Stand: 11.05.2019 18:00 Uhr

Hannover 96: Ein gemeinsamer Weg ist alternativlos

Hannover 96 ist abgestiegen - und steht vor einer ungewissen Zukunft. Wer wird Sportchef? Bleibt Trainer Thomas Doll? Wie sieht der Kader für die Zweite Liga aus? Viel wichtiger aber ist die Frage: Schaffen es Martin Kind und seine Kritiker, einen gemeinsamen Weg zu finden?

Ein Kommentar von Bettina Lenner, NDR.de

Nun ist er also besiegelt, der vorzeitige Abstieg von Hannover 96. Der Aufwärtstrend kam zu spät, das sportliche Sterben auf Raten, das sich über Wochen hinzog, ist damit einen Spieltag vor Saisonende endlich beendet. Tausende Fans und viele Mitarbeiter des Clubs, deren Existenz eng mit dem sportlichen Überleben der "Roten" verknüpft ist, trifft er wohl dennoch bis ins Mark.

Lage vollkommen anders als vor drei Jahren

Nur unzulänglich kann zum Trost gereichen, dass Hannover vor drei Jahren schon einmal den bitteren Gang in die Zweite Liga antreten musste - und direkt zurückkehrte. Der Aufstieg sei "alternativlos", wurde Martin Kind seinerzeit nicht müde zu betonen; und setzte alle Hebel in Bewegung, damit der am Ende erfolgreiche Plan mit einem erstligareifen Kader und der nötigen finanziellen Unterfütterung gelang. Diesmal jedoch, das hat auch der mächtige Unternehmer bereits konstatiert, ist die Lage völlig anders.

Hannover 96: Ein Klub in der Sackgasse

Sportclub -

Trainerwechsel, Sportdirektor-Zoff und Selbstzerfleischung bei Hannover 96: Die Sportclub Story analysiert eine vollkommen verkorkste Saison und zeigt einen Fußballverein, der nicht zur Ruhe kommt.

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Lizenz für die Zweite Bundesliga nur mit Auflagen

Im Mai 2019 ist Hannovers Mängelliste ellenlang: Die Trainerfrage ist offen, ein neuer Sportchef und damit die entscheidende Personalie für den drängenden Neuaufbau noch immer nicht gefunden. Wer soll die Zukunft konkret gestalten? Die Zeit drängt, zumal Kreativität und Know-how gefragt sind, denn die Spielberechtigung für die kommende Saison hat 96 nur unter Auflagen bekommen. Kind ist zwar überzeugt, dass der Club die wirtschaftlichen Bedingungen erfüllen wird, möchte jedoch zu den schon jetzt insgesamt 35 Millionen Euro kein weiteres Minus anhäufen.

Mannschaft steht vor dem Ausverkauf

Die Mannschaft steht damit - anders als vor drei Jahren - vor dem Ausverkauf, ohnehin besitzen viele Profis keinen Vertrag für die Zweite Liga oder Ausstiegsklauseln. Auf den eigenen Nachwuchs zu setzen, kann die richtige Idee sein, birgt aber auch bei gutem Augenmaß ein nicht unerhebliches Risiko, wie nicht zuletzt der Blick hinüber zum Erzrivalen Eintracht Braunschweig zeigt. Der steuert in der Dritten Liga erst nach Kaderaufstockung in der Winterpause wieder auf Kurs Klassenerhalt.

Wer hat das Sagen bei Hannover 96?

Die größte und alles entscheidende Baustelle geht darüber aber weit hinaus und betrifft die Führungsstruktur: Denn über die Frage, wer bei den Niedersachsen das Sagen hat, ist in den vergangenen Jahren ein erbitterter Zwist zwischen Fanlager und Kapitalgebern entbrannt, der mitverantwortlich ist für den sportlichen Abstieg des ehemaligen Europapokal-Teilnehmers.

Der Club braucht Ruhe und Geschlossenheit

Martin Kind zu seiner Zukunft bei Hannover 96

"Jetzt das sinkende Schiff zu verlassen, ist für mich keine Alternative. Ich habe diese Entwicklung mit zu vertreten. Und in der Krise muss es ein paar Leute geben, die stabil stehen. Es gibt genug Beispiele, die dann in der Dritten und Vierten Liga geendet haben. Das ist nicht mein Selbstverständnis. Und deshalb werde ich auch kämpfen, keine Frage."

Alles wird davon abhängen, ob sich Hauptgesellschafter Kind, der den Club jahrzehntelang wie ein Patriarch führte, und die neuen Kontrolleure um den neuen Vereins-Präsidenten Sebastian Kramer, der den mächtigen Unternehmer theoretisch als Geschäftsführer der Fußball-GmbH absetzen lassen könnte, annähern können. Die Fronten scheinen verhärtet, die Situation ist verfahren. Die Kapitalgeber wollen um den Einfluss bei 96 kämpfen, die neu gewählte Vereinsgremien mehr Demokratie und den Erhalt der 50+1-Regel. Zeitnah einen Kompromiss zu finden, ist die vordringlichste Aufgabe des Bundesliga-Absteigers und seiner Verantwortungsträger. Der Club braucht Ruhe und Geschlossenheit, um einen Plan für die Zukunft, eine Perspektive zu entwickeln. Diesen gemeinsamen Weg zu finden, ist für Hannover 96 alternativlos.

Hannover 96: Die Abstiegssaison in Bildern

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Bundesligashow | 11.05.2019 | 15:00 Uhr

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