Ein negativer Corona-Schnelltest in einem Fußballstadion © imago images/Avanti Foto: Ralf Poller

DFL-Berater Kainzinger: "Jeder Ungeimpfte ist ein zusätzliches Risiko"

Stand: 29.10.2021 09:50 Uhr

Gesundheitsökonom Florian Kainzinger berät die deutschen Profiligen im Fußball (DFL), Basketball (BBL) und Eishockey (DEL) bei der Entwicklung von Hygienekonzepten. Im NDR Interview spricht er über die angespannte Lage in der DEL, die Impfdebatte und wie lange die Corona-Situation den Profisport noch beschäftigen wird.

Dr. Kainzinger, mehrere DEL-Teams mussten zuletzt in Quarantäne, nun hat die Liga neue Regeln mit mehr Tests beschlossen. Sind die Maßnahmen in Ihren Augen ausreichend?

Florian Kainzinger: Das ist eine Regelung, die deutlich über das hinausgeht, was in anderen Profi-Sportarten der Standard ist. Die DEL ist aufgrund der Ereignisse der letzten Wochen eher vorsichtiger unterwegs und hat eine kluge Strategie gewählt.

Weitere Informationen
Spielszene Iserlohn Roosters gegen Grizzlys Wolfsburg © imago images

Eishockey: DEL verschärft Corona-Teststrategie

Zahlreiche Partien mussten verlegt werden, der Spielplan ist schon jetzt verzerrt. Ab 1. November gilt nun eine neue Teststrategie. mehr

Für durchgeimpfte Teams gelten die neuen Regeln nicht. Ist das richtig so?

Kainzinger: Ja, das halte ich für richtig. Wir müssen irgendwann feststellen, dass die Pandemie für die Geimpften vorbei ist. Wenn Sportclubs und Teams vollständig geimpft sind, dann ist aus meiner Sicht sehr gut zu rechtfertigen, dass dort keine Testungen mehr erfolgen müssen.

Wie viele Ungeimpfte kann eine Mannschaft denn vertragen?

Kainzinger: Theoretisch 100 Prozent, das war ja der Zustand in der vergangenen Saison. Aber jeder Ungeimpfte ist einfach ein zusätzliches Risiko für Infektionseinträge. Da macht es schon Unterschiede, ob ich eine Person habe oder vier bis fünf, die nicht geimpft sind.

In anderen Sportarten gab es in dieser Saison bislang noch keine Spielausfälle. Warum verzeichnet ausgerechnet die DEL so viele Ansteckungen?

Florian Kainzinger
Florian Kainzinger berät Profiligen.

Kainzinger: Eine Erklärung, warum das jetzt beim Eishockey der Fall ist und beispielsweise in einer anderen Hallensportart wie Basketball keine Ausbrüche und Fälle auftreten aktuell, kann keiner liefern. Es gibt gewisse Verdachtssituationen. Viele Kabinenpausen, Kabinenzeiten, die Enge und die Nähe der Personen ist einfach größer als in anderen Sportarten. Das kann ein möglicher Ansatzpunkt für eine Erklärung sein, aber abschließende Daten gibt es dafür nicht.

Hallen und Stadien sind nun wieder voll. Ist das eine Gefahr für die Sportlerinnen und Sportler?

Kainzinger: Das ist das geringste Risiko. Bei den Spielen herrscht doch eine gewisse Distanz. Selten kommt ein Spieler näher als zwei, drei Meter an den Zuschauer heran. Beim Eishockey gibt es zudem Plexiglasscheiben. Die Hallen sind Profi-Arenen, haben sehr gute Lüftungsanlagen. Das haben wir schon letztes Jahr untersucht. Viel wahrscheinlicher ist, dass die Infektionen aus dem privaten Bereich kommen. Der einzelne Spieler kann nichts dafür, aber er trägt es in die Mannschaft.

Sollten andere Sportarten dem Beispiel der DEL folgen? Könnte das, was im Eishockey gerade passiert, ein Vorbote sein?

Kainzinger: Es kann nicht ausgeschlossen werden. Ich sehe zwei Optionen. Erstens: Der Eishockeysport hat einfach Pech gehabt mit ein paar Einträgen direkt hintereinander, die nicht erkannt wurden und dann zu Ausbrüchen geführt haben. Zweitens: Eishockey war wirklich ein Vorbote - und zeigt uns, was uns im Winter in den Indoor-Bereichen blühen kann. Was den Gesundheitsschutz angeht, sehe ich die Situation nicht als besorgniserregend. Gerade für die, die geimpft sind. Aber der Sport muss sich bei den geltenden Isolations-und Quarantänerichtlinien darauf einstellen, Maßnahmen frühzeitig zu ergreifen.

Werden in anderen Sportarten schärfere Maßnahmen mit mehr Tests schon diskutiert?

Kainzinger: Diese Änderung ist auch im Basketball in dieser Woche diskutiert worden. Aber man hat sich - aus meiner Sicht zu Recht - dagegen entschieden, weil es aktuell keine solchen Ausbruchsereignisse gibt. Momentan gibt es in anderen Sportarten nicht den akuten Handlungsbedarf. Auch nicht im Fußball, weil sich die Situation eben anders darstellt. Aber natürlich beobachtet man die Situation weiter.

Worauf muss sich der Profisport in den kommenden Wochen einstellen?

Kainzinger: Die Regeln mit Quarantäne von Infizierten und gegebenenfalls ungeimpften Kontaktpersonen können natürlich dazu führen, dass der Profisport Spielausfälle hat und damit in eine Bredouille kommt. Ich bin mir sicher, dass die Infektionszahlen auf der Bevölkerungsebene steigen werden, wie sie es aktuell auch tun. Das sehe ich nicht unbedingt kritisch, solange wir im Gesundheitswesen keine Engpasssituationen bekommen. Die ständige Beobachtung der Situation im Profisport wird aus meiner Sicht aber sicherlich noch bis in den nächsten Sommer gehen. Auch, weil wir unter anderem sehen müssen, wie sich der Immunschutz der Impfung verändert.

Das Interview führte Jakob Silvester Schmidt.

Weitere Informationen
Die Spieler des TSV Havelse bilden einen Kreis © IMAGO / osnapix

Weitere Corona-Fälle beim FSV Zwickau: Spiel gegen Havelse fällt aus

Aufgrund zahlreicher Corona-Fälle stehen dem Drittligisten aus Zwickau weniger als 16 einsatzbereite Spieler zur Verfügung. mehr

Wout Weghorst kniet frustriert auf dem Rasen. © IMAGO / Hübner

VfL Wolfsburg: Weghorst mit Corona infiziert

Der niederländische Stürmer des Fußball-Bundesligisten befindet sich in Quarantäne und fällt vorerst aus. mehr

Sander Sagosen vom THW Kiel beim Siebenmeter. © IMAGO / foto2press

Corona: THW Kiel vorerst ohne Sagosen und Weinhold

Beide können im Champions-League-Spiel gegen Szeged "nach einem Impfdurchbruch nicht eingesetzt werden". mehr

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 31.10.2021 | 22:50 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Bundesliga

Bundesliga

2. Bundesliga

Coronavirus

Mehr Sport-Meldungen

Ludovit Reis (l.) jubelt mit Laszlo Benes über ein Tor für den HSV © Witters Foto: Leonie Horky

HSV kehrt zum Geburtstag an die Tabellenspitze zurück

Der Hamburger SV entschied das Zweitliga-Topspiel gegen Fortuna Düsseldorf für sich. Dabei half den Norddeutschen der Videobeweis. mehr