Toni Leistner (l.) vom Hamburger SV im Duell mit Christian Santos vom VfL Osnabrück © Witters Foto: Valeria Witters

HSV deklassiert Osnabrück und bleibt Tabellenführer

Stand: 18.01.2021 23:05 Uhr

Der Hamburger SV hat die Tabellenführung in der zweiten Fußball-Bundesliga am 16. Spieltag verteidigt. Beim 5:0 (2:0)-Sieg gegen den VfL Osnabrück traf Bakery Jatta doppelt.

von Hanno Bode

HSV-Coach Daniel Thioune kämpfte nach dem Wiedersehen mit seinem langjährigen Verein ein wenig mit seinen Gefühlen. "Ein bisschen bin ich Fußball-Romantiker, das bleibt ja nicht aus. Das sind klasse Jungs in der Mannschaft, das ist ein toller Verein und dort sind Menschen, mit denen ich es auch halte", sagte der im vergangenen Sommer vom VfL an die Elbe gewechselte 46-Jährige dem NDR: "Aber heute bin ich froh, dass ich als Trainer des Hamburger SV drei Punkte geholt habe und wieder auf Platz eins bin."

Schmedes: "Viele Dinge verkehrt gelaufen"

Osnabrücks Sportdirektor Benjamin Schmedes, der 2017 den HSV verließ, um an der Bremer Brücke seine Zelte aufzuschlagen, erklärte: "Wenn man 5:0 verliert, müssen sehr, sehr viele Dinge verkehrt gelaufen sein. Und das war heute auch der Fall. Die Hamburger haben es sicherlich sehr gut gemacht. Auf der anderen Seite hatte ich auch nicht das Gefühl, dass wir über die 90 Minuten ernstzunehmenden Zugriff auf dieses Spiel bekommen haben."

Thioune-Elf von Beginn an überlegen

Mächtig ins Zeug gelegt hatten sich die Greenkeeper des HSV unmittelbar vor Spielbeginn, um den vom tagelangen Hamburger Dauerregen durchnässten Rasen einigermaßen in Schuss zu bringen. Doch bereits nach einigen Minuten sah der Platz aus, als hätte es am Vortag eine Jahreshauptversammlung des örtlichen Maulwurf-Gesangsvereins gegeben - mit anschließendem Tanztee. Umso erstaunlicher, dass es den Hausherren ziemlich gut gelang, den Ball kontrolliert durch die eigenen Reihen laufen zu lassen. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass der VfL sie daran nur sehr zögerlich hinderte.

Stürmischer HSV geht früh in Führung

Die Gäste igelten sich tief in ihrer Hälfte ein und harrten der Dinge, die da so kommen würden. Zunächst zeigte der Osnabrücker Beton keine Risse. Immer noch gerade rechtzeitig konnten die Angriffe des Kontrahenten unterbunden werden. Ein Fehlpass von Kevin Wolze konnten die Lila-Weißen dann jedoch nicht mehr ausmerzen. Über Josha Vagnoman und David Kinsombi kam der Ball zu Sonny Kittel, der Keeper Philipp Kühn mit einem Schuss ins lange Eck keine Abwehrchance ließ - das 1:0 (16.).

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Santos' Treffer findet keine Anerkennung

120 Sekunden später verhinderte der Schlussmann gegen Niklas Schmidt den zweiten Gegentreffer. Schmidt? Ja! Der VfL-Mittelfeldakteur hatte seinen eigenen Torwart mit einem schlampigen Rückpass mächtig in Bedrängnis gebracht. Hernach konnten sich die Niedersachsen langsam zwar ein ganz klein bisschen aus der Hamburger Umklammerung befreien. Ein Spiel auf Augenhöhe war es deshalb aber noch nicht. Auch nicht, nachdem Christian Santos den Ball nach einem Eckstoß von Sebastian Kerk im Gehäuse untergebracht hatte.

