Stand: 31.08.2018 12:20 Uhr

Schmelzkäse: So gefährlich sind Phosphate

von Uwe Leiterer
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Phosphatsalze in der Pizza sorgen dafür, dass der Käse einen schönen Schmelz hat.

Dass phosphatreiche Lebensmittel für Nierenkranke eine Gefahr darstellen können, ist schon lange bekannt. Bis heute aber streitet die chemische Industrie ab, dass die Aufnahme zugesetzter Phosphate in Lebensmitteln bei Gesunden den Phosphatwert im Blut erhöht. Diese Behauptung stellt NDR Fernsehautor Uwe Leiterer mit einem Selbstversuch unter Aufsicht des Ernährungsmediziners Dr. Matthias Riedl auf die Probe.

Selbstversuch: Durch Fast Food mehr Phosphat im Blut?

Eine Woche lang ernährt sich der Autor nur von Frischkost - keine phosphathaltigen Lebensmittel wie Fertiggerichte, Fast Food oder Cola. Jede Mahlzeit wird ohne Zusätze der chemischen Industrie gekocht. Die Produkte stammen vom Markt. Anschließend wird der Phosphatwert im Blut bestimmt. In der zweiten Woche ernährt sich der Autor ausschließlich von Fertigprodukten, die zugesetzte Phosphate enthalten. Anschließend lässt er sich wieder Blut abnehmen, diesmal 14 Stunden nach dem letzten Essen, damit ernährungsbedingte Schwankungen das Ergebnis nicht verzerren.

Nach der ersten (phosphatarmen) Woche ermittelt das Labor einen Wert von 0,63 mmol Phosphat pro Liter Blut. Der Verband der chemischen Industrie bekräftigt im Namen der Lebensmittelindustrie, dass sich der Wert in der zweiten Woche nicht grundlegend ändern dürfte. Begründung: "Wenn nach der Nahrungsaufnahme ein zu hohes oder ein zu niedriges Phosphatniveau im Blut vorliegen sollte, reguliert der Körper eines gesunden Menschen diesen Level auf ein normales Niveau."

Phosphatwert steigt um 44 Prozent

Nach der zweiten Woche ist der Wert überraschend hoch: 0,91 mmol Phosphat pro Liter Blut. Das ist ein deutlicher Anstieg von 44 Prozent. Das Ergebnis widerspricht den Aussagen des Verbandes der chemischen Industrie. Doch darauf geht der Verband nicht ein, sondern sieht die Schuld in einem gestörten Stoffwechsel: "Offenbar konnte Ihr Körper die Phosphat-Konzentration nicht auf das empfohlene Niveau regulieren."

"Industrie verharmlost die Gefahren"

Ernährungsmediziner Dr. Matthias Riedl hält die Phosphatwerte im Blut des Reporters weder für zu hoch noch für besorgniserregend. Die Antwort des Verbandes der chemischen Industrie lenke aber vom eigentlich Skandal ab: Die Ernährungsindustrie verharmlose die möglichen Gefahren von Lebensmittelzusatzstoffen, ohne die Unbedenklichkeit mit umfangreichen Langzeitstudien zu belegen.

Dieses Thema im Programm:

Markt | 03.09.2018 | 21:00 Uhr

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