Bremens Josh Sargent liegt enttäuscht am Boden. © Witters

Grün-Weiß trägt Trauer! Werder Bremen steigt aus der Bundesliga ab

Stand: 22.05.2021 23:09 Uhr

Werder Bremen ist nach 1980 zum zweiten Mal in seiner Vereinsgeschichte in die zweite Bundesliga abgestiegen. Und das völlig verdient. Auch Club-Legende Thomas Schaaf konnte nichts mehr retten. Auf die Hanseaten kommen sportlich und wirtschaftlich harte Zeiten zu.

von Matthias Heidrich

Als um 17.25 Uhr der Schlusspfiff ertönte, herrschte im und um das Weserstadion herum eine beängstigende Stille. Der Traditionsclub aus Bremen ist am Tiefpunkt angekommen. Werders 2:4-Niederlage am letzten Bundesliga-Spieltag gegen Borussia Mönchengladbach und der gleichzeitige Sieg des 1. FC Köln gegen Schalke waren der Schlussakkord einer denkwürdig schlechten Saison der Grün-Weißen.

"Wir sind alle traurig. Man hat immer die Hoffnung, dass man das Ding drehen kann. Aber wenn du dann so einen über den Kopf kriegst, tut das weh." Werder-Coach Thomas Schaaf

Der Gang in die Zweite Liga ist nun besiegelt, hatte sich aber schon lange abgezeichnet. Auch der (zu) späte Wechsel auf der Trainer-Position von Florian Kohfeldt zu Thomas Schaaf konnte die Hanseaten nicht mehr retten. Gegen Gladbach präsentierten sich die Bremer einmal mehr überfordert.

"Wir wissen, dass die Enttäuschung nun riesig ist und dass das natürlich auch unseren Fans wehtut. Aber wir haben es nicht geschafft und damit müssen wir jetzt klarkommen", sagte Schaaf im NDR Interview. Die Gedanken Frank Baumanns waren auch beim Bremer Anhang. "Die Werder-Fans mussten in dieser Saison sehr leiden, insbesondere in den letzten zehn Spieltagen", sagte der Sportchef.

Polizei stoppt Fans - Baumann stellt sich Verantwortung

Noch anderthalb Stunden nach Abpfiff standen mehrere Hundert Fans vor dem Weserstadion, skandierten "Vorstand raus" und machten ihrem Ärger Luft. Die Polizei musste eingreifen, als einige von ihnen den Abbau der Absperrgitter nutzten, um in den Bereich bei Stadion-Tor 1 zu gelangen. Drinnen blickte Baumann ("Ich stelle mich der Verantwortung") schon nach vorn: "Man muss die Trauer heute zulassen, aber ab morgen werden wir wieder zusammen anpacken, damit wir einen Kader zusammenstellen, der wieder aufsteigen kann."

"Das ist sehr, sehr schwer zu verarbeiten. Ich bin seit 22 Jahren bei Werder mit vollem Herzen und Einsatz dabei. Deswegen ist das eine brutale Enttäuschung." Werder-Sportchef Frank Baumann

Werder steigt als Tabellenvorletzter zusammen mit dem FC Schalke 04 in eine in der kommenden Saison stark besetzte Zweite Liga ab. Die wirtschaftlichen Folgen für den extrem klammen Club von der Weser werden immens sein. Ein sofortiger Wiederaufstieg wie vor 40 Jahren dürfte für die Bremer ein Ding der Unmöglichkeit sein.

Werder-Fans pfeifen auf Corona-Regeln

Nach Polizei-Angaben hatten vor dem Saisonfinale rund 2.000 Werder-Fans den Bremer Mannschaftsbus am Weserstadion empfangen. Dabei wurde zahlreiche Pyrotechnik gezündet. Zudem pfiffen die meisten Anhänger auf jegliche Abstandsregeln der Corona-Pandemie. Und längst nicht alle Bremer Fans trugen einen Mund-Nasen-Schutz.

Stindl schockt Bremen - Selke vergibt Riesenchance

Sie mussten draußen bleiben, als der Anpfiff ertönte und ihr Team bereits nach drei Minuten einen Tiefschlag kassierte. Gladbach kombinierte sich blitzsauber durch die statische Werder-Abwehr und Kapitän Lars Stindl traf trocken zum 1:0 für die Gäste. Wirklich von der Rolle war Bremen nicht, aber nach vorne brachte die Schaaf-Elf kaum etwas zustande.

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Trotzdem hätte Werder mit einem Remis in die Pause gehen müssen. Davie Selke brachte es in der 19. Minute fertig, den Ball nach schöner Vorarbeit von Josh Sargent nicht im leeren Gladbacher Tor unterzubringen. Gäste-Torwart Yann Sommer bekam doch noch eine Hand zwischen Selkes verstolperten Abschluss und dem möglichen 1:1. Eine Szene mit Symbolcharakter für die völlig verunglückte Saison der Grün-Weißen.

Gladbach führt Werder vor

Nach der Pause kam es noch dicker für die bemühten, zunächst überforderten und zum Ende auseinanderfallenden Bremer. Marcus Thuram (52.), Ramy Bensebaini (58.) und Florian Neuhaus (67.) erhöhten auf 4:0 für Gladbach. Das Spiel im Weserstadion war gelaufen und für Werder blieb jetzt nur noch die Hoffnung, dass Köln gegen Schalke kein Tor gelingt.

Aufholjagd in Bremen, Dramatik in Köln

Und tief im Westen wurde es dramatisch. Köln traf in der 70. Minute zum 1:0, was für Bremen den direkten Abstieg bedeutet hätte. Doch der Videoassistent griff ein und Schiedsrichter Daniel Siebert nahm den vermeintlichen FC-Treffer von Sebastian Andersson nach Ansicht der Bilder für den FC zurück. Die beiden Anschlusstore durch Milot Rashica (81.) und Niclas Füllkrug (83.) in Bremen waren nur noch Ergebniskosmetik, bevor die böse Kunde aus Köln im Weserstadion die Runde machte. Sebastiaan Bornauw traf in der 86. Minute für den FC gegen Schalke. Dieses Mal zählte der Treffer und besiegelte den verdienten Bremer Abstieg.

34.Spieltag, 22.05.2021 15:30 Uhr

Werder Bremen

2

M'gladbach

4

Tore:

  • 0:1 Stindl (3.)
  • 0:2 Thuram (52.)
  • 0:3 Bensebaini (58.)
  • 0:4 Neuhaus (67.)
  • 1:4 Rashica (80.)
  • 2:4 Füllkrug (83.)

Werder Bremen: Pavlenka - Gebre Selassie, Toprak (79. Agu), Moisander, Friedl - M. Eggestein - Mbom (55. Osako), Schmid - Bittencourt (79. Möhwald) - Sargent (67. Rashica), Selke (67. Füllkrug)
M'gladbach: Sommer - Lainer, Ginter, Elvedi, Bensebaini (84. Jantschke) - Zakaria, Neuhaus - Wolf (84. P. Herrmann), Stindl (74. Hofmann), Lazaro (74. Wendt) - Thuram (74. Embolo)
Zuschauer:

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Sportclub | 23.05.2021 | 22:50 Uhr

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