Denn Referee Daniel Schlager (Hügelsheim) verwehrte dem Treffer wegen Handspiels korrekterweise die Anerkennung (28.). Mehr nennenswerte Osnabrücker Offensiv-Aktionen gab es im ersten Abschnitt nicht.

Jatta trifft kurz vor der Pause zum 2:0

Dass auch die HSV-Kreativabteilung eine längere Kunstpause eingelegt hatte, es fiel nicht ins Gewicht. Zumal die Gastgeber kurz vor der Halbzeit wieder auftauten. Nach einem schönen Angriff über die linke Seite und einer Hereingabe von Jeremy Dudziak konnte Kühn nicht entscheidend klären. Der Ball fiel Jatta vor die Füße, der per Rechtsschuss zum 2:0 erfolgreich war (41.). Ausgerechnet Jatta also, der momentan wieder einmal schwere Tage durchlebt, weil die Hamburger Staatsanwaltschaft weiter Zweifel an seiner Identität hat und deswegen nun ein Bewegungsgutachten in Auftrag gegeben hat.

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VfL auch nach der Halbzeit schläfrig

Tore scheinen für den Rechtsaußen mit den raumgreifenden Schritten die beste Medizin zu sein, die gegen ihn einst medial erhobenen und dann später juristisch verfolgten Vorwürfe zumindest eine Zeit lang verdrängen zu können. Und bei seinem dritten Saisontreffer blieb es für den 22-Jährigen an diesem Abend nicht. Jatta durfte kurz nach dem Wiederbeginn sogar eines seiner seltenen Kopfballtore bejubeln, weil die Osnabrücker weiter um die Wette schnarchten. Jedenfalls zeigten sie kein gesteigertes Interesse daran, den Hamburger Flügelstürmer am Abschluss zu hindern (48.).

Trapp sorgt per Eigentor für den Endstand

Das 0:3 war für die Gäste, die ohnehin die ganze Zeit mehr oder minder wie angeschlagene Boxer durch den Ring beziehungsweise über den Rasen taumelten, der Knockout. "Rien ne va plus" hieß es anschließend beim VfL. Vagnoman erzielte rasch den nächsten Hamburger Treffer (54.), bevor Maurice Trapp das schaffte, was Schmidt in Hälfte eins noch misslungen war: ein Eigentor. Der Kapitän war einen Schritt schneller als Simon Terodde am Ball und bugsierte den Ball an Kühn vorbei in die Maschen (61.).

Grote: "HSV war die bessere Mannschaft"

Das Erfreulichste für die Lila-Weißen an diesem für sie schwarzen Abend: Die letzte halbe Stunde überstanden sie ohne weiteren Gegentreffer. "Der HSV war die bessere Mannschaft, war sehr griffig und gierig. Er hat sehr viel Aufwand betrieben, was wir nicht in dem erforderlichen Ausmaß getan haben", sagte VfL-Coach Marco Grote dem NDR. "Heute ist nichts optimal gelaufen", resümierte der frühere Kapitän der U23 des HSV treffend.

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16.Spieltag, 18.01.2021 20:30 Uhr

Hamburger SV

5

VfL Osnabrück

0

Tore:

  • 1:0 Kittel (16.)
  • 2:0 Jatta (41.)
  • 3:0 Jatta (48.)
  • 4:0 Vagnoman (54.)
  • 5:0 M. Trapp (61., Eigentor)

Hamburger SV: Ulreich - Vagnoman, Leistner, Ambrosius, Leibold - Heyer (74. G. Jung) - Dudziak (70. Wintzheimer), Kinsombi - Kittel (70. Hunt), Terodde (62. Wood), Jatta (62. Narey)
VfL Osnabrück: P. Kühn - K. Engel, Gugganig (46. U. Taffertshofer), M. Trapp, Beermann, Wolze (59. K. Reichel) - Blacha (46. Amenyido) - Reis (62. Br. Henning), Kerk, Nik. Schmidt (58. Ihorst) - Santos
Zuschauer:

Weitere Daten zum Spiel

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 18.01.2021 | 20:00 Uhr

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