Stand: 01.04.2020 17:37 Uhr

Ivan Klasnic: Appell aus der Risikogruppe

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Ivan Klasnic verfolgt weiterhin den Werdegang seines Ex-Clubs Werder Bremen.

Dem Tag eine Struktur zu geben - das sei in Zeiten der Corona-Krise enorm wichtig, sagt Ivan Klasnic. "Mir kommt es momentan vor wie in dem Film 'Und täglich grüßt das Murmeltier'", erklärt der Ex-Fußballprofi von Bundesligist Werder Bremen, der aufgrund seiner drei Nierentransplantationen zur Risikogruppe zählt. "Ich habe jeden Tag denselben Rhythmus. Ich gehe nicht mehr einkaufen, wir haben, schon bevor die Pandemie in dem Umfang ausgebrochen ist, einiges eingekauft. Wenn ich rausgehe, bin ich meistens im Garten. Orte, an denen sich viele Menschen treffen, meide ich bewusst."

Das Ergebnis seines radikal eingeschränkten Bewegungsradius: Blickt er aus der Wohnung, in der er mit seiner Freundin Madlen und der gemeinsamen acht Monate jungen Tochter Iva lebt, sieht er eine akkurate Grünfläche. "Mein Garten sieht gerade so gut aus. Ich muss nur noch den Rasen richtig hinbekommen, dann kann ich hier Wimbledon veranstalten, dann wird es nicht mehr in London gespielt, sondern bei mir in Hamburg", sagt Klasnic im Gespräch mit NDR Info.

Klasnic erster Fußballprofi mit Spenderniere

Seinen Humor hat sich der 40-Jährige, der einst der erste aktive Fußballprofi mit einer Spenderniere war, auch in diesen schwierigen Zeiten bewahrt. Das Leben auf einem kleinen Areal sei für ihn nichts Neues. "Als ich meine dritte Nierentransplantation hatte, da war ich auch zwei, drei Monate zu Hause", sagt der gebürtige Hamburger, der für den FC St. Pauli, Werder Bremen, den FC Nantes, die Bolton Wanderers und den 1. FSV Mainz 05 gespielt hat.

Immunsystem ist geschwächt

Anders als damals muss er sich nun aber gegen ein Virus abschotten, das für ihn angesichts seiner Krankenakte zu einer Bedrohung werden kann. Das Immunsystem des früheren kroatischen Nationalspielers, der 18 Monate an der Dialyse verbracht hat, ist geschwächt. Anfang des Jahres griff ein (weitaus harmloseres) Virus seine Haarwurzeln an.

"Befolgt die Hinweise - haltet Abstand"

Klasnic ruft wiederholt dazu auf, an die Menschen in der Risikogruppe zu denken.

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"Ich weiß, wie kostbar Gesundheit ist. Ich kann den Menschen nur sagen: Befolgt die Hinweise – haltet Abstand! Wir alle müssen jetzt diszipliniert sein. Diese Krise können wir nur gemeinsam überwinden", sagt er. Fußball sei gerade zweitrangig. "Natürlich wird sich durch Corona einiges verändern. Die Gehälter im Fußball werden nicht mehr so hoch sein, man wird sicherlich mehr auf die Jugend schauen", sagt er.

Wie viele andere könne auch er es kaum erwarten, dass wieder Fußball gespielt wird. "Trotzdem müssen wir Ruhe bewahren, bis dieses Drama Corona - ich kann dieses Wort gar nicht mehr hören - endlich weg ist", betont er. Das werde noch einige Zeit dauern, darüber mache er sich keine Illusionen, so Klasnic. Und so räumt er in den strukturierten Tagen zu Hause weiterhin auf, sortiert alte Ordner und wird sich immer mehr Mühe geben müssen, seinem Glanzstück von Garten zu noch mehr Perfektion zu verhelfen.

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 01.04.2020 | 15:25 Uhr