Stand: 11.10.2017 16:03 Uhr

Das Diplom für den Ich-Experten

FC-Bayern-Stürmer Robert Lewandowski hat für seine Bachelor-Arbeit "Mein Weg zum Ruhm" Bestnoten der Warschauer Sporthochschule erhalten. Der Glückwunsch an Lewandowski, der auch Kapitän der polnischen Nationalmannschaft ist, wird begleitet von dem Gedanken, welche Lebenswege noch zum akademischen Titel taugen.

Eine Glosse von Detlev Gröning

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Jubel bei Robert Lewandowski über die erfolgreiche WM-Quali mit Polen und über seinen Studienabschluss.

Die Sporthochschule Warschau macht es möglich: Das alte Thema "Wer bin ich und wenn ja: warum?" gibt es jetzt als Studienabschluss für Fußballer. Da werden sich einige noch nachträglich ein Monogramm in die Stutzen beißen, die das Wissen rund um die eigene Vita für schnöden Mammon auf dem Büchermarkt verschleudert haben: Mesut Özil, Oliver Kahn, Toni Schumacher, Philipp Lahm, Stefan Effenberg - eine unendliche Reihe, die womöglich erst bei demjenigen endet, der in der Bezirksklasse mal eine Ecke rausgeholt hat.

"Da hätten sie mehr draus machen müssen!", echauffieren wir uns auf dem Kommentatorenplatz. Aber nur Robert Lewandowski hatte den Riecher, das obligatorische "Ich kicke, also bin ich!" unhaltbar in eine Bachelor-Arbeit zu verwandeln und das Ergebnis souverän zu verteidigen, was jedoch nicht allzu schwierig gewesen sein dürfte. Misstrauischen Nachfragen zur Selbstexpertise hätte Lewandowski im Stile eines Politikers nach einer geheimen Kabinettssitzung begegnen können: "Sind Sie dabei gewesen oder ich?"

Vorher galt es, einer unbehandelten Forschungsfrage wissenschaftlich nachzuspüren: Kann man als kleiner polnischer Junge auf der Straße später mal Fußballprofi werden?

Logo von NDR Info und das Gesicht einer Frau © f1online

Mein Weg zum Ruhm

NDR Info - Auf ein Wort -

Bayern-Star Robert Lewandowski hat seiner Bachelor-Arbeit den Titel "Mein Weg zum Ruhm" gegeben. Detlev Gröning klatscht Beifall - und bittet in seiner Glosse auf ein Wort.

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"Ausgeschlossen!", müssen wir diese These zunächst mal genauso energisch bezweifeln wie die Behauptung, man könne ein Smartphone in Gartenhandschuhen zusammenbasteln oder mit 17 Dioptrien Kampfpilot werden. Erst dann kann Robert Lewandowski am eigenen Beispiel das Gegenteil beweisen und - wie es ihm die Jury attestierte - mit induktiver Anleitung zum Wegweiser für die nächste Generation werden: Dass man die Entscheidung zwischen Kopfstoß oder Flachschuss von der Flughöhe des Balles abhängig machen sollte und besonders in Tornähe vorzugsweise genau da stehen muss, wo der Ball dann auch wirklich hinkommt, um sich das Toreschießen zu erleichtern. Schade, trauert der altgediente Kreisligist, hätte ich das früher gewusst ...

Leider lassen es Fußballer-Karrieren ja immer wieder an Spannung vermissen, aber vielleicht öffnet Lewandowskis Arbeit die Tür für Nicht-Fußballer, sich ebenfalls einen Doktorvater für das Ausbreiten der eigenen, noch unglaublicheren Karriere zu suchen, und sei es auch um den Preis, dass andere jetzt in akademisch geordneter Form nachvollziehen können, auf welchen dunklen Pfaden diese Flitzpiepe zu ihrem Chef werden konnte.

Zeitmangel ist übrigens kein Argument, um dem eigenen Lebenslauf einen polnischen Bachelor-Titel zu verweigern. Vielleicht haben Sie sogar bereits eine komplette Abschlussarbeit im Schrank und wissen es bloß nicht. Darum der Hinweis: Früher hieß so was mal Tagebuch.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 11.10.2017 | 18:25 Uhr

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