigen Art hat er binnen weniger Wochen aus einem taumelnden Zweitligisten eine Mannschaft geformt, die wieder erfolgreich spielt. Im Pokal haben die "Roten" mit Bundesligist Borussia Dortmund zudem ein Hammerlos bekommen, das die Arena füllen wird.

Wohin geht die Reise für die Fußballer von der Leine? "Momentan ist alles perfekt", grinste Leitl, der aber nicht zu weit voraus blicken will: "Ich habe selber als Spieler Höhen und Tiefen miterlebt, gerade in jungen Jahren", sagte der 45-Jährige. "Ich möchte, dass die Jungs immer an ihre Chance glauben, hart arbeiten, auf ihrem Weg bleiben und sich nicht ablenken lassen." Sollten seine Spieler das weiter beherzigen, kann Hannover in dieser Saison in der Liga eine gute Rolle spielen.

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Sportclub | 04.09.2022 | 22:50 Uhr

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