Stand: 13.05.2019 13:47 Uhr

HSV-Investor Kühne wollte Trainer Wolf feuern lassen

Investor Klaus-Michael Kühne hat sich einen Tag nach dem 1:4 in Paderborn zum damit verbundenen Nicht-Aufstieg des Hamburger SV geäußert. Demnach hat der 81-Jährige bereits im Februar vergeblich versucht, die Führung des Clubs zu einer vorzeitigen Trennung von Coach Hannes Wolf zu bewegen. "Ich habe schriftlich empfohlen, den Trainer auszuwechseln, weil sich mit dem in Regensburg verlorenen Spiel der Niedergang für mich abzeichnete und er durch falsche Entscheidungen des Trainers gekennzeichnet war. Ich habe das Erfordernis eines Trainerwechsels anschließend mehrfach thematisiert. Die fehlende Handlungsbereitschaft der einschlägigen Gremien war aus meiner Sicht verhängnisvoll. Dass der Aufstieg nicht gelingen würde, war mir schon vor mehreren Wochen klar", hieß es in der am Montag veröffentlichten Erklärung des Milliardärs.

Triste HSV-Bilanz unter Wolf

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Die Hanseaten hatten seinerzeit an der Zusammenarbeit mit Wolf festgehalten. In den Monaten nach Kühnes Intervention kamen die Norddeutschen unter ihrem Coach nur noch zu zwei Siegen. Acht Partien ohne Sieg, nur 1,52 Zähler pro Spiel insgesamt, so lautet die triste Bilanz des 38-Jährigen. Eine offizielle Stellungnahme seitens des Vereins gab es dazu am Montag nicht, doch in der HSV-Arena fanden nach dem verpassten Saisonziel bereits Krisenrunden statt. Eine Trennung nach dem letzten Spiel gegen Duisburg ist wahrscheinlich.

Kein generelles Treuebekenntnis von Becker

"Von mir gibt es dazu jetzt nichts Neues. Wir verdauen erst einmal das Spiel, dann werden wir das eine oder andere besprechen, und dann planen wir die Zukunft", hatte Sportvorstand Ralf Becker, der schon vergangene Woche kein generelles Treuebekenntnis über die Saison hinaus gegeben hatte, am Sonntag auf die Frage nach Wolf gesagt. Gleichzeitig stellte er klar, dass in der nächsten Saison beim HSV einiges anders laufen muss: "Es ist wichtig, dass wir das klar analysieren und abstellen, was wir abstellen können. Denn nächstes Jahr können wir uns so eine Phase nicht mehr erlauben."

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Kühne fordert "Neuanfang mit vielen frischen Spielern"

Auch Kühne erwartet rigorose Veränderungen: "Ich hoffe, dass nach mutigen Personalentscheidungen eine gänzlich neue Mannschaft aufgebaut wird. Das wird ein hartes Stück Arbeit werden, denn die Konkurrenz ist auch in der Zweiten Bundesliga sehr groß. Aber nur ein Neuanfang mit vielen frischen, engagierten Spielern kann zu Aufbruchstimmung und einer neuen Moral führen." Allerdings muss der Etat von derzeit 28,5 Millionen Euro durch den Verbleib in der Liga erneut um mehrere Millionen heruntergeschraubt werden, der aktuelle Kader ist ohnehin zu teuer und wird auseinanderfallen.

Welche Spieler kann sich der HSV leisten?

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"Der Aufstieg ist ganz klar unser Ziel", betonte Becker, der mitverantwortlich ist für die Zusammenstellung des soeben gescheiterten Kaders, am Sonntag dennoch. Allerdings, und das wird die größte Herausforderung sein, unter erschwerten wirtschaftlichen Bedingungen. So läuft der noch zu Bundesligazeiten geschlossene Vertrag mit Trikotsponsor Emirates aus und dürfte - wenn überhaupt - nur für kleines Geld verlängert werden. Die TV-Vermarktung wirft rund 14 Millionen Euro weniger ab als Liga eins. Fraglich bleibt somit, welche ambitionierten Spieler sich der HSV überhaupt noch leisten kann. Vermehrt auf den Nachwuchs zu bauen, hat sich in dieser Saison als nicht ausreichend erwiesen. "Wir haben uns letzten Sommer entschieden, auf die Jugend zu setzen, das wird nach wie vor ein Baustein unserer Kaderplanung sein. Aber wir haben auch gemerkt, du brauchst einfach gewisse Persönlichkeiten um die Jungs herum, damit sie sich optimal entwickeln können", so Becker.

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Sport aktuell | 13.05.2019 | 15:25 Uhr