Fans im Volksparkstadion des HSV © Witters

Corona-Beschlüsse: Starke Zuschauer-Einschränkungen, Geisterspiele möglich

Stand: 02.12.2021 18:58 Uhr

Der deutsche Profisport ist von bundesweiten Geisterspielen verschont geblieben, muss aber starke Zuschauer-Restriktionen verkraften. Das haben Bund und Länder am Donnerstag beschlossen.

Zur Eindämmung der Corona-Pandemie wird die Teilnehmerzahl für überregionale Sportgroßveranstaltungen deutlich eingeschränkt. Demnach dürfen die Stadien der Fußball-Bundesliga vorerst nur noch zu 50 Prozent ausgelastet werden - bei maximal 15.000 Fans. Für Hallensportarten sind höchstens 5.000 Zuschauer erlaubt.

2G und Maskenpflicht

Zudem verständigten sich die Spitzenpolitiker bei ihren Beschlüssen darauf, dass medizinische Masken getragen werden müssen. Außerdem gilt, dass nur Geimpfte und Genesene (2G) in die Arenen dürfen. Ergänzend kann für die Zuschauer ein aktueller Test (2G-Plus) vorgeschrieben werden.

Merkel: "Länder können strenger vorgehen"

"Die Lage in unserem Land ist ernst. Die vierte Welle muss gebrochen werden", sagte die noch amtierende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): "Die Regelungen sind quasi Mindeststandards. Die Länder können strenger vorgehen."

Weitergehende Maßnahmen sind tatsächlich möglich - auch wenn die Formulierung vage ist. "In Ländern mit einem hohen Infektionsgeschehen müssen Veranstaltungen nach Möglichkeit abgesagt und Sportveranstaltungen ohne Zuschauer durchgeführt werden", heißt es in dem Beschlusspapier.

DFL-Chef Seifert äußert Verständnis

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat mit Verständnis auf die von der Politik verfügte Zuschauer-Beschränkung reagiert. "Die DFL ist sich der aktuell leider erneut schwierigen Corona-Situation insbesondere mit Blick auf die Belastung einiger regionaler Gesundheitssysteme bewusst", sagte DFL-Chef Christian Seifert.

"In dieser Situation braucht es eine wirksame Strategie der Politik. Eine vorübergehende Beschränkung bei der Zulassung von Fans in die Stadien ist daher dem Grunde nach verständlich." DFL-Chef Christian Seifertr

Keine flächendeckenden Geisterspiele

Die Ergebnisse der Bund-Länder-Beratungen sind allerdings wie erwartet nicht deutschlandweit einheitlich gültig. Denn neben diesen "Mindeststandards" sind den Bundesländern zusätzlich schärfere Maßnahmen wie Partien vor leeren Rängen vorbehalten - was unter anderem Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen voraussichtlich umsetzen werden.

"Wir halten Geisterspiele für sinnvoll und werden das auch morgen im bayerischen Kabinett umsetzen", sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Donnerstag: "Ich finde es schade und auch schlecht, dass wir uns nicht einigen konnten, dass einige Bundesländer Zuschauer erlauben wollen."

Programm "Corona-Hilfen Profisport" soll verlängert werden

Geisterspiele ohnehin, aber auch die Reduzierung der Zuschauerkapazitäten bedeutet für die Clubs aller Profiligen finanzielle Einbußen. Allerdings kündigten Bund und Länder an, dass das Programm "Corona-Hilfen Profisport" über das Jahresende hinaus verlängert werden soll.

Werder-Heimspiel noch vor 20.000 Fans

Das Fußball-Zweitligaspiel zwischen Werder Bremen und dem FC Erzgebirge Aue darf trotz des anderslautenden Bund-Länder-Beschlusses noch vor ungefähr 20.000 Zuschauern stattfinden (nur Dauerkarten-Besitzer). Das bestätigten die Bremer auf Nachfrage. In Bremen werden die Maßnahmen erst Montag in Kraft treten.

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St.-Pauli-Spiel gegen Schalke nicht betroffen

Beim Zweitligisten FC St. Pauli kommt es für das Heimspiel gegen den FC Schalke 04 am Sonnabend (20.30 Uhr) zu keiner Reduzierung der Stadionkapazität. Das teilte der Club am Donnerstagabend mit. Demnach behalten alle erworbenen Tickets Ihre Gültigkeit, und auch die Inhaberinnen und Inhaber von Dauer- und Jahreskarten können mit ihrer Karte das Spiel besuchen.

Der Verein appellierte, trotz der 2G-Regelung vor dem Besuch des Millerntorstadions und in den Tagen danach einen Corona-Schnelltest zu absolvieren. Zudem wird das Tragen einer Maske empfohlen. Präsident Oke Göttlich zeigte am Freitag Verständnis für die Maßnahmen: "Es ist ein richtiger Weg. Wir dürfen uns wirklich nicht sicher fühlen. Die pandemische Lage hat einen dramatischen Höhepunkt."

Hannover plant mit Hälfte der Zuschauerkapazität

Hannover 96 teilte auf seiner Homepage mit, dass im Heimspiel gegen den Hamburger SV (Sonntag, 13.30 Uhr) die Arena nach dem Schachbrettmuster besetzt werden dürfe. "Unser mit der Hälfte der Zuschauerkapazität, 2G und einem noch einmal verschärften Hygienekonzept gestellter Antrag wurde von der zuständigen Gesundheitsbehörde genehmigt", heißt es auf der Homepage des Clubs. Da das Fassungsvermögen der Arena 49.200 Besucher beträgt, wären dies dann maximal 24.600.

Hamburg wird seine letzten beiden Heimspiele des Jahres gegen Hansa Rostock und Schalke 04 vor maximal 15.000 Zuschauern spielen. In der Hansestadt wird der Beschluss in der kommenden Woche in der entsprechenden Verordnung umgesetzt.

Schwesig: 15.000 in Rostock aktuell "viel zu viele"

Hansa Rostock hatte vom Land Mecklenburg-Vorpommern zuvor bereits strengere Auflagen erhalten. Am Sonnabend gegen Ingolstadt, ebenfalls das letzte Heimspiel für Hansa, dürfen lediglich 1.000 Zuschauer im Ostseestadion dabei sein. 15.000 Zuschauer seien aktuell "viel zu viele", sagte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. In ihrem Bundesland könne man dies "nicht verantworten", solange Pflegekräfte auf den Intensivstationen an der Belastungsgrenze arbeiteten.

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HSV Hamburg gegen Kiel noch ohne Beschränkung

Die Begrenzung auf maximal 50 Prozent der Platzkapazität in Hallen (höchstens 5.000 Zuschauer) trifft viele Proficlubs im Handball, Basketball oder Eishockey. Handball-Rekordmeister THW Kiel hat noch drei Bundesliga-Heimspiele in diesem Jahr. Die Zuschauereinnahmen machen bei den "Zebras" rund 40 Prozent des Gesamtetats aus.

Auch Bundesliga-Aufsteiger HSV Hamburg braucht die finanzielle Unterstützung der Fans durch Ticketverkäufe. Am Sonntag empfangen die Hamburger den THW zum Nordduell (13.40 Uhr, live im NDR Fernsehen und bei NDR.de). Ebenso wie bei St. Pauli greift die 50-Prozent-Beschränkung für dieses Spiel noch nicht.

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Ein Handball liegt im Tornetz. © picture-alliance Foto: Frank Hoermann / Sven Simon

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 02.12.2021 | 18:25 Uhr

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