Hamburgs Ludovit Reis (r.) und Heidenheims Jonas Föhrenbach kämpfen um den Ball. © WITTERS Foto: TayDucLam

HSV - 1. FC Heidenheim: Duell der Gegenentwürfe

Stand: 06.08.2022 10:28 Uhr

Das heutige Zweitliga-Duell HSV gegen den 1. FC Heidenheim ist eines auf Augenhöhe, obwohl beide Clubs unterschiedlicher kaum sein könnten: auf der einen Seite Millionen-Verluste, auf der anderen solides Wirtschaften. Von der Kontinuität auf dem Trainerposten ganz zu schweigen.

Während der HSV im Geschäftsjahr 2021 rund 40 Millionen Euro Personalkosten aufwies und ein Minus von 4,7 Millionen Euro erwirtschaftete, waren es in Heidenheim lediglich 15 Millionen Personalaufwand bei einem Bilanzplus von 1,5 Millionen Euro. Sportlich liegen beide Clubs dennoch eng beieinander: In den vergangenen vier Jahren performte der HSV mit dreimal Rang vier und einmal Platz drei nur unwesentlich besser als die Süddeutschen, die Fünfter, Dritter, Achter und zuletzt Sechster wurden.

Weitere Informationen
Eine Fußballtabelle vor eine Fußballmotiv © Colourbox Foto: Pressmaster

Ergebnisse und Tabelle 2. Fußball-Bundesliga

Ergebnisse, Tabellenstände und die Spieltage im Überblick. mehr

Oder anders ausgedrückt: Trotz des Aufwandes, den der HSV betreibt, kann er einen Club wie Heidenheim nicht abschütteln. Im Gegenteil: Aktuell grüßt Heidenheim nach zwei Siegen von der Tabellenspitze - und hatte dabei dieselben Gegner wie der HSV.

Hamburgs Coach Tim Walter warnte daher vor dem Duell heute (13.30 Uhr, im NDR Livecenter) vor den "brutal gefährlichen" Gästen: "Die sind seit Jahren auf einem sehr guten Weg, machen eine sehr gute Arbeit. Es ist unangenehm, gegen die Mannschaft zu spielen. Weil sie extrem giftig, extrem bissig ist. Dazu besitzen sie eine hohe Qualität. Das ist nicht mehr die kleine Maus."

Heidenheims Schmidt "überlebte" 22 HSV-Trainer

Walter ist der erste Coach seit 2016 (Bruno Labbadia), der beim HSV in eine zweite Saison geht. Am Sonnabend begegnet er in Heidenheims Frank Schmidt einem wahren Dauerbrenner: Der 48-Jährige fungiert seit 2007 (!) als Coach beim Club von der Brenz. Als Schmidt beim damaligen Oberligisten Heidenheim übernahm, war der HSV Tabellenvierter - in der Bundesliga.

Seitdem gaben sich an der Elbe sage und schreibe 22 Trainer und Interimscoaches die Klinke in die Hand. Während es mit dem HSV dennoch schleichend bergab ging, führte Schmidt den FCH drei Ligen rauf.

Weitere Informationen
Fans HSV in der Nordkurve, unter dem Transparent "Ruhe in Frieden, Uwe." während der Trauerfeier für Uwe Seeler. © Witters/LeonieHorky

Trauerfeier für Uwe Seeler jetzt live

Unter den Trauerrednern sind Bürgermeister Peter Tschentscher und Olli "Dittsche" Dittrich. Wegen des großen Andrangs wurde das Stadion schon früher geöffnet. mehr

Eine so lange Zeit nur bei einem Club zu arbeiten, kann sich HSV-Trainer Walter trotzdem nicht vorstellen: "Du nutzt dich irgendwann auch mal ab. Ich glaube, wenn du fünf, sechs Jahre bei einem Verein bist, dann ist es ja - wenn du nicht immer eine komplett neue Mannschaft bekommst - 'Täglich grüßt das Murmeltier'." Er glaube, dass "Reizpunkte - ob durch neue Spieler oder einen neuen Trainer - positiv für einen Verein sein können."

Walter: "Werden aus dem kleinen Loch rauskriechen"

"Aber", so Walter weiter, "ich finde Schmidts eingeschlagenen Weg gut, er steht für eine Philosophie." Auch beim HSV sei jetzt "eine klare Philosophie implementiert, die es über Jahre beim HSV nicht gab", führte der HSV-Trainer aus. "Wir sind auf einem guten Weg, auf dem es immer auch Höhen und Tiefen gibt. Wir waren schon ein Stück weiter, aber die Jungs machen es gut und werden aus dem kleinen Loch wieder herauskriechen."

"Wenn unsere Spieler keine Trikots anhätten, dann würde jeder erkennen, dass ein HSV-Spieler drinsteckt." HSV-Trainer Tim Walter

Der 46-Jährige geht davon aus, dass der Tabellenführer taktisch defensiv spielen wird. "Es wird wieder das gleiche Muster geben: Sie werden uns zwischenzeitlich vorne vielleicht mal zustellen, aber ansonsten werden sie tief stehen, verteidigen und umschalten." Da gelte es für seine Mannschaft, "geduldig" zu bleiben.

Auch die Negativschlagzeilen und Querelen rund um die Club-Führung versucht Walter auszublenden: "Ich werde dazu nichts sagen, aber beim HSV ist ja immer etwas los. Das wollen wir jetzt auch auf den Platz bringen." Auch solche störenden Nebengeräusche gibt es übrigens in Heidenheim nicht.

Mögliche Aufstellungen:

HSV: Heuer Fernandes - Heyer, Vuskovic, Schonlau, Muheim - Meffert - Reis, Bénes - Königsdörffer, Glatzel, Kittel
Heidenheim: Müller - Busch, Siersleben, Mainka, Föhrenbach - Geipl, Burnic, Schöppner - Beste - Kleindienst, Kühlwetter

Weitere Informationen
HSV-Sportvorstand Jonas Boldt (l.) und Sportdirektor Michael Mutzel. © Witters

HSV: Freistellung von Sportdirektor Mutzel unwirksam

Das Arbeitsgericht Hamburg hat entschieden, dass der Fußball-Zweitligist den 42-Jährigen nicht beurlauben und freistellen durfte. mehr

Der kommissarische Vorstand Vorstand Thomas Wüstefeld, Präsident Marcell Jansen und Sportvorstand Jonas Boldt (v.l.) vom Hamburger SV © Witters

Kommentar zum HSV: Lagerbildung ist der Anfang vom Ende

Hinter den Kulissen tobt ein gefährliches Machtspiel, dessen Ausgang ungewiss ist, aber einen sicheren Verlierer hat: den HSV. mehr

Blick auf das Volksparkstadion des HSV © Witters

HSV: Finanzierung der Stadion-Sanierung "auf der Zielgeraden"

In spätestens zehn Tagen will Club-Vorstand Wüstefeld die Geldgeber benennen, mit deren Hilfe die Arena modernisiert werden soll. mehr

Dieses Thema im Programm:

Die NDR 2 Bundesligashow | 06.08.2022 | 15:00 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

HSV

2. Bundesliga

Mehr Fußball-Meldungen

Ein Fan von Hansa Rostock, vor ihm eine gestohlene Fahne des FC St. Pauli © Witters Foto: Tim Groothius

Eskalation mit Ansage? Fans von St. Pauli und Hansa im selben Zug

Mehr als 2.000 Fans der Hamburger wollen nach Rostock fahren. Einen Sonderzug für sie gibt es nicht, beide Fanlager könnten in Regionalbahnen aufeinandertreffen. mehr