Stand: 17.12.2017 17:50 Uhr

HSV-Manager Todt: "Sind alle gründlich bedient"

Der Hamburger SV ist gefühlt in besserer Verfassung als in den vergangenen Jahren - und überwintert doch auf einem direkten Abstiegsplatz. Wie konnte es dazu kommen? Wie soll es in der zweiten Halbserie aufwärts gehen? Wie ist die Stimmung beim "Dino"? Manager Jens Todt im exklusiven Sportclub-Interview ...

... zur Hinrundenbilanz des Hamburger SV:

"Wir haben natürlich gehofft, dass wir eine stabilere Hinrunde spielen und uns ein bisschen von den Abstiegsplätzen absetzen können. Das ist uns nicht gelungen. 15 Punkte aus 17 Spielen, das ist natürlich eine denkbar schlechte Bilanz und wir sind alle auch gründlich bedient. Wir hatten in vielen Spielen die Chance, sie für uns zu entscheiden, haben es aber durch relativ leichte Fehler nicht geschafft. Und jetzt stehen wir eben mit mageren 15 Punkten da. Das ist bitter, aber das ist die Realität."

... zur insgesamt sportlichen Verbesserung, aber mageren Punkteausbeute:

"Es ist eine sehr gefährliche Geschichte, wenn man Lob kriegt von Gegnern, von außen, dass man eigentlich ganz gut gespielt hat, am Ende dann aber unglücklich verloren hat. Das ist dann zwar schön, aber es hilft uns nichts. Am Ende zählen die Punkte. Wir müssen ganz nüchtern mit der Situation umgehen und einen Plan fassen, wie wir die Punkte eben in der Rückrunde holen. Wir müssen einen Schulterschluss bilden, eng zusammenrücken. Wir haben die Fans auf unserer Seite, das ist ein Riesenvorteil. Ich gehe davon aus, dass unsere Chancen gut sind, die Klasse zu halten."

... über die Sturmflaute:

"Wir haben in den letzten drei Spielen so viele Torchancen gehabt wie vielleicht in der ganzen Saison vorher nicht. Trotzdem haben wir relativ wenig Tore gemacht. Es kann mal eine Formschwäche sein, aber es muss auch nicht immer ein Offensivspieler treffen. Es darf auch gerne mal ein defensiver Mittelfeldspieler ein Tor machen. Aber es zieht sich ein bisschen durch die Saison. Positiv ist, dass wir deutlich mehr Torchancen haben. Wir müssen auch das Positive sehen."

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Der HSV und das Eigentlich-Problem

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... über die Torhüterposition:

"Christian Mathenia hat in der Endphase der letzten Saison sehr gute Leistungen gezeigt und war auch ein Garant des Klassenerhalts. Er hat sicherlich auch diese Saison zwei, drei Spiele dabei gehabt, wo ein, zwei Fehler dabei waren, aber das gilt für andere Spieler auch. Wir hatten jetzt die Situation, dass wir eine sehr ordentliche Mannschaftsleistung gesehen haben, aber der Gegner durch individuelle Fehler zu Toren gekommen ist. Das liegt nicht immer am Torwart, das liegt nicht immer am Abwehrspieler, das ist ein Gesamtkonstrukt."

... über Julian Pollersbeck:

"Julian ist von vornherein der Herausforderer gewesen, das war die Ausgangslage. Wir glauben fest an ihn, er hat jetzt in den letzten Wochen eine richtig gute Entwicklung gezeigt. Er ist viel mehr herangerückt und ich bin gespannt, wie der Konkurrenzkampf im Januar aussehen wird."

... über mögliche Wintertransfers:

"Ich bin fest davon überzeugt, dass die Situation in unserer Mannschaft jetzt eine andere ist als vor einem Jahr. Vor einem Jahr gab es eine relativ gravierende Kaderveränderung im Winter. Das ist dieses Mal nicht der Fall, weil wir ein intaktes Gefüge, eine intakte Mannschaft haben, die natürlich zu wenig Punkte geholt hat, das ist überhaupt keine Frage. Wenn sich punktuell eine gute Gelegenheit ergibt, die bezahlbar ist, wo das Preis-Leistungsverhältnis richtig gut ist und er dann auch eine Soforthilfe darstellt, dann ist es vorstellbar, dass wir das machen. Aber einen großen Umbruch oder eine große Kaderveränderung wird es nicht geben."

... über die Finanzierungsmöglichkeiten:

"Die Frage ist, wie das Gesamtpaket dann aussieht, oder ob uns noch jemand verlässt. Das kann man pauschal nicht beantworten."

... über den vom "Spiegel" geschilderten Sparplan und Spielergehälter in Millionenhöhe:

"Den Vorgang, dass Blumensträuße eingespart werden müssen, kenne ich nicht. Das ist glaube ich vor meiner Zeit passiert. Dass ein Unternehmen in schwieriger Lage sagt, dass man überall einspart, wo man einsparen kann, ist doch ganz normal. Dennoch müssen wir mit der Mannschaft konkurrenzfähig sein. Wir haben einen Lizenspielerkader, der sich ungefähr im Mittelfeld der Liga bewegt und wir kämpfen darum, diesen Etat halten zu können. Das ist nicht so leicht. Ich habe in dem 'Spiegel'-Artikel nichts gelesen, was uns den Schlaf raubt."

... über die ungewohnte Ruhe beim HSV:

"Heribert Bruchhagen ist sicher jemand, der die Dinge beruhigen kann, der viel Erfahrung auch in schwierigen Situationen hat. Das ist in dem eher unruhigen Umfeld beim HSV natürlich wohltuend. Wir haben nie öffentliche Diskussionen geführt, wir führen unsere kritischen Diskussionen intern. Und das soll auch so bleiben. Wenn wir ruhig bleiben, dann kann alle Unruhe von außen uns nichts anhaben."

... über die kurze Winterpause:

"Ich find's gut. Dann hat man nicht so viel Zeit zu überlegen. Dann geht's schnell weiter, dann kann man Dinge wiedergutmachen, was man sich vorgenommen hat - und dann gucken wir mal."

Das Gespräch führte Tim Tonder

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 17.12.2017 | 22:50 Uhr

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