Barcelonas Jenni Torrejon (r.) bejubelt ihren Treffer gegen den VfL Wolfsburg. © IMAGO / Sports Press Photo

FC Barcelona nimmt die VfL-Frauen vor Rekordkulisse auseinander

Stand: 22.04.2022 23:32 Uhr

Es hätte der Abend ihres Lebens als Fußballerinnen werden sollen - vor der Rekordkulisse von 91.648 Zuschauern im Halbfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Barcelona erlebten die Spielerinnen des VfL Wolfsburg allerdings ein Debakel. Mit dem 1:5 (0:4) waren sie noch gut bedient.

von Florian Neuhauss

Am Donnerstag hatten die Wolfsburgerinnen noch fleißig Fotos im Fußball-Tempel Camp Nou gemacht - und in den Sozialen Medien gepostet. Am Freitag waren sie oft auch nur staunende Gäste. Titelverteidiger "Barca" zeigte vom Anpfiff weg Weltklasse, die VfL-Defensive war im sehr gut gefüllten Stadion und vor lautstarken Zuschauern komplett überfordert. Die Niedersächsinnen ließen sich vorführen.

"So hart es ist in dem Moment: Wir müssen den Rekord und den Moment, im Camp Nou zu spielen, aufsaugen. Die Erfahrung wird uns unserer ganzes Leben lang begleiten." VfL-Trainer Tommy Stroot

In der zehnten Minute - da bejubelten die Gastgeberinnen gerade das 2:0 - trommelte Almuth Schult ihre Mitspielerinnen zusammen. In einem Kreis versuchte die Torhüterin, die mit großem Abstand die beste "Wölfin" war, das Team aufzuwecken. Doch ihre Worte verhallten schnell. Barcelona war an diesem Abend einfach zwei Klassen besser - 20:3 stand es am Ende nach Schüssen aufs Tor.

Enttäuschung - Ja, Köpfe hängen lassen - Nein

Wolfsburgs Trainer Tommy Stroot versammelte sein Team noch auf dem Platz, um an seine Spielerinnen zu appellieren, sich trotz der Niederlage nicht nur zu ärgern: "Auch wenn wir alle enttäuscht sind, wäre es falsch, einfach in der Kabine zu verschwinden und wegzufahren. Dafür ist der Moment einfach zu besonders."

Barcelona sei schon vor dem Spiel Favorit gewesen, betonte Stroot. Auch wenn "Barca" schon die Reise zum Finale planen könne, habe sein Team im Rückspiel am 30. April in Wolfsburg "die Aufgabe, ein ganz anderes Gesicht zu zeigen". Stürmerin Svenja Huth versprach: "Uns hat Mut und Konsequenz gefehlt. Aber diese Niederlage wird uns nicht umwerfen. Wer uns kennt, weiß, dass wir bis zuletzt alles geben werden. Und auch danach warten noch spannende Aufgaben auf uns."

"Barca" brennt Offensivfeuerwerk ab

Die Wolfsburger Viererkette mit Joelle Wedemeyer, Kathrin Hendrich, Dominique Janssen und Felicitas Rauch war dem kraftvollen und ideenreichen Angriffsspiel des FCB nicht gewachsen. Ein langer Pass genügte und Aitana Bonmati traf zum 1:0 (3.).

Die frühere Hamburgerin Ana-Maria Crnogorcevic jagte VfL-Kapitänin Janssen sieben Minuten später den Ball ab. Nach ihrem Pass schlug Caroline Graham Hansen noch einen Haken, ließ damit ihre ehemalige Mitspielerin Wedemeyer aussteigen und Schult mit einem platzierten Linksschuss überhaupt keine Abwehrchance - 2:0.

Svenja Huth vergibt Doppelchance zum Anschluss

Angesichts der Dominanz von "Barca" ist es unwahrscheinlich, dass Huth dem Spielverlauf wirklich eine andere Richtung hätte geben können. Doch zumindest kurz ließen auch die Wolfsburgerinnen mal ihr Können aufblitzen: Sveindis Jonsdottir zog von links nach innen. Ihren Pass leitete Jill Roord sofort zu Huth weiter. Den Schuss der deutschen Nationalstürmerin klärte Irene Paredes Hernandez noch vor der Linie. Den Nachschuss parierte Torhüterin Sandra Panos (15.).

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VfL-Abwehr geht es viel zu schnell

Es war ein kurzer Hoffnungsschimmer - mehr nicht. Stroot verzichtete auf größere Veränderungen, hoffte, seine Spielerinnen würden mit ihrem offensiven Spielstil dagegenhalten können. Ein Irrglaube. Schnell nahm "Barca" wieder Fahrt auf und in der 33. Minute erzielte Jennifer Hermoso Fuentes bereits das 3:0. Der vierte Treffer ging dann auf das Konto von Weltfußballerin Alexia Putellas (38.) - bereits ihr neunter in dieser Champions-League-Saison.

Jill Roord erzielt Wolfsburger Ehrentreffer

Barcelona berauschte sich auch nach der Pause an der eigenen Stärke. Doch eine sehr knappe Abseitsentscheidung bei einem Treffer (50.) sowie Schult, die alles hielt, was zu halten war, verhinderten das 5:0. Und plötzlich lag der Ball auf der anderen Seite im Netz. Tabea Waßmuth konnte durch die Mitte einmal Tempo aufnehmen und spielte Jill Roord frei. Die Niederländerin traf platziert zum 1:4 (70.), das dank Videobeweis zählte.

Womöglich hätte dieses Ergebnis noch ein bisschen Hoffnung für das Rückspiel gelassen. Und Schult wuchs in der Folge schier über sich hinaus. Doch fünf Minuten vor dem Ende, verursachte Janssen einen Elfmeter, den Putellas sicher zum Endstand verwandelte. Die Wolfsburgerinnen können sich schon jetzt auf Meisterschaft und Pokal konzentrieren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 22.04.2022 | 23:03 Uhr

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