Stand: 11.09.2020 15:56 Uhr

DFB will Gelder für Fanprojekte kürzen

von Han Park

Viele Blicke richten sich an diesem Wochenende auf Rostock: Hansa bestreitet im DFB-Pokal gegen den VfB Stuttgart sein erstes Pflichtspiel der neuen Saison. Nach mehr als einem halben Jahr Pause dürfen wieder Zuschauer ins Stadion, 7.500 sind zugelassen. Das Fanprojekt Rostock begleitet die durchaus auffällige und schwierige Fanszene seit dreizehn Jahren. Doch möglicherweise stehen dem Projekt finanzielle Kürzungen bevor.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) will nach NDR Informationen die Finanzierung von Fanprojekten wohl umgestalten und seine Zuwendung um 300.000 Euro jährlich reduzieren. Am Freitag tagte das Präsidium. Ob das Thema Fanprojekte auf der Agenda stand oder Beschlüsse getroffen wurden, wollte der DFB dem NDR auf Anfrage nicht mitteilen.

Fanprojektleiter: Inhaltliche Vielfalt gefährdet

Durch die möglichen Kürzungen sieht der Rostocker Fanprojektleiter Christian Völker die personelle und inhaltliche Vielfalt seines Fanprojekts gefährdet. "Müssen Personalanteile eingespart werden, dann könnten beispielsweise die wichtigen Spieltagsbegleitungen zu den Heim- und Auswärtsspielen eingeschränkt sein. Dadurch kann die wichtige deeskalierende und vermittelnde Rolle der Sozialarbeiter gerade in Konfliktsituationen nicht zur vollen Wirkung gelangen", sagte Völker dem NDR.

Kritik aus der Politik

Für Fanprojekte gibt es die sogenannte Drittelfinanzierung: Bei Erst- und Zweitligisten übernimmt die Deutsche Fußball Liga (DFL) 50 Prozent der Kosten, ab der Dritten Liga abwärts trägt der DFB die Hälfte. Voraussetzung dafür ist, dass sich Land und Kommunen ebenfalls mit 50 Prozent beteiligen. Im Falle von Hansa Rostock fördert das Land Mecklenburg-Vorpommern das Fanprojekt mit 50.000 Euro im Jahr.  

"Wir brauchen mehr Jugend- und Sozialarbeit durch die Fanprojekte und nicht weniger. Deshalb wären Einsparungen beim DFB in diesem Bereich absolut kontraproduktiv für den Kampf gegen Gewalt, Diskriminierung und Vandalismus.Es wäre fatal und ein völlig falsches Signal, wenn der Verband seine Förderung ausgerechnet in diesem Bereich reduzieren würde." Mecklenburg-Vorpommerns Sozial- und Sportministerin Stefanie Drese (SPD)

Nach Berechnungen der Fanprojekte flossen in der vergangenen Saison von Seiten des DFB insgesamt rund 3,3 Millionen Euro an 33 Fanprojekte. Diese Summe will der DFB nun wohl fest auf drei Millionen Euro deckeln. Die paritätische Finanzierung zwischen Verbänden sowie Bundesländern und Kommunen wäre somit gefährdet.

Wird der Graben zwischen Fans und Verband noch tiefer?

Auch der ohnehin tiefe Graben zwischen organisierten Fans und dem Verband könnte noch ein wenig tiefer werden. "Verstärkt durch die Corona-Krise bekommen wir alle zurzeit ja mit, wie kritisch das Verhältnis zwischen 'dem Fußball' und den Fanszenen ist. Wenn der DFB nun auch noch bei 'ihren' Fanprojekten kürzt, wird das bei den Fans sicher sehr kritisch aufgenommen werden", sagte Michael Gabriel, Leiter der Koordinationsstelle der Fanprojekte.

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 11.09.2020 | 16:25 Uhr

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