Stand: 21.08.2020 08:37 Uhr

HSV: Der "neue" Weg ist der alte

von Sebastian Ragoß

Neustart, Veränderungen, Aufbruch: Schlagworte, die seit Jahren im Sommer aus dem Hamburger Volkspark zu hören sind, wenn es um die Zukunft des HSV geht. Nun, die Zukunft für den finanziell stark angeschlagenen Fußball-Zweitligisten sieht nicht besonders rosig aus. Doch statt endlich einmal wirklich etwas Neues zu versuchen, hält der HSV an alten - und gescheiterten - Konzepten fest. Jüngster Beweis: die Verpflichtung des 32 Jahre alten Stürmers Simon Terodde.

Terodde und das Prinzip Hoffnung

Hatte Sportvorstand Jonas Boldt nach dem verpassten Aufstieg nicht verkündet, der HSV müsse "einen veränderten Weg einschlagen" und "aus dem Erlebten lernen"? Anschließend holte er den 30 Jahre alten "Kartenkönig" Klaus Gjasula nach Hamburg und nun eben Terodde: in der Hoffnung, er möge irgendwie wieder zu alter Form finden. Fantasievoll ist das nicht - und zudem eine teure Angelegenheit. Dabei steht es um die Finanzen schlechter denn je. Nach jahrelanger Misswirtschaft war der HSV ohnehin finanziell angeschlagen, die Corona-Krise hat die Lage noch einmal verschärft.

Kein Hauptsponsor, kein Stadion-Sponsor

Den Hamburgern fehlen Zuschauereinnahmen und sie haben fast zwei Monate nach Auslaufen der alten Verträge weder einen neuen Trikotsponsor noch einen Namensgeber für das Stadion gefunden. Im Hintergrund gibt es bereits Überlegungen, die Mitglieder über einen weiteren Verkauf von Anteilen an der HSV Fußball AG abstimmen zu lassen, was noch vor knapp zwei Jahren auf einer Mitgliederversammlung kategorisch ausgeschlossen worden war.

Mehr denn je wäre ein radikaler Neubeginn eigentlich die einzige sinnvolle Alternative. Im Team stehen zwar einige jüngere Akteure aus dem eigenen Nachwuchs. Mehr als Kaderauffüller waren und sind die meisten allerdings nicht. Es wäre gutes Scouting notwendig, um frische, entwicklungsfähige Spieler nach Hamburg zu holen - nicht zuletzt, um sie irgendwann gewinnbringend zu verkaufen.

Wächst der Einfluss von Investor Kühne weiter?

Stattdessen geht der HSV mit der Verpflichtung Teroddes wohl über seine ohnehin schon hohe finanzielle Schmerzgrenze hinaus. Interessanter Nebenaspekt: Plötzlich ist auch Teroddes Berater Volker Struth wieder im Spiel, der als Einflüsterer von Investor Klaus-Michael Kühne den Hanseaten einige millionenschwere Transferflops (Bobby Wood, André Hahn) beschert hat. Kühne selbst könnte demnächst ebenfalls wieder eine Hauptrolle spielen: Falls die finanzielle Not so groß wird, dass die Mitglieder als Ultima Ratio einem weiteren Verkauf von Anteilen an der HSV Fußball AG zustimmen, wäre der Milliardär erster Interessent und würde seinen Einfluss beim Zweitligisten weiter ausbauen. Alles bleibt beim Alten in Hamburg.

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 21.08.2020 | 09:25 Uhr

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