Dirk Fischer, Präsident des Hamburger Fußball-Verbandes (HFV) © IMAGO / Hanno Bode

Hamburg zieht Notbremse im Amateurfußball: "Schrecklich für Vereine"

Stand: 05.03.2021 20:39 Uhr

Der Hamburger Fußballverband (HFV) hat als erster Landesverband in Deutschland offiziell den Abbruch der Saison beschlossen. Präsident Dirk Fischer erklärt im NDR Interview, warum dieser Schritt notwendig war - und was er für die Vereine bedeutet.

Herr Fischer, war diese Entscheidung alternativlos?

Dirk Fischer: Wir haben am 4. Februar im Präsidium den Beschluss "Abbruch" gefasst, weil der spätestmögliche Beginn des Spielbetriebs Anfang März und demzufolge ein Start in den Trainingsbetrieb ab Mitte Februar nicht möglich war. Dann mussten wir nach Satzung noch einen Außerordentlichen Verbandstag einberufen. Und der hat nun den Formalbeschluss gefasst. Von meinen Kollegen aus den anderen norddeutschen Landesverbänden höre ich, dass dort auch nichts läuft. Schleswig-Holstein wird wohl nächste Woche den entsprechenden Formalbeschluss fassen.

War der Beschluss beim Verbandstag umstritten?

Fischer: Es gab Diskussionen, auch Gegenmeinungen, aber die Voten waren eindeutig mit über 90 Prozent pro Abbruch. Wir haben eine ganz klare Situation im Verband, weil das in den Vereinen alle realistisch einschätzen.

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Die Pokalwettbewerbe halten Sie noch offen. Wie soll es dort weitergehen?

Fischer: Wir müssen unsere Pokalwettbewerbe dringend zu Ende bringen, weil am 29. Mai der Finaltag der Amateure in der ARD übertragen wird. Dann muss der Hamburger Lotto-Pokalsieger feststehen. Dafür brauchen wir Termine, das hat Priorität. So wie das Szenario im Moment ist, wird auch das wahnsinnig eng.

In Niedersachsen wird die Saison bis maximal 21. Juli verlängert. War das keine Option für Hamburg?

Fischer: Nein, denn wir hoffen ja, dass die Saison 2021/2022 mal wieder eine ganz reguläre Saison wird. Wenn wir so etwas machen würden, würden wir jetzt schon entscheiden, dass auch die nächste Saison beschädigt ist, weil sie nicht regulär ablaufen kann. Die kommende Saison muss spätestens Anfang August beginnen.

Was bedeutet der Saisonabbruch für die Zukunft des Spielbetriebs im Hamburger Fußball? Bereits die vergangene Saison musste abgebrochen werden.

Fischer: Wir sind mit unseren Entscheidungen ja abhängig von der staatlichen Verfügungslage. Für die Vereine ist es ganz schrecklich. Sie haben Mitgliederverluste, keine Neubeitritte, Beitragseinbußen, keine Zuschauereinnahmen. Bestimmte Förderungen und Sponsorenzuwendungen fallen aus. Das ist finanziell, aber vor allem sportlich ganz schlimm, weil vor allem Kinder und Jugendliche nicht ihren regulären Sport ausüben können. In den Vereinen ist deshalb eine ziemliche mentale Stresssituation da. Wenn man das berücksichtigt, sind unsere Vereine im Umgang immer noch sehr, sehr maßvoll und vernünftig, einsichtig. Es ist ja auch klar, dass wir die Probleme nur solidarisch bewältigen können.

Haben Sie die Befürchtung, dass sich angesichts der angespannten Situation ganze Mannschaften vom Spielbetrieb abmelden könnten?

Fischer: Ich glaube schon, dass all diese Dinge einen negativen Einfluss darauf haben werden, wie viele spielfähige Mannschaften wir haben. Ich bin sicher, wenn es wieder losgeht, werden die Vereine darauf sehr schnell reagieren. Wir haben den Vereinen auch gesagt, wenn sich die staatliche Verfügungslage aufgrund der Entwicklung des Infektionsgeschehens und auch bei den Schnelltests, die für uns jetzt hilfreich sein könnten, ändert und Spiele auf dem grünen Rasen wieder möglich werden, wird der Verband sofort einen Pflicht-Freundschaftsspielbetrieb für alle Mannschaften organisieren. 

Wie bewerten Sie die vom Bund-Länder-Gipfel vorgeschlagenen Öffnungsschritte für den Sport insgesamt?

Fischer: Die wissenschaftlichen Nachweise sind eindeutig, dass das Infektionsgeschehen selbst bei einer Kontaktsportart kaum wahrnehmbar ist, allenfalls Probleme entstehen, wenn Mannschaften zusammen im Bus fahren, zusammen Kabinen nutzen oder nach dem Spiel zusammen etwas trinken gehen. Der Sport selbst ist nicht das Risiko. Deshalb sagen wir: Lasst uns doch wieder trainieren und spielen unter strikter Einhaltung des Hygienekonzeptes. Unsere Vereine haben im vergangenen Jahr schon gezeigt, dass sie dazu fähig und bereit sind. Das ist unsere Bitte, unser Wunsch, unser Drängen. Aber wir freuen uns auch, dass für Kinder bis 14 Jahre eine gewisse Lockerung erfolgt ist. Das halten wir für einen guten und wichtigen und notwendigen Schritt.

Das Interview führte Ines Bellinger

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Dieses Thema im Programm:

Sport | 05.03.2021 | 15:00 Uhr

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