Stand: 04.12.2018 17:39 Uhr

Hannover 96: Ein Club im Krisenmodus

Stürmische Zeiten bei Hannover 96: Es gibt viele Krisenherde.

Sportliche Krise, ein clubinterner Machtkampf und Martin Kinds Bestrebungen, eine Ausnahmegenehmigung von der 50+1-Regel zu erhalten: Bei Hannover 96 gibt es derzeit zahlreiche Brennpunkte. NDR.de gibt einen Überblick.

Wie ist die Stimmung bei Hannover 96?

In einem Wort: katastrophal. Der Verein ist heillos zerstritten und sportlich auf Talfahrt. Seit Jahren befinden sich Präsident Martin Kind und seine Sympathisanten im Streit mit der vereinsinternen Opposition, die eine komplette Machtübernahme durch den Unternehmer verhindern will. Sprachrohr der Kind-Gegner ist die Interessengemeinschaft "Pro Verein 1896“.

Worum geht es im aktuellen Streit über die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung?

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50+1: Kind will kämpfen bis zuletzt

Hannovers Club-Chef Martin Kind ist fest entschlossen, die 50+1-Regel zu kippen. Sollte das Schiedsgericht der DFL seinen Einspruch abweisen, will er alle Rechtsmittel ausschöpfen. mehr

"Pro Verein 1896“ hatte genügend Stimmen gesammelt, um eine außerordentliche Mitgliederversammlung des eingetragenen Vereins einzuberufen. Dort sollten die drei Kind-freundlichen Aufsichtsräte Veronika von Lintel, Michael Beck und Valentin Schmidt durch Kind-Gegner ersetzt werden. Würde dies gelingen, hätten die Gegner einer Machtübernahme durch Kind im sechsköpfigen Kontrollgremium die Mehrheit, da in Ralf Nestler bereits ein Kind-Kritiker dem Aufsichtsrat angehört.

Die 96-Clubführung lehnte die Ansetzung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung jedoch ab. Es fehle die "Eilbedürftigkeit", weil die ordentliche Mitgliederversammlung bereits auf den 23. März 2019 terminiert ist. Dort würden von Lintel, Beck und Schmidt ohnehin nicht mehr zur Wiederwahl antreten. Außerdem seien die Ab- und Neuwahl der Aufsichtsräte nicht bei ein- und derselben Versammlung möglich. 96 müsste daher "in zweieinhalb Monaten insgesamt drei Mitgliederversammlungen abhalten. Das ist für Mitglieder weder vertretbar noch zumutbar", so die Vereinsführung. Auch entstünden unnötig hohe Kosten. "Pro Verein 1896" beklagte "mangelnden Respekt" und erklärte, der Vorstand um Kind verstoße "zum wiederholten Male gegen die Satzung des Vereins und geltendes Recht". Die Opposition prüft nun juristische Schritte.

Wie steht es um Kinds Übernahmepläne?

Stichwort 50+1

Durch die sogenannte 50+1-Regel wird bislang verhindert, dass Investoren mehr als 50 Prozent der Anteile an einem Fußball-Club erwerben können. In anderen Ligen - zum Beispiel in England - gibt es eine solche Regelung nicht. Besonders Hannover 96 mit Clubpräsident Martin Kind an der Spitze macht sich dafür stark, die Regel zu kippen, um die "Kapitalsituation der Clubs zu verbessern". Die Regelung wurde bisher beibehalten, steht aber permanent in der Diskussion. Befürworter der Regelung kritisieren, dass beim Wegfall der Markt für ausländische Investoren geöffnet werden könnte, die kein sportliches Interesse an einem deutschen Bundesliga-Club haben.

Kind hatte im Sommer 2017 bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) einen Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung von der 50+1-Regel gestellt. Diese kann erteilt werden, wenn ein Geldgeber "seit mehr als 20 Jahren den Fußballsport des Vereins ununterbrochen und erheblich gefördert hat". Kind nahm dies für sich in Anspruch, die DFL sah die Bedingungen als nicht erfüllt an und lehnte den Antrag im Juli dieses Jahres ab. Hannover 96 rief anschließend das DFL-Schiedsgericht an, das vielleicht noch im Dezember entscheidet, ob Kind doch noch die Erlaubnis zur Machtübernahme bekommt.

Sollte auch das DFL-Schiedsgericht keine Ausnahmegenehmigung erteilen, wird Kind vor das Landgericht Frankfurt ziehen, um gegen die 50+1-Regel zu klagen. Experten räumen ihm gute Chancen ein, die Regelung grundsätzlich zu kippen.

Satzungsänderung: Droht 96 der Lizenzentzug?

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96 hatte im September Neuregelungen bei der Hannover 96 GmbH & Co. KGaA (verantwortet die Profi-Abteilung) vorgenommen. Diese schränken nach Auffassung von Kritikern die Rechte der Hannover 96 Management GmbH, die zu 100 Prozent dem eingetragenen Verein gehört, stark ein. Die 50+1-Regel solle quasi "durch die Hintertür" umgangen werden.

Die DFL prüft derzeit die Änderung. Sollte der Ligaverband einen Verstoß feststellen, droht Hannover 96 ein Punktabzug, möglicherweise ist sogar die Lizenz in Gefahr. Manager Horst Heldt deutete jedoch an, dass der Club notfalls die Satzungsänderung zurücknehmen würde: "Am Ende des Tages könnte der Verein immer noch reagieren, wenn er reagieren muss. Wenn sie eine Rechnung nicht bezahlen, bekommen sie auch erst eine Mahnung und müssen nicht sofort ins Gefängnis."

Martin Kind, im Vordergrund eine 96-Fahne © picture alliance/augenklick/GES

Martin Kinds Kampf an allen Fronten

Sportclub -

Martin Kind ist ohne jeden Zweifel der starke Mann bei Hannover 96. Zurzeit weht ihm aber der Wind heftig ins Gesicht. 50+1-Regel, Streit mit den Fans - Kind kämpft an allen Fronten.

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Sport aktuell | 04.12.2018 | 14:25 Uhr

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