Sendedatum: 30.08.2020 18:00 Uhr

HSV nach Bad Häring: Es bleibt noch viel Arbeit

von Lars Pegelow, NDR 90,3

Als Daniel Thioune nach sechs Tagen in Bad Häring in Tirol mit seinem Tross den Heimweg antrat, war der neue Coach des Fußball-Zweitligisten Hamburger SV bestimmt um einige Erkenntnisse reicher. Langsam ergibt sich ein Bild, wohin es mit diesem neuen HSV einmal hingehen könnte - auch wenn der Trainer selbst auf die Bremse tritt. Er habe sein Team mit Informationen und Vorgaben überfrachtet, gibt der 46-Jährige zu. Im Trainingslager habe der HSV zwar alles machen können, aber noch nicht alles umgesetzt. Die Leistungen waren unterschiedlich - eher schwach beim 2:3 gegen den VfB Stuttgart, eher stark beim 1:0 gegen Feyenoord Rotterdam.

VIDEO: HSV beendet Trainingslager in Österreich (2 Min)

Mehr Stabilität durch mehr Erfahrung?

Wo also ist ein neues Bild erkennbar? Ganz sicher in der Personalpolitik. Nach Klaus Gjasula und Simon Terodde ist im Trainingslager mit Toni Leistner ein dritter erfahrener Spieler verpflichtet worden. Thioune baut sich eine Achse - mit Spielern, die ihre "Resilienz" (Thioune) schon nachgewiesen haben. Bestimmt kann diese Personalpolitik als Reaktion auf den Zusammenbruch zum Ende der vorangegangenen Spielzeiten verstanden werden. Der HSV will Stabilität.

Startet Teenager Onana durch?

Hochinteressant ist die vierte neue Personalie. Der 19-jährige Amadou Onana, gekommen aus Hoffenheim, hat das Zeug zur positiven Überraschung der Saison. Der 1,92-Meter-Schlacks langt hin, ist spielerisch und taktisch erstaunlich weit. Reicht das, um im dritten Anlauf den Sprung zurück in die Bundesliga zu schaffen? Thioune bringt einige Mannschaften ins Gespräch, wenn es um das Aufstiegsrennen geht. Bochum, Heidenheim, die beiden Bundesliga-Absteiger Paderborn und Düsseldorf, dazu zwei weitere Rückkehr-Ambitionierte, Hannover und Nürnberg mit Ex-HSV-Trainer Dieter Hecking als Manager.

Spieler sollen Verantwortung übernehmen

HSV-Trainer Daniel Thioune beim Training © Witters Foto: Valeria Witters
Nimmt seine Spieler in die Pflicht: HSV-Trainer Daniel Thioune.

Thioune setzt auf schnelles Umschaltspiel und darauf, Lösungen gegen defensiv eingestellte Gegner zu finden. Allzu oft sind seine Vorgänger gerade an diesem Unterfangen gescheitert. Nun bimst Thioune seiner neuen Mannschaft auf dem Trainingsplatz, dem Taktik-Board, der Video-Leinwand immer wieder neues taktisches Verhalten ein. Er redet viel und lautstark mit seinen Profis, auf dem Trainingsrasen und am Abend unter vier Augen. Ganz sicher will der Coach den Fußball nicht neu erfinden. Vielmehr will er seine Spielern ermuntern, Verantwortung zu übernehmen. Dafür hat er sich noch einen Kniff einfallen lassen: in jedem Testspiel ein anderer Kapitän. Wie verhalten sich Einzelne mit der Binde am Arm? Wachsen sie an der Aufgabe? Das will Thioune herausfordern - er kitzelt die Spieler und fordert sie.

Kampf um den Platz zwischen den Pfosten

Das betrifft auch die Torwart-Position. Gehen die Hamburger mit Julian Pollersbeck oder Daniel Heuer Fernandes als Nummer eins in die Saison? Einen Test hat der HSV noch vor dem Saisonstart. Am kommenden Sonnabend kommt Hertha BSC in den Volkspark. Testspiele gegen unterklassige Mannschaften sind wegen Corona nicht möglich, deswegen sind fast alle Vorbereitungs-Partien für den Zweitligisten HSV schon eine harte Aufgabe. Thioune müsste das gefallen. Er will seine Spieler besser machen. Bringt die neue, erfahrene Achse im Laufe der Saison die erhoffte Stabilität, dann reiht sich der HSV nach zwei verpatzten Versuchen wieder in den Kreis der Aufstiegs-Anwärter ein. Und vielleicht sind aller guten Dinge beim HSV dann ja wirklich drei.

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Dieses Thema im Programm:

Sportplatz | 30.08.2020 | 18:00 Uhr

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