VIDEO: HSV-Trainer Thioune: "Die Terminhatz macht was mit uns" (1 Min)

Corona: Nordclubs für Quarantäne-Trainingslager im Fußball

Stand: 17.04.2021 16:30 Uhr

Seit Donnerstag befindet sich in Hertha BSC erstmals ein Bundesligist mit kompletter Mannschaft und Trainerstab für 14 Tage in häuslicher Isolation. Angesichts zunehmender Corona-Fälle im Profifußball mehren sich auch im Norden die Stimmen für die Einführung von Quarantäne-Trainingslagern.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) wird sich kommende Woche noch einmal mit dem Thema befassen und mutmaßlich dafür entscheiden. Die wahrscheinlichste Variante ist ein Beschluss für die letzten zwei oder drei Spieltage. So ließe sich die Saison zu Ende spielen, glauben auch Verantwortliche des VfL Wolfsburg, des HSV und vom FC St. Pauli.

Bei der abstiegsbedrohten Berliner Hertha hatte es vier positive Corona-Fälle gegeben. Drei Partien müssen verlegt werden - die ersten Spielausfälle wegen Corona in der Ersten Liga. Zuvor waren lediglich die Zweite und die Dritte Liga betroffen gewesen. Vor allem die Bundesliga-Aufstiegsanwärter HSV und Holstein Kiel haben deshalb eine Terminhatz vor sich.

"Es ist sicherlich nicht leicht für die Hertha und ich habe Mitgefühl. Die Quarantäne hat natürlich auch Auswirkungen auf andere Teams, diese Situation verzerrt den Wettbewerb in gewisser Weise." Werder-Trainer Florian Kohfeldt

VfL-Manager Schmadtke: "Die Lage ist deutlich gefährlicher"

Noch befürchtet Wolfsburgs Geschäftsführer Jörg Schmadtke nicht, dass der bis Saisonende eng getaktete Bundesliga-Spielplan ins Wanken gerät. Aber er mahnte in der "Wolfsburger Allgemeinen Zeitung" auch: "Wir müssen weiter die nötige Disziplin aufbringen. Die Virus-Mutanten sind deutlich ansteckender - und die Lage damit deutlich gefährlicher."

Schmadtke würde Quarantäne-Trainingslager begrüßen: "Wir könnten so drei Spieltage absichern", sagte der VfL-Manager mit Blick auf einen möglichen Zeitraum vom 8. bis 22. Mai. "Damit könnte man das Risiko rausnehmen, dass sich einer beispielsweise beim Einkaufen etwas einfängt und dann die ganze Gruppe betroffen ist", sagte der 57-Jährige, der sich Mitte März selbst "im häuslichen Umfeld" mit Corona infizierte. Die Wolfsburger hatten zudem im Saisonverlauf bereits neun Corona-Fälle im Team - die meisten der Liga.

HSV-Coach Thioune: "Für alles gewappnet"

Auch HSV-Trainer Daniel Thioune setzt auf Disziplin und Umsicht: "Wir gehen sehr sensibel und seriös mit dem Thema Corona um. Ich glaube auch, dass wir sogar mehr umsetzen als wir umsetzen müssen, was das Hygienekonzept angeht", sagte er dem NDR. Der 46-Jährige zeigte sich zuversichtlich, dass die Saison zu Ende gebracht werden kann, räumte aber auch ein: "Natürlich macht das was mit uns, diese Terminhatz. Aber das sind Dinge, die liegen nicht in unserem Einflussbereich." Beim HSV sei man "für alles gewappnet", ergänzte der HSV-Coach: "Wir würden auch ein Trainingslager überstehen."

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HSV mit Mini-Trainingslager in Herzogenaurach

Kommende Woche führen die Hanseaten bereits eine solche Maßnahme durch - wenngleich aus anderen Beweggründen. Weil eine Heimreise zwischen den beiden Auswärtsspielen am Donnerstag (20.30 Uhr) in Sandhausen und am Sonntag (13.30 Uhr) in Regensburg keinen Sinn ergeben würde, bleibt der HSV-Tross im Süden und macht in Herzogenaurach Station.

St. Paulis Präsident Göttlich: Saison zu Ende spielen

Präsident Oke Göttlich vom HSV-Stadtrivalen FC St. Pauli ist ebenfalls offen für Quarantäne-Trainingslager: "Das macht zwar keinen Spaß, ist aber unter Umständen eine notwendige Risikominimierung, um das wesentliche Ziel, nämlich die Beendigung der Saison, zu erreichen", sagte er.

"Jede Entscheidung am grünen Tisch ist schlechter als eine Entscheidung auf dem grünen Rasen." St.-Pauli-Präsident Oke Göttlich

Es gehe um mehr als um Einzelschicksale. "Es geht am Ende um die gemeinschaftliche Beendigung einer Saison unter den besten und fairsten Möglichkeiten, die in dieser Phase überhaupt möglich sind", betonte Göttlich. Die 36 Profivereine hätten das Privileg, "ihrem Beruf nachgehen zu dürfen, weil wir ein hervorragendes Hygienekonzept entwickelt haben".

Wolfsburg mit eigenem Labor für PCR-Tests

Dass der VfL Wolfsburg ohne einen entsprechenden DFL-Beschluss freiwillig in ein Trainingslager geht, schließt Schmadtke zum aktuellen Zeitpunkt aus. Stattdessen setzen die Niedersachsen auf intensivere Testungen, manchmal sogar zweimal am Tag. Für PCR-Tests gebe es auch "ein kleines Labor im Stadion", erklärte der VfL-Boss. In Wolfsburg hofft man, so auch für das spielfreie Wochenende am 1./2. Mai gerüstet zu sein: "In der Zeit werden vielleicht einige Familienbesuche machen. Da müssen wir aufpassen", warnte Schmadtke.

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Sport aktuell | 16.04.2021 | 11:25 Uhr

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