Stand: 05.02.2020 11:57 Uhr

Werder ist wieder da, aber Berlin ist nicht Dortmund

von Matthias Heidrich, NDR.de
Außer Rand und Band nach dem Pokaltriumph: Werder-Trainer Florian Kohfeldt.

Er winkte, sprang an der Seitenlinie auf und ab und forderte vehement den Abpfiff: Als dieser endlich kam und Werder Bremen den DFB-Pokal-Triumph gegen Borussia Dortmund ins Ziel gebracht hatte, hielt es Florian Kohfeldt nicht mehr. Er sprang aufs Feld, gab die "Jubel-Säge", reckte die Siegerfäuste in den Bremer Himmel und auch in Richtung Werder-Fankurve. Jeder konnte sehen, dass nicht nur von den zuletzt in der Kritik stehenden Bremer Profis, sondern auch von dem 37-Jährigen eine große Last abfiel.

Kohfeldt: "Das tut uns allen gut"

"Das tut uns allen gut, so ein Spiel abgeliefert zu haben", sagte Kohfeldt nach dem Erreichen des Pokal-Viertelfinals dem NDR. "Wir haben richtig gut Fußball gespielt, und das war wichtig."

Endlich wieder "Werder-Fußball"

Allerdings. Zuletzt war Werder in der Bundesliga wie ein sicherer Abstiegskandidat aufgetreten und verharrt momentan zu Recht auf dem Relegationsrang 16. Die Sorge, Dortmund könnte die Grün-Weißen im Pokal auseinandernehmen und noch tiefer in die Krise stürzen, war groß rund um die Weser. Doch dann legte die Kohfeldt-Elf einen kämpferisch und (noch viel wichtiger) auch fußballerisch bärenstarken Auftritt gegen keinesfalls schlechte Dortmunder hin. "Wir haben endlich wieder unseren Fußball gespielt. Den habe ich hier sehr lange nicht mehr gesehen. Das war so wichtig", sagte Kohfeldt.

Bremen entdeckt seine Kombinationsstärke wieder

Vergleiche zwischen so emotional aufgeladenen Alles-oder-Nichts-Spielen wie gegen den BVB - unter Flutlicht im Weserstadion - und dem oftmals grauen Bundesliga-Alltag bei Tageslicht fallen schwer, doch Kohfeldt spann den Bogen selbst: "Der Schlüssel lag darin, dass wir uns getraut haben, den Ball auch laufen zu lassen und nicht wie beispielsweise in Augsburg nach einem Ballgewinn den Ball gleich wieder lang zu hauen."

Gegen die Dortmunder zeigte Werder in der Tat seine lange vermissten Kombinationsfähigkeiten. Sinnbildlich stand dafür das dritte Tor, als der zuletzt vollkommen neben sich stehende Yuya Osako (Kohfeldt: "Er hat fantastisch gespielt") einen perfekten Pass in die Tiefe auf Milot Rashica spielte und der schnelle Werder-Angreifer mit jeder Menge Überzeugung an die eigene Stärke den Ball im langen Eck versenkte.

Das Problem: Berlin ist nicht Dortmund

"Diese Sicherheit, dieses Grundgefühl, dass wir kombinieren können, das müssen wir uns mitnehmen", forderte Kohfeldt mit Blick auf das Spiel gegen Union Berlin am Sonnabend (15.30 Uhr, im NDR Livecenter) im Weserstadion. Aber Berlin ist nicht Dortmund, dass ist in Bremen allen klar. "Wir wissen, dass gegen Union ein ganz anderes Spiel auf uns wartet", so Kohfeldt.

Nach Union gegen RB Leipzig und erneut Dortmund

Für sein Team, das nach dem Duell mit dem Aufsteiger bei RB Leipzig ran muss und anschließend erneut Dortmund empfängt, wird es allerdings darum gehen, in der Liga annähernd dieselbe Intensität und vor allem die gleiche fußballerische Klasse auf den Platz zu bekommen. Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Bremer Anhänger auch mal wieder in die Bundesliga die Kohfeldtsche "Jubel-Säge" zu sehen bekommen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 04.02.2020 | 20:00 Uhr