Kommentar zum Werder-Aufstieg: Jetzt ist Kreativität gefragt

Stand: 15.05.2022 18:50 Uhr

Werder Bremen ist zurück in der Fußball-Bundesliga. Nun wartet eine nicht minder schwierige Aufgabe. Die Grün-Weißen sind finanziell nicht auf Rosen gebettet, und es wird schwer werden, eine konkurrenzfähige Mannschaft zu formen.

von Andreas Bellinger

Es ist geschafft: Werder Bremen ist nach einem Jahr Bundesliga-Abstinenz wieder erstklassig. Gezittert haben sie bis zum Schlusspfiff der Zweitliga-Saison - was genug darüber aussagt, dass der Erfolg alles in allem verdient, aber letztlich auch dank glücklicher Umstände zustande gekommen ist. Die sofortige Korrektur des Betriebsunfalls Abstieg ist nicht nur der eigenen Stärke und dem im Laufe der Saison wieder gewonnenen Selbstvertrauen zuzuschreiben. Nach schwachem Start profitierten die Grün-Weißen davon, dass alle (Spitzen-)Teams sich auch immer wieder Auszeiten geleistet haben, was das spannende Rennen um den Aufstieg natürlich mit befeuert hat.

Glückliche Fügungen

Für Werder eröffnete sich so die Möglichkeit, die anfänglichen Probleme in sportlicher wie finanzieller Hinsicht zu lösen - und dabei nicht vollends den Glauben an die Rückkehr ins Fußball-Oberhaus zu verlieren. Es darf sicher als eine dieser glücklichen Fügungen betrachtet werden, dass nach dem Rücktritt von Trainer Markus Anfang nicht das Chaos regierte. Im Gegenteil: Ohne die Impfpass-Affäre wäre es schließlich im November nicht zur Verpflichtung von Ole Werner gekommen, unter dem Werder die entscheidende Aufholjagd gestartet hat. Der Club und Sportchef Frank Baumann wurden quasi zu ihrem Glück gezwungen.

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Knifflige und kostspielige Aufgaben

Und nun? In Bremen wird gern in Erinnerungen an erfolgreichere Zeiten geschwelgt. Doch Parallelen zum prompten Wiederaufstieg im Jahr 1981 sollten die Verantwortlichen am Osterdeich nicht ziehen. Auch in der Saison nach Werders erstem Bundesliga-Abstieg waren die Bremer gezwungen, nach Kuno Klötzers Autounfall den Trainer zu wechseln. Es übernahm Otto Rehhagel, der die von Thomas Schaaf fortgeführte erfolgreichste Zeit der Vereinsgeschichte begründete.

Inzwischen weht ein anderer Wind im Millionen-Geschäft Profifußball. Auf Werner und Baumann wartet ein ganz anderes Paket kniffliger und kostspieliger Aufgaben, die den nach wie vor klammen Bremern kreative Lösungen abverlangen.

Sparen und erfolgreich sein

Vor allem die Finanzen dürften einem Aufschwung wie vor vier Jahrzehnten entgegenstehen. Club-Boss Klaus Filbry betont zwar, dass Werder solide aufgestellt sei, die Lizenz ohne Auflagen bekommen werde und die durch Corona und Abstieg verursachten Mindereinnahmen von 80 Millionen Euro erfolgreich geschultert habe. Aber große Sprünge werden die Hanseaten auch in der Bundesliga nicht machen können.

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Werder will sparen und trotzdem erfolgreich sein. Der in Liga zwei von 47 auf unter 20 Millionen Euro geschrumpfte Etat soll (nur) auf rund 30 Millionen Euro wachsen, weil die Bremer auch in puncto TV-Einnahmen Einbußen hinnehmen müssen und zudem bei den Sponsoren weniger Geld generieren können als noch vor dem Abstieg.

Kein Bonus für Urgesteine

Schwer haben es Aufsteiger ohnehin; einen Bonus bekommen auch Urgesteine wie Schalke 04 und Werder nicht. Das Ziel muss deshalb sein, in der Kürze der Zeit den Kader mit kritischem Augenmaß auf die gestiegenen Ansprüche der Ersten Liga vorzubereiten. Wie das mit überschaubaren Mitteln gelingen kann, hat zuletzt der 1. FC Köln nach Vorjahres-Relegation trefflich unter Beweis gestellt. Aber auch Union Berlin und der SC Freiburg stehen für Kontinuität und solide Arbeit, ohne Luftschlösser zu errichten.

Gut, dass sich Werder auch in schweren Zeiten den hanseatischen Werten verpflichtet gefühlt hat. Auf die treuen Fans können sich die Grün-Weißen sowieso verlassen - egal, ob Abstiegs- oder Aufstiegskampf. Es ist zumindest eine gute Basis.

VIDEO: Ole Werner: Werder Bremens Aufsteiger (29 Min)

 

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 15.05.2022 | 22:30 Uhr

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