Stand: 17.07.2019 09:00 Uhr

Hannover 96: Zwischen den Pfosten ein Luxus-Aufgebot

von Christian Görtzen, NDR.de
Konkurrenten: die 96-Torhüter Philipp Tschauner, Ron-Robert Zieler und Michael Esser (v. l.).

Hätte Hannover 96 kurz nach dem Abstieg aus der Bundesliga eine Umfrage unter seinen Fans darüber abgehalten, welche Mannschaftsteile zwingend verstärkt werden müssten, vermutlich hätte es einen Dreikampf um den ersten Platz gegeben: Abwehr, Mittelfeld, Angriff - überall hakte es bei den Niedersachsen. Doch auf die Position des Torhüters wäre aller Voraussicht nach nur ein sehr kleiner Anteil der Stimmen entfallen.

Eigentlich kein Handlungsbedarf

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Es war ja auch die einzige Position, auf der Hannover Bundesliga-Ansprüchen genügte - dank seiner damaligen Nummer eins, Michael Esser. Der 31-Jährige belegte im Fachmagazin "kicker" in der Rangliste der Bundesliga-Keeper mit einer Paradenquote von 69,3 % einen Platz im "gesicherten" Mittelfeld. Ausgerechnet für diese Position sind die "Roten" jedoch auf dem Transfermarkt im Stile eines Erstligisten aufgetreten - nach dem Motto: Gut ist uns nicht gut genug.

Durch die Verpflichtung von Ron-Robert Zieler und die Rückkehr von Philipp Tschauner (war an FC Ingolstadt 04 verliehen) hat 96 zwischen den Pfosten ein Luxus-Aufgebot, während die anderen Mannschaftsteile durchaus noch neue Kräfte vertragen könnten. Gerade erst hat Trainer Mirko Slomka im Gespräch mit mehreren Medien eingeräumt, dass etwa dringend noch ein Innenverteidiger kommen müsse.

Slomka: "Ron ist die klare Nummer eins"

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Slomka hatte auch schon zu Beginn der Vorbereitung zu verstehen gegeben, dass für ihn die Hierarchie im Tor eindeutig sei. "Es wird nicht diesen klassischen Konkurrenzkampf geben. Ron ist die klare Nummer eins. Philipp Tschauner ist dahinter, um Druck zu machen“, sagte Slomka dem "Sportbuzzer". Zielers früherer Berater (und ehemaliger Mitspieler) Jan Schlaudraff dürfte einen erheblichen Anteil daran gehabt haben, dass der Weltmeister von 2014 von Bundesliga-Absteiger VfB Stuttgart zu den "Roten" zurückgekehrt ist und dort einen Vertrag bis 30. Juni 2023 erhalten hat. Seit Mitte Juni ist Schlaudraff offiziell als 96-Sportdirektor tätig.

Über das Zustandekommen des Transfers zeigte sich Slomka hocherfreut: "Ron-Robert ist ein Führungsspieler, der uns in jeder Hinsicht Stabilität geben wird." Zusammen führten sie 96 in Slomkas erster Amtszeit (2010 bis 2013) zweimal in die Europa League - dieses Jahr lautet das klare Ziel: Rückkehr in die Bundesliga.

Bericht: Leipzig an Tschauner interessiert

Bleibt nur die Frage, was aus der ehemaligen Nummer eins Esser und dem einstigen Kapitän Tschauner, einem Freund von Zieler, wird. Letzterer soll nun laut "Sportbuzzer" bei Bundesligist RB Leipzig als Nummer zwei hinter Péter Gulácsi im Fokus stehen. Esser hatte schon wenige Tage nach der Zieler-Verpflichtung sein Unverständnis darüber nicht verhehlt. "Ich bin natürlich auch enttäuscht. ich glaube einfach, dass die Vorgehensweise auf mich bezogen ein Stück weit unglücklich war", sagte Esser der "Bild".

Esser: "Wenn nichts kommt, muss ich hierbleiben"

Ein Wechsel zu Bundesligist Fortuna Düsseldorf hat sich für ihn zerschlagen. "Ich habe von vornherein gesagt, dass ich nicht alles machen werde, weil es natürlich auch für mich passen muss. Wenn nichts kommt, muss ich hierbleiben", so Esser. Eines steht schon jetzt fest: Durch die Degradierung zur Nummer drei wird 96 bei der Ablösesumme für Esser erhebliche Abstriche machen müssen. Schließlich wissen andere Clubs, dass in Hannover ohne ihn geplant wird.

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