Hamburgs Khaled Narey nach seinem Treffer zum 1:0 in Fürth. © imago images / Zink Foto: Wolfgang Zink

HSV mit drittem Sieg im dritten Spiel

Stand: 17.10.2020 15:37 Uhr

Drei Spiele, drei Siege: In einem erneut turbulenten Auswärtsspiel zitterte sich der HSV bei Greuther Fürth in Unterzahl zu einem 1:0 und zurück an die Tabellenspitze. Rotsünder Toni Leistner verabschiedete sich in die nächste Sperre.

von Ines Bellinger

Die Reise nach Fürth begann für den Hamburger SV mit einem Déjà-vu: Die Franken meldeten am Freitagmorgen einen positiven Corona-Test. Zwei Nachtests im Lauf des Tages hätten dann jedoch negative Ergebnisse gebracht, berichtete der Fürther Trainer Stefan Leitl am "Sky"-Mikrofon. Zwar musste er mit seiner Mannschaft auf das Abschlusstraining verzichten, das Spiel aber konnte stattfinden. Anders als im Frühjahr: Als die Corona-Pandemie ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte, war das Duell mit dem HSV im Fränkischen abgesagt worden. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hatte damals ihren Spielbetrieb vorläufig eingestellt.

Fokus auf Ulreich - Leistner Kapitän

Dieses Mal waren im Sportpark Ronhof 3.250 Zuschauer zugelassen. Nach der harten Entscheidung von HSV-Trainer Daniel Thioune auf der Torwart-Position gegen Daniel Heuer Fernandes war klar, dass alle Augen auf den neuen Platzhirsch Sven Ulreich gerichtet sein würden. Der 32 Jahre alte Neuzugang von Bayern München feierte ebenso sein Zweitliga-Debüt für den HSV wie Verteidiger Leistner, der nach seiner abgesessenen Sperre für den Ausraster beim Pokalspiel in Dresden die "Rothosen" als Kapitän anführte - und erneut für Schlagzeilen sorgen sollte.

Lattenkracher von Seguin

Beide erlebten keinen geruhsamen Einstand, denn wie schon beim 4:3 in Paderborn wurde es turbulent. Bereits in der 6. Minute musste sich Ulreich geschlagen geben, als Paul Seguin aus 25 Metern abzog. Doch das Glück in Gestalt der Querlatte stand dem Torwart beiseite. Das Geschoss prallte vom Aluminium zurück ins Spielfeld. In der Folge bekamen die Hamburger immer wieder Probleme mit dem klugen Umschaltspiel der bissiger zu Werke gehenden Gastgeber. Vor allem Seguin war ein Unruheherd. Der HSV blieb nach einer frühen Doppel-Chance durch Khaled Narey (15.) und Aaron Hunt (16.) zunächst Vieles schuldig. Einen Freistoß von Hunt klärte Maximilian Bauer per Kopf vor der Torlinie (41.). Auf der Gegenseite hatte Ulreich erneut Glück, als ein Kopfball von Havard Nielsen nach Ecke von Seguin am langen Pfosten vorbeitrudelte (45.+1).

"Phantom" Terodde legt für Narey auf

HSV-Stürmer Simon Terodde wirkte abgenabelt vom Spiel seiner Kollegen. Doch kurz vor dem Pausenpfiff tauchte er wie aus dem Nichts als Assistent auf. Mit einem feinen Pass schickte er Narey in die Tiefe, der den Ball seelenruhig am Fürther Torwart Sascha Burchert vorbeispitzelte (45.+3). Dass Narey nach dem 1:0 nicht jubelte, war wohl seiner Vergangenheit beim "Kleeblatt" geschuldet. Es hätte aber auch Ausdruck dafür sein können, dass die HSV-Führung zur Pause glücklich ausfiel.

Leistner sieht Rot - Glanztat von Ulreich

Strafraumszene vor Hamburgs Sven Ulreich. © imago images / Zink Foto: Wolfgang Zink
HSV-Torwart Sven Ulreich (r.) stand in Fürth mehr im Zentrum des Geschehens, als ihm lieb war.

Nach Wiederanpfiff wirkte das Spiel der Hamburger strukturierter, zumindest in der Offensive. Nach hinten blieb die umformierte Abwehr anfällig. Besonders krass zeigte sich das in der 53. Minute. Nach einem Fürther Konter wusste sich Leistner gegen den durchlaufenden Nielsen nicht anders zu helfen, als den Stürmer an der Schulter zu packen. Für die Notbremse kassierte er folgerichtig Rot. Den fälligen Freistoß von der Strafraumgrenze hämmerte Julian Green in die Mauer, der Ball fiel aus den Wolken aber irgendwie zurück auf die Querlatte. Bei der folgenden Ecke zeigte Ulreich dann, warum er den Vorzug vor Heuer Fernandes erhalten hatte. Reaktionsschnell wehrte er einen Kopfball von Sebastian Ernst aus Nahdistanz ab (56.) - eine Glanztat!

Fürther Tor zählt nicht

In Unterzahl zog sich der HSV nun immer weiter zurück, während die Gastgeber beharrlich auf den Ausgleich drängten. In der 73. Minute musste Ulreich tatsächlich hinter sich greifen. Der Schiedsrichter hatte im Vorfeld aber ein Handspiel von Jamie Leweling erkannt und verweigerte dem Treffer des Jokers die Anerkennung. Es folgte eine Abwehrschlacht bis zum Schlusspfiff. Am Ende blieb Ulreich bei seiner Feuertaufe mit viel Glück ohne Gegentor und rechtfertigte Thiounes Entscheidung. "Es war wieder schön, auf dem Platz zu stehen. Das hat richtig Spaß gemacht", sagte Ulreich im NDR.

Dudziak vor Nachholspiel gegen Aue verletzt

Nach dem dritten Sieg im dritten Spiel - ein solcher Saisonstart ist dem HSV zuletzt 1974 in der Bundesliga gelungen - bleibt dennoch ein Wermutstropfen für den Aufstiegsfavoriten: Die durch zahlreiche Verletzungen angespannte Personallage des HSV hat sich nicht nur durch die Rotsperre für Leistner verschärft. Jeremy Dudziak musste Mitte der ersten Hälfte mit ausgekugelter Schulter das Feld verlassen. "Es war eher ein Arbeitssieg als ein Sieg der Mentalität", gab sich auch Thioune in seiner Analyse zurückhaltend.

Im Nachholspiel gegen Erzgebirge Aue am kommenden Mittwoch (18.30 Uhr) wird Dudziak wohl fehlen. Die Position als Tabellenführer könnte der HSV mit einem weiteren Dreier untermauern.

4.Spieltag, 17.10.2020 13:00 Uhr

Greuther Fürth

0

Hamburger SV

1

Tore:

  • 0:1 Narey (45. +3)

Greuther Fürth: Burchert - Meyerhöfer, Bauer, Mavraj, Raum - Sarpei - Seguin (84. Abiama), Ernst (70. Tillman), Green - H. Nielsen (55. Leweling), Hrgota
Hamburger SV: Ulreich - Gyamerah, Leistner, G. Jung, Heyer - Onana (81. Gjasula), Hunt - Dudziak (28. Kittel) - Narey, Terodde (74. Wood), Wintzheimer (81. Jatta)
Zuschauer: 3325

Weitere Daten zum Spiel

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Bundesligashow | 17.10.2020 | 13:00 Uhr

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