Montage: Trainer Heiko Vogel (v.l.) mit Alexandra Popp und Tabea Kemme © picture alliance/imago images

Affäre um Frauen-Training als Strafe schlägt hohe Wellen

Stand: 21.03.2021 22:35 Uhr

Gladbachs U23-Trainer Heiko Vogel soll nach einem sexistischen Spruch auf Anweisung des Westdeutschen Fußballverbands Frauen-Teams trainieren. Diese vermeintliche "Strafe" sorgt auch bei Ex-Profifußballerin Tabea Kemme für Empörung.

"Mir ist alles aus dem Gesicht geflogen. Das ist die Kategorie 'Geht gar nicht'. Da gilt es Rückgrat zu zeigen, ich möchte eine ganz klare Haltung seitens der Verbände und auch von seiner Seite", sagte die 47-malige Nationalspielerin aus Stade am Sonntag im NDR Sportclub.

Die 29-Jährige, die Anfang 2020 ihre Karriere beendet hat, will bei ihrem Ex-Club Turbine Potsdam für das Präsidentinnenamt kandidieren - und sich besonders für Werte im Fußball einsetzen. "In England wird einem gelehrt, mit dem Vereinslogo Werte zu tragen. Das vermisse ich in Deutschland von Vereinsseite wie auch vom Verband, da haben wir eine Menge nachzuholen", so die Olympia- und Champions-League-Siegerin, die zuletzt für Arsenal LFC auflief.

Offener Brief an den DFB

Mit deutlichen Worten hatten zuvor die Fußballerinnen der Frauen-Bundesligen die "Strafe" für Vogel kommentiert. Wie bitteschön könne "das Trainieren eines Frauen- oder Mädchenteams als eine Strafe festgelegt" werden, wollten sie in einem Offenen Brief wissen und forderten den Deutschen Fußball-Bund (DFB) als höchste Instanz auf, "aktiv zu werden". Der Vorwurf: Hier werde Sexismus mit Sexismus bekämpft.

Verbandsgericht soll Urteil überprüfen

Auslöser des Wirbels war verbales Fehlverhalten des Trainers der Regionalliga-Mannschaft von Borussia Mönchengladbach. "Frauen haben auf dem Fußballplatz absolut nichts zu suchen", soll der Coach Ende Januar gegenüber Schiedsrichter-Assistentinnen gesagt haben, er habe sich in "ausfallender Weise geäußert", so hielt es der Westdeutsche Fußballverband (WDFV) fest. Als Auflage durch den Verband sollte Vogel unter anderem bis zum Sommer sechs Trainingseinheiten einer Frauen- oder Mädchenmannschaft leiten. Auch der WDFV sieht diesen Punkt inzwischen kritisch und veranlasste, das Urteil durch das Verbandsgericht überprüfen zu lassen. Der DFB schrieb, man sei seit mehreren Tagen mit dem WDFV im Austausch.

"Dieses Urteil diskriminiert alle Frauen im Sport"

Es sei "keine Wertschätzung, wenn man zum Ausgleich für ein solches unsportliches Verhalten anbietet, für ein paar Stunden eine Frauenmannschaft zu trainieren. Dieses Urteil diskriminiert alle Frauen im Sport und speziell im Fußball", heißt es in dem Schreiben, das unter anderem Alexandra Popp vom VfL Wolfsburg veröffentlichte. "Wir befinden uns im Jahr 2021!!!", schrieb die DFB-Spielführerin dazu.

Ratzeburg kann Ärger nachvollziehen

Unterstützung erhielten die Spielerinnen in ihrem Protest unter anderem von Hannelore Ratzeburg. "Ich kann den großen Ärger der Spielerinnen verstehen und nachvollziehen, dass sie sich dazu öffentlich Gehör verschaffen", schrieb die DFB-Vizepräsidentin. Es sei "unbegreiflich, dass man ein Training einer Frauenmannschaft als Teil einer Strafe verordnet". Die frühere Weltmeister-Torhüterin Nadine Angerer kommentierte den Offenen Brief mit digitalem Applaus und erklärte: "Ich hätte zu diesem Thema auch noch viele Fragen."

Angebot oder Auflage?

Bereits am Freitag hatte sich Gladbach-Manager Max Eberl zu dem Thema geäußert. Für Eberl habe es sich bei der Strafe um zwei Spiele Sperre, eine Geldstrafe vom Verband und "on top" eine Geldstrafe vom Verein gehandelt. "Heiko hat definitiv einen Fehler gemacht. Was er gesagt hat, das gehört sich nicht. Das missbilligen wir auch hier im Verein", sagte der 47-Jährige. Vogel habe im Zuge der Verhandlung angeboten, er könne die Einheiten der Frauen-Teams leiten. Der WDFV schrieb dagegen am Freitag, dass Vogel dies auferlegt worden sei.

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 21.03.2021 | 22:50 Uhr

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