Stand: 16.09.2018 13:54 Uhr

HSV-Held Lasogga: Denn er wusste nicht, was er tat

von Hanno Bode, NDR.de

HSV-Investor Klaus-Michael Kühne bezeichnete ihn öffentlich als "Flop des Jahrhunderts". Doch in Liga zwei ist Pierre-Michel Lasogga für die Hamburger von hohem Wert. Gegen Heidenheim erzielte der Angreifer per Hattrick seine Saisontore drei, vier und fünf. Wird er für den Traditionsclub doch noch zum Glücksfall?

Es ist in der Unterhaltungsbranche Profi-Fußball längst Usus, dass Vereine und Berater ihre Spieler regelmäßig zu Rhetorikkursen schicken. Der mündige Profi - das ist die bittere Wahrheit - ist von Clubseite nicht gefragt. Das kickende Personal soll am besten nur erzählen, was die eigene Presseabteilung vorbereitet hat. Und für die Agenten der Ich-AG's in Stutzen geht es darum, dass ihre Klienten durch vermeintlich unüberlegte Aussagen ihren Marktwert nicht schmälern. Vorbei die Zeiten, in denen ein Stefan Effenberg einen verbalen Rundumschlag mit einem herzerfrischenden "Freunde der Sonne" begann. Umso schöner ist es, wenn im heutzutage so glatten Profi-Geschäft doch noch einmal ein "Buffer" nach getaner Arbeit seinen Gedanken öffentlich freien Lauf lässt.

Pierre-Michel Lasogga vom Hamburger SV © imago/Eibner

Lasogga trifft und will in die Startelf

Sieben Tore in fünf Pflichtspielen: Pierre-Michel Lasogga trifft und trifft für den HSV. Schafft er es künftig in die Startelf?

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"Weiß manchmal selbst nicht, wie ich die Tore mache"

So geschehen am frühen Sonnabendnachmittag im Hamburger Volksparkstadion. Da war Pierre-Michel Lasogga nach der Zweitliga-Partie gegen den FC Heidenheim (3:2) ein begehrter Gesprächspartner. Der während seiner Zeit beim HSV häufig belächelte und von Investor Klaus-Michael Kühne gar beleidigte Angreifer ("Der Flop des Jahrhunderts") hätte nach seinem Hattrick jede Menge Selbstbeweihräucherung betreiben können. Niemand hätte es ihm verdenken können. Stattdessen aber gab der 26-Jährige ehrlich zu, dass bei seinen "Buden" oft auch der Zufall im Spiel ist. "Ich habe ja immer so schön gesagt, dass ich manchmal selbst nicht weiß, wie ich die Tore mache. Beim ersten habe ich nur den Ball gesehen und wollte einfach nur, dass er über die Linie geht", erklärte der Held des Tages.

Ehrliche Worte eines ehrlichen Charakters, den Coach Christian Titz als "absoluten Teamplayer" bezeichnet. Mannschaftsintern hat der stets loyale Lasogga ohnehin immer einen hohen Stellenwert gehabt. Nun aber gewinnt er zunehmend auch sportlich an Wert für die Hanseaten.

Bereits sieben Pflichtspiel-Treffer in dieser Serie

Fünf Zweitliga-Treffer sowie zwei Tore im DFB-Pokal hat der gebürtige Gladbecker jetzt bereits auf seinem Konto. Kritiker könnten meinen, dass diese Quote bei einem kolportierten Jahresverdienst des Angreifers von 3,4 Millionen Euro exklusive Punkt- und Torprämien ja auch zu erwarten sei. Allzu oft wird bei der Behandlung der Causa Lasogga jedoch vergessen, dass der Mittelstürmer 2014 nicht vermummt und mit einer Pistole in der Hand auf der HSV-Geschäftsstelle erschienen ist und seinen hochdotierten Kontrakt erpresst hat. Die seinerzeit Verantwortlichen des Clubs wollten ihn damals auf Teufel komm raus halten, nachdem er die Hanseaten mit seinem Tor im Relegationsrückspiel in Fürth (1:1) vor dem Abstieg bewahrt hatte.

Lange Fremdkörper in spielschwacher Mannschaft

Dass er sich in den darauffolgenden Jahren den Ruf erarbeitete, aus zwei Metern keinen Möbelwagen zu treffen, lag gewiss auch an Lasoggas fraglos limitierten technischen Fähigkeiten. Aber seine lang anhaltende Ladehemmung gründete eben auch auf einem Team, das nur ganz selten in der Lage war, überhaupt Chancen zu kreieren. Ein Strafraum-Stürmer wie er fiel in einer Mannschaft, die irgendwann schon für halbwegs gelungene Befreiungsschläge Applaus bekam, daher sogar noch negativ auf.

"Im Moment läuft es ganz gut"

Seitdem Titz das Trainer-Amt beim HSV innehat, ist Kombinieren im Volkspark wieder erlaubt. Ja, sogar ausdrücklich erwünscht. Das hat die Hamburger zwar nicht vor dem ersten Abstieg bewahrt. Die neue Spielkultur führt aber dazu, dass die "Bude" auch im Unterhaus gut gefüllt ist. Und eben zu einer sportlichen Auferstehung des zuvor für ein halbes Jahr an Leeds United verliehenen Lasoggas. "Ich glaube, für einen Stürmer meiner Art ist es einfach wichtig, dass man Spieler um sich herum hat, die einen in Szene setzen. Das ist in den letzten Wochen echt der Fall. Die Spieler suchen mich, sie wissen, dass sie den Ball gefühlt nur in die Box spielen müssen und ich da irgendwo bin. Ich bin froh, dass meine Mitspieler mit vertrauen, mir den Ball geben wollen in der Box, sodass ich auch zu meinen Chancen komme. Und im Moment läuft es ganz gut, sodass sie auch meistens reingehen", sagte der 26-Jährige dem NDR Hörfunk.

Trotz Hattricks in Dresden wieder nur "Joker"?

Zugleich machte Lasogga aber auch keinen Hehl daraus, "sauer" gewesen zu sein, dass er zunächst auf der Bank hatte Platz nehmen müssen. Erst zu Beginn des zweiten Abschnitts schickte ihn Titz auf den Rasen. Der Coach begründete seine Maßnahme später damit, sich vor Beginn der englischen Woche Gedanken gemacht zu haben, welche Spielertypen gegen welchen der kommenden Gegner wohl am passendsten seien. Nicht auszuschließen also, dass Lasogga trotz seines Hattricks gegen Heidenheim auch am Dienstag in der Nachholpartie bei Dynamo Dresden (18.30 Uhr, im Livecenter bei NDR.de) wieder die Jokerrolle einnehmen muss.

"Er zeigt einfach beeindruckend, wenn er eingewechselt wird, dass er direkt da ist. Das ist eine hohe Qualität, die man erst einmal haben muss", sagte der Trainer über den Mann, der beim HSV lange stellvertretend für eine verfehlte, teure Personalpolitik stand. Nun ist er plötzlich wieder ein Hoffnungsträger. "Es tut einfach mega gut, wenn du vom Platz kommst und jede Woche Tore schießt - sehr schön", schloss Lasogga.

Lasogga-Show bringt den Volkspark zum Beben

Dieses Thema im Programm:

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