Stand: 22.03.2019 09:11 Uhr

Fußball-Profi Proschwitz: Heute hier, morgen dort

von Hanno Bode, NDR.de
Nick Proschwitz kam als Fußballer weit herum. Er spielte für Clubs aus Liechtenstein, der Schweiz, England, Belgien, den Niederlanden und Deutschland.

Bis zu seinem 17. Lebensjahr spielte Nick Proschwitz noch für einen kleinen oberfränkischen Amateurclub. Dann begann eine der außergewöhnlichsten und spannendsten Karrieren eines deutschen Profifußballers. Der heutige Stürmer des SV Meppen schaffte es bis in die Premier League.

Neun lange Spieltage hat Nick Proschwitz auf diesen Moment warten müssen. Nun ist es soweit. Er hat das Signal zur Einwechslung bekommen. Hastig entledigt sich der Stürmer seiner Trainingskleidung. Denn sein Team führt einen erbitterten Kampf gegen die Uhr. Es läuft bereits die 87. Minute der Partie bei Tottenham Hotspur, als Proschwitz vor 36.080 Zuschauern im Stadion White Hart Lane zu London das Feld betritt. Der Deutsche ist die letzte Hoffnung von Hull City, den 0:1-Rückstand noch zu egalisieren. Doch ihm bleibt ein "Joker"-Tor verwehrt, das sein Standing bei Coach Steve Bruce vielleicht erheblich verbessert hätte. Aber auch so ist es ein ganz besonderer Tag in seinem Leben.

Von Hallstadt in die weite Welt

Proschwitz hat in der wohl besten Fußball-Liga der Welt debütiert - der englischen Premier League. Dass er je ein Protagonist der milliardenschweren Spielklasse sein würde, es war wahrlich nicht abzusehen. Denn der aus Weißenfels (Sachsen-Anhalt) stammende Stürmer ist kein typisches Produkt aus dem Reagenzglas des Profifußballs - den Nachwuchsleistungszentren. Bis zu seinem 17. Lebensjahr kickte er noch für den kleinen oberfränkischen Club SV Hallstadt. Erst danach wurde der Angreifer in den Jugendabteilungen der SpVgg Greuther Fürth sowie der TSG Hoffenheim, die damals noch in der Regionalliga beheimatet war, professionell gefördert. Bis zu seinem Durchbruch im Herrenbereich sollte jedoch noch viel Zeit vergehen. Über den zweiten und dritten "Bildungsweg" schaffte ihn der inzwischen beim SV Meppen gelandete Torjäger schließlich.

14 Vereine im Herrenbereich

Der Drittligist ist bereits der 14. Verein für Proschwitz im Seniorenbereich. Man könnte meinen, der lange Schlacks ist ein Getriebener. Ein unruhiger Geist. Oder vielleicht gar ein nicht anpassungsfähiger Mensch. Doch beim Gespräch mit dem NDR Sportclub in einem Meppener Restaurant hinterlässt der 32-Jährige einen aufgeräumten Eindruck. Er scheint in sich zu ruhen und mit sich im Reinen zu sein, spricht sachlich über seine bewegte und von vielen Wechseln geprägte Laufbahn. "Am Anfang meiner Karriere habe ich mich Schritt für Schritt verbessert. Ich wollte mich entwickeln und immer spielen. Und dann irgendwann, wenn man nicht mehr spielt, muss man sich auch wieder verändern, weil es ja auch keinen glücklich macht, auf der Bank zu sitzen", sagt der 32-Jährige. Was pragmatisch klingt und letztlich auch zielführend war, erforderte vom jungen Fußball-Profi Nick Proschwitz vor allem zwei Dinge: Mut und den Glauben an sich selbst.

Beim HSV, VfL und 96 in der U23 am Ball

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In der U23 des HSV begann Proschwitz seine Karriere im Herrenfußball.

Sich in ein neues Abenteuer zu stürzen, das scheut der Angreifer von Beginn an nicht. Nachdem er Hoffenheims A-Jugend 2005 mit 20 Toren in die Bundesliga geschossen hat, wechselt er in die U23 des Hamburger SV. "Ich hatte gehofft, mich über die zweite Mannschaft durchsetzen zu können, aber das ist mir leider nicht gelungen", erklärte er einst im Interview mit der TSG. Vor und nach ihm scheiterten unzählige andere Talente beim Versuch, es über die Reserve ins HSV-Profiteam zu schaffen. Die meisten verschwanden anschließend komplett in der Versenkung.

Und Proschwitz? Er lässt sich nicht entmutigen. Er versucht es noch zwei weitere Male in U23-Mannschaften. Erst beim VfL Wolfsburg, dann bei Hannover 96. Der Sprung nach oben bleibt ihm auch dort verwehrt. Aber, und dieses "aber" soll für seinen weiteren Karriere-Verlauf von Bedeutung sein: Während dieser Zeit trainiert er unter Profibedingungen und ist so gut vorbereitet für den nächsten Schritt.

Von Hannover nach Liechtenstein

Im Sommer 2009 sieht es Proschwitz an der Zeit, sich nachhaltig zu verändern. Er wagt den Wechsel zum FC Vaduz. Der damals einzige liechtensteiner Proficlub kämpft in der schweizerischen Zweiten Liga um Punkte. Gleich in seinem ersten Jahr erzielt der Angreifer 23 Tore in 29 Partien und wird Torschützenkönig. Damit hat der "lange Lulatsch" eine erste eindrucksvolle Duftmarke im Herrenfußball gesetzt. Die Bäume wachsen für den 1,92 Meter großen Stürmer zwar noch nicht in den Himmel. Doch der Wechsel zu Erstligist FC Thun bedeutet für ihn eine erhebliche sportliche und finanzielle Verbesserung. Und nach einem Jahr bei den Berner Oberländern klopft in dem FC Luzern ein noch attraktiverer Arbeitgeber an.

Yakins Desinteresse ist Proschwitz' Glück

Proschwitz erwidert das Interesse des Meisters von 1989, unterschreibt einen nach eigener Aussage "lukrativen" Dreijahresvertrag und wird doch nur für ein paar Tage sesshaft am Vierwaldstättersee. Coach Murat Yakin, der nach dem Deutschen beim FCL anheuerte, macht dem Angreifer von Beginn an unmissverständlich klar, nicht auf ihn setzen zu wollen. So seltsam es klingt: Dafür muss Proschwitz dem früheren Bundesliga-Profi bis heute dankbar sein. Denn nur weil Yakin keine Verwendung für ihn hat, kann er 2011 zum SC Paderborn wechseln. Und bei den Ostwestfalen soll sein Stern so richtig aufgehen.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 16.03.2019 | 14:00 Uhr

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