Stand: 14.04.2016 14:32 Uhr

Das Knie - Nadine Keßler beendet ihre Karriere

Es ist vorbei, ein 30 Minuten dauernder Einsatz am 21. September 2014 in Leverkusen war das letzte Bundesligaspiel für Nadine Keßler. Die 28 Jahre alte Mittelfeldspielerin des VfL Wolfsburg hat ihre Karriere beendet - die anhaltenden Knieprobleme lassen Profifußball nicht mehr zu. Elfmal ist sie bereits am Gelenk operiert worden, schuftete ein ums andere Mal für ein Comeback - nun gibt sie auf: "Es ist sehr schmerzhaft für mich, erkennen zu müssen, dass ich meine Laufbahn aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr fortsetzen kann", erklärte die Weltfußballerin von 2014: "Nichtsdestotrotz blicke ich positiv in die Zukunft und bin dankbar für viele wunderschöne Momente, die ich mit dem Verein und dem DFB-Team erleben durfte. Ich habe Fußball stets mit großer Leidenschaft und Liebe gespielt. Nun freue ich mich auf neue Herausforderungen und Perspektiven."

Nadine Keßlers Karriere in Bildern

Hoffen auf Alltag ohne Beschwerden

Sie hoffe, nach dem jüngsten Eingriff in Augsburg "im Alltag wieder beschwerdefrei zu sein", sagte Keßler: "Es war sehr belastend, dass dich so eine Verletzung auch im alltäglichen Leben so beeinträchtigt." Am Dienstag, als die deutsche Frauen-Nationalmannschaft mit dem 2:0 gegen Kroatien das Ticket für die EM 2017 löste, hatte die Europameisterin von 2013 "fix und fertig" vor dem Fernseher gesessen, "weil ich da für mich meine Entscheidung getroffen und auch die Bundestrainerin informiert habe", sagte die 29-malige Nationalspielerin: "Das war schon sehr bewegend." Silvia Neid sprach von einem "großen Verlust" für den deutschen Frauenfußball: "Nadine Keßler hat herausragende fußballerische Qualitäten und ist eine beeindruckende Persönlichkeit - ein Vorbild auf und neben dem Platz."

Kellermann: "War eine absolute Führungsspielerin"

Wie ihre beruflichen Pläne aussehen, ließ die herausragende Mittelfeldspielerin vorerst offen. Fest steht lediglich, dass sie nun am VfL-Campus ihr Master-Studium im "General Management" mit dem Schwerpunkt Sportbusiness vorantreiben will. Sie bleibt eine Kämpferin: "Ich stecke den Kopf jetzt nicht in den Sand." Dem Sport, am liebsten ihrer großen Leidenschaft Fußball, möchte sie verbunden bleiben - vielleicht als TV-Expertin: "Im Moment liegt keine konkrete Anfrage vor. Aber ich habe das schon öfter gemacht, das macht mir wirklich Spaß."

Er sei guter Dinge, "dass sich so auch zukünftig Chancen für eine weitere Zusammenarbeit auftun werden", sagte VfL-Geschäftsführer Thomas Röttgermann: "Die Entscheidung von Nadine zeugt von einer großen Reife und verdient höchsten Respekt." VfL-Trainer Ralf Kellermann erklärte: "Ohne Nadines großen Einsatz wären wir in den vergangenen Jahren wohl längst nicht so erfolgreich gewesen. Sie hat ihren Teil dazu beigetragen, dass aus dem VfL Wolfsburg ein internationales Spitzenteam wurde."

Titelhamsterin mit Potsdam, Wolfsburg und DFB-Team

In ihrer Laufbahn hat die begnadete Technikerin eine stattliche Anzahl an Trophäen gewonnen. Seit dem Wechsel zum VfL 2011 reifte die gebürtige Pfälzerin nach zunächst überstandenen schweren Knieproblemen zur "absoluten Führungsspielerin" (Kellermann). Als Kapitänin führte sie den VfL zu zwei Triumphen in der Champions League und der deutschen Meisterschaft sowie im Triple-Jahr 2013 auch im DFB-Pokal. Mit Turbine Potsdam hatte sie 2010 ebenfalls die Champions League und zwei Meister-Titel (2010, 2011) gewonnen. 2013 wurde sie mit der deutschen Nationalmannschaft Europameisterin, in 29 Länderspielen erzielte sie zehn Tore. Ihr schon lange lädiertes linkes Knie ließ sie ausgerechnet auf dem Höhepunkt ihrer Karriere endgültig im Stich.

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 14.04.2016 | 14:25 Uhr

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