Stand: 17.01.2020 15:44 Uhr

FC St. Pauli: DFB erwägt Strafe wegen politischer Aktion

Zwischen dem Fußball-Zweitligisten FC St. Pauli und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) schwelt ein Konflikt, in dem es um die Frage geht: Bestraft der DFB den Club für eine politische Aktion seiner Fans im Heimspiel gegen Darmstadt 98 am 19. Oktober?

Solidaritätsbekundung mit den Kurden in Syrien

Anhänger des FC St. Pauli hatten am Millerntor ein großes Spruchband gezeigt: "Biji Rojava" ("Es lebe Rojava"). Rojava ist der kurdische Name für das Kurdengebiet in Syrien. Außerdem schwenkten die Hamburger Fans Fahnen der kurdischen Frauenverteidigungseinheiten YPJ. Der Vorfall geschah wenige Tage, nachdem sich St. Pauli vom Spieler Cenk Sahin getrennt hatte. Der türkische Profi hatte bei Instagram die Syrien-Offensive der Türkei begrüßt und seine Solidarität bekundet. 

St. Paulis Präsident Göttlich: "Sport ist politisch"

Der DFB-Kontrollausschuss soll gegen den FC St. Pauli eine Geldstrafe in Höhe von 4.000 Euro beantragt haben. Die Hamburger wollen dies jedoch nicht hinnehmen. "Man kann ganz klar sagen: Für den FC St. Pauli ist die Meinungsfreiheit nicht verhandelbar - auch im Stadion", sagte Clubpräsident Oke Göttlich: "Wir als FC St. Pauli haben uns immer ganz klar dazu bekannt, dass Sport politisch ist. Jede Handlung eines jeden Menschen ist politisch, zu jeder Minute seines Seins - und damit ist auch der Sport am Millerntor durchaus politisch."

Gleichzeitig begründete Göttlich noch einmal die Trennung von Sahin: "Natürlich gibt es in der türkischen Bevölkerung und auch in der deutsch-türkischen Bevölkerung ganz andere Meinungen als die, die der FC St. Pauli vertritt. Diese akzeptieren wir auch", sagte Göttlich. "Aber wir als FC St. Pauli können unsere Entscheidung nur aufgrund unseres Wertekosmos treffen. Und der beinhaltet, dass wir kriegerische Handlungen ablehnen. Wenn ein Spieler das bei uns nicht tut und das auch wiederholt, dann müssen wir auch Maßnahmen treffen."

Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht in der kommenden Woche

Auf das Plakat der St.-Pauli-Anhänger im Darmstadt-Spiel wurde der DFB in einem Brief des Türkischen Fußballverbandes aufmerksam gemacht - der wiederum vom türkischen Außenministerium informiert worden war. Am Freitag ging der Vorsitzende Richter des DFB-Sportgerichts, Hans E. Lorenz, am Rande des Urteils zu den Pyro-Einsätzen beim Derby am Millerntor auf den "Rojava"-Fall ein. Er erklärte, dass das DFB-Sportgericht in der kommenden Woche darüber entscheiden werde. "Es läuft ein Verfahren, dazu wird es zeitnah eine Entscheidung geben. Ich denke, nächste Woche", sagte Lorenz am Freitag in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes in Frankfurt. "Das ist sicher eine Rechtsfrage, die interessant ist."

Weitere Informationen

Pyro: Hohe Geldstrafen für St. Pauli und HSV

Das Zünden von Pyrotechnik beim jüngsten Hamburger Stadtderby kommt die Zweitligisten FC St. Pauli und HSV teuer zu stehen. Beide Vereine müssen eine sechsstellige Summe zahlen. mehr

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 16.01.2020 | 19:30 Uhr