Stand: 06.12.2018 09:36 Uhr

Hässliche Szenen bei St. Pauli gegen Dresden

Die Polizei setzte Pfefferspray gegen Dynamo-Fans ein.

Beim Zweitligaspiel zwischen dem FC St. Pauli und Dynamo Dresden (1:1) ist es am Sonnabend zu dramatischen Zwischenfällen sowie unschönen Szenen gekommen. Ein Fan der Kiezkicker erlitt kurz nach der Halbzeitpause auf der Nordtribüne des Millerntor-Stadions einen Herzinfarkt, musste reanimiert werden und wurde ins Krankenhaus gebracht. Am Sonntag teilte der FC St. Pauli via Twitter mit, dass sich der Mann aktuell nicht in Lebensgefahr befinde.

Notärztin: Keine Becherwürfe bemerkt

Unwürdig war dabei das Verhalten einiger Dynamo-Anhänger, die laut Augenzeugen beim Abtransport unter anderem Bierbecher in Richtung des kollabierten Fans warfen. Unklar ist, ob diese Würfe auf den Verletzten abzielten. Die Notärztin, die den Einsatz leitete, sagte NDR.de: "Ich stand während des gesamten Einsatzes dicht am Patienten und habe keine Becher oder andere Wurfgeschosse bemerkt. Auch die anderen Mitglieder des Teams haben hiervon nichts bemerkt, wie sich in einer Nachbesprechung des Einsatzes herausstellte." Nach Aussage einer Sprecherin des FC St. Pauli habe es gleichzeitig im Gästeblock Krawalle gegeben. "Wir können nicht sagen, ob das dem Fan oder der Polizei galt, die dort stand."

Auseinandersetzungen mit der Polizei

Die Gäste-Anhänger hatten bereits vor der Begegnung mehrere sanitäre Anlagen im Gästebereich zerstört, der Schaden soll nach Angaben des FC St. Pauli bei etwa 10.000 Euro liegen. Während der zweiten Hälfte lieferten sich Dynamo-Randalierer im Gästeblock Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften und Polizei, die dabei auch Pfefferspray und Schlagstöcke einsetzten.

Nach Polizeiangaben haben zudem "circa 50 vermummte Personen versucht, aus dem Gästebereich der Nordtribüne über den Umlauf in die benachbarten Blöcke zu stürmen". Das konnte durch die Einsatzkräfte verhindert werden. Ebenso wie ein Vordringen von 30 bis 40 St.-Pauli-Fans in den Gästeeingang über die Budapester Straße.

Born: "Dinge vorgefallen, die wir zutiefst ablehnen"

Ein weiterer Tiefpunkt war ein im Dynamo-Block entrolltes Banner mit einer frauenverachtenden Hassbotschaft in Richtung St.-Pauli-Fans. "Es sind in Hamburg im Zusammenhang mit einigen Anhängern im Gäste-Block verschiedene Dinge vorgefallen, die wir zutiefst ablehnen und verurteilen, weil sie menschenverachtend sind und die Werte unserer Sportgemeinschaft mit Füßen treten", sagte Dresdens kaufmännischer Geschäftsführer Michael Born.

Er bat bei den betroffenen Personen um Entschuldigung. "Der intensive Aufarbeitungsprozess der Ereignisse hat bereits gestern unmittelbar nach dem Spiel mit allen Verantwortlichen begonnen. Wenn die interne Analyse abgeschlossen ist und alle Beteiligten die Chance hatten, ihre Sicht der Dinge darzulegen, werden wir uns als Verein in aller Deutlichkeit zu den Vorfällen im Millerntor-Stadion äußern", so Born.

Stöver: "Hat mit Fußball nichts zu tun"

Nach dem Spiel suchten sogenannte "Fans" beider Clubs die Auseinandersetzung, doch die Polizei ging dazwischen und beendete die Streitereien, bevor sie richtig beginnen konnten, hieß es dazu. Nach Polizeiangaben wurden sechs Polizeibeamte und drei Ordner verletzt. Zudem hätten etwa 25 Zuschauer durch den polizeilichen Einsatz von Pfefferspray Augenreizungen erlitten. 450 Beamte hatten die Partie abgesichert.

Er erwarte "eine seriöse Aufarbeitung mit einem entsprechend konkreten Sachverhalt", sagte St.-Pauli-Sportchef Uwe Stöver am Sonntag: "Was Fakt ist, ist die mutwillige Zerstörung vor dem Spiel, während des Spiels und auch nach dem Spiel. Das sind Dinge, die gehen gar nicht und haben mit Fußball nichts zu tun."

Weitere Informationen

St. Pauli: Drittes 1:1 in Folge

Der FC St. Pauli verliert langsam den Anschluss an die Spitze der Zweiten Liga. Gegen Dresden reichte es nur zu einem 1:1, der Abstand auf einen direkten Aufstiegsplatz beträgt jetzt fünf Punkte. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 01.12.2018 | 22:40 Uhr

Mehr Sport

02:57
Hamburg Journal

Hamburgs Sportler des Jahres 2018

12.12.2018 19:30 Uhr
Hamburg Journal
01:43
NDR 2
02:51
Nordmagazin