Stand: 23.04.2020 12:25 Uhr

Ex-Wolfsburger Träsch: Gefangen im Luxus-Tempel

Fußball-Profi Christian Träsch zu seiner Zeit beim VfL Wolfsburg © imago images / Claus Bergmann Foto: Claus Bergmann
Christian Träsch spielte von 2011 bis 2017 beim VfL Wolfsburg. Seit Februar steht er beim Al-Wasl Sports Club unter Vertrag.

Der Sprung ins kühle Nass, für Christian Träsch gehörte er bis vor wenigen Wochen noch zum Alltag. Der frühere Bundesliga-Fußballer des VfL Wolfsburg (von 2011 bis 2017) sprang wahlweise in den Pool oder in den Persischen Golf, um seiner Leidenschaft, dem Schwimmen, nachzugehen. Auch sonst boten sich dem Ex-Nationalspieler und seiner Frau Jennifer sowie den Töchtern Tamina und Thalea in ihrer Wahlheimat Dubai bis vor Kurzem noch etliche Unterhaltungsmöglichkeiten. So ist der Hotelkomplex, in dem die Familie ein 100 Quadratmeter großes Apartment bewohnt, von beinahe 200 Einzelhandelsgeschäften und Gastronomiebetrieben umgeben. Den Mittelpunkt dieser Glitzerwelt auf der Insel Bluewaters bildet das größte Riesenrad der Welt, das Ain Dubai.

Derzeit aber können der seit Anfang Februar beim Al-Wasl Sports Club aus der Gulf League unter Vertrag stehende Defensivspezialist und seine Lieben weder planschen noch shoppen gehen. Selbst ein Spaziergang ist momentan nicht gestattet. Denn in Dubai herrscht wegen der Coronavirus-Pandemie eine Ausgangssperre, sodass die Tage von Träsch und seinen Lieben monoton sind. Sehr monoton.

"Dürfen Wohnung nur zum Einkaufen verlassen"

"Die Kinder haben von 8 bis 13 Uhr Homeschooling. Danach spielen wir zusammen. Wenn ich etwas Zeit habe - meistens eine Stunde am Tag - mache ich Indoor-Sport, um fit zu bleiben", sagte der 32-Jährige in einem von seinem Club auf Twitter veröffentlichten Video-Interview. Das öffentliche Leben in den Vereinigten Arabischen Emiraten, zu denen Dubai gehört, steht seit Wochen beinahe still. "Wir dürfen unsere Wohnung nur zum Einkaufen verlassen, und man muss vorher angeben, wohin man will und wie lange man voraussichtlich unterwegs ist", erklärte Träsch dem "Donaukurier". Eigentlich hatten sich für Ende März seine Eltern zu einem Besuch in Dubai angekündigt. Aber sie durften nicht mehr in die Förderation der sieben Emirate einreisen, in der es bei 8.238 Coronavirus-Infizierten bislang 52 Todesfälle gibt (Quelle: Johns-Hopkins-Universität, Stand: 23. April).

Kaum Kontakt zu Verwandten und Familie möglich

Kontakt halten kann die Familie Träsch zu ihren Liebsten in der Heimat lediglich noch über die Unterrichtsplattform ihrer Kinder. Denn Kommunikationsdienste wie Skype, Facetime oder WhatsApp sind in den Vereinigten Arabischen Emiraten inzwischen nicht mehr erlaubt. Somit ist auch ein Austausch mit dem Gros seiner Teamkameraden derzeit unmöglich. Lediglich mit zwei brasilianischen Mitspielern kann der Routinier hin und wieder ein paar Worte wechseln, wenn er sie zufällig beim Einkaufen trifft. Sie wohnen ebenfalls in der Apartmentanlage des Hotelkomplexes. Was bleibt, ist die Hoffnung auf ein baldiges Ende der beklemmenden Lebenssituation: "Wir hoffen, dass die Regeln bis zum Wochenende gelockert werden."

Zukunft ungewiss - Vertrag läuft aus

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Christian Träsch © imago / Christian Schroedter

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Auch hinter der sportlichen Zukunft des zehnmaligen Nationalspielers steht ein großes Fragezeichen. "Mein Vertrag läuft bis Ende Mai. Aber nach den neuesten Plänen sollen die noch sieben ausstehenden Punktspiele erst ab August ausgetragen werden. Danach soll nahtlos die neue Saison beginnen", erklärte der 32-Jährige dem "Donaukurier". Möglich also, dass der ehemalige Wolfsburger mehr oder minder unverrichteter Dinge Dubai wieder verlassen muss. Denn bis dato hat Träsch erst ein Spiel für Al-Wasl bestritten, das vom früheren Bundesliga-Profi Laurentiu Reghecampf trainiert wird. Ihm droht somit erneut die Arbeitslosigkeit.

Bereits vor Beginn seines Abenteuers am Persischen Golf war Träsch sieben Monate vereinslos. Nach dem Abstieg im Sommer 2019 mit dem FC Ingolstadt hatte er sich beim Regionalligisten VfB Eichstätt fit gehalten und sogar schon an das Karriere-Ende gedacht. Daran verschwendet der Ex-VfLer derzeit offenbar keinen Gedanken:  "Grundsätzlich würden wir gerne noch bleiben."

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 26.04.2020 | 22:30 Uhr

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