Stand: 20.10.2017 15:00 Uhr  | Archiv

Werben mit "vegan": So werden wir beeinflusst

von Niels Walker
Aufschrift "vegan" auf einer Verpackung. © Fotolia Foto: BQ-Studio_ru Sguukaa
Viele Verbraucher assoziieren mit "vegan" oder "vegetarisch" einen guten Umgang mit Tieren und der Natur.

Viele Lebensmittel tragen inzwischen den Hinweis "vegan". Ob Margarine, Tiefkühlgemüsepfanne, Pommes Frites, Müsli, Mehl oder sogar Kondome. Dabei gelten nur ein bis zwei Prozent der Erwachsenen in Deutschland als Veganer. Wozu dann der Aufwand?

Vegan ist ein positiver Begriff

"Vegan" und "vegetarisch" sind Begriffe, die in unserer Kultur positiv besetzt sind. Viele assoziieren damit einen guten Umgang mit der Natur und mit Tieren, wie der Markenexperte Dr. Oliver Errichiello sagt. Wenn ein Verbraucher dies auf einer Verpackung liest, löst es bei ihm unterbewusst ein gutes Gefühl aus. Da die Produktvielfalt im Supermarkt stetig wächst, müssen Verbraucher sich Strategien überlegen, um den Überblick zu behalten. Eine davon heißt, Siegel oder Siegel-ähnliche Hinweise zu beachten, wie Errichiello sagt. "Vegan" vermittelt etwa blitzschnell, dass es sich hier um ein Produkt ohne tierische Zutaten handelt. Damit bleiben nur Obst und Gemüse als Zutaten übrig - und die gelten als gesund.

Alltagsprodukte plötzlich "vegan"

Markenexperte Dr. Oliver Errichiello. © NDR
"Vegan" und "vegetarisch" seien Begriffe, die in unserer Kultur positiv belegt sind, sagt Markenexperte Dr. Oliver Errichiello.

Pommes Frites, Müsli oder Tiefkühlgemüse - bei vielen Produkten, die mit "vegan" gekennzeichnet sind, ist auch ohne diesen Hinweis klar: Hier handelt es sich um Gemüse oder Obst. Und woraus soll eine Pommes denn sonst sein, wenn nicht aus einer Kartoffel? Markenexperte Oliver Errichiello ist sich sicher, dass die Hersteller der Produkte nicht das Ziel hatten, ein veganes Produkt herzustellen. Viel eher hätten sie die bestehende Produktpalette untersucht und, wo möglich, den Hinweis "vegan" angebracht - mit dem Ziel, das Marketing zu schärfen. Der Vorteil für die Hersteller: Sie müssen keine Kosten für die Entwicklung eines neues Produktes aufwenden und können doch den Trend vegane Ernährung für sich nutzen.

Bei einigen Produkten ein berechtigter Hinweis

Bei einigen Produkten ist "vegan" allerdings ein berechtiger Hinweis. Auch auf Margarine findet sich oft der Hinweis "vegan". Wer denkt, Margarine sei stets ein pflanzliches Produkt, wird von einer EU-Verordnung eines besseren belehrt: Demnach ist Margarine ein "aus pflanzlichen und/oder tierischen Fetten gewonnenes Erzeugnis mit einem Fettgehalt von mindestens 80 Prozent und weniger als 90 Prozent". Margarine darf also tierische Fette enthalten. So eine Margarine darf dann nicht den Hinweis "vegan" tragen.

Kondome aus Kautschuk sind nicht immer vegan

Kondome werden meist aus Naturkautschuk hergestellt. Bei der Herstellung werden sie mit einem Milcheiweiß behandelt, um die Belastbarkeit sicherzustellen, wie Mapa, der Hersteller der Marken Billy Boy, Fromms und Blausiegel, auf Anfrage erklärt. Fair Squared, der Hersteller eines als "vegan" gekennzeichneten Kondoms, gab auf Anfrage an, eine höherwertige Kautschukmischung zu verwenden, die den Einsatz des Milchproteins entbehrlich macht.

Das sagen die Hersteller

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 23.10.2017 | 20:15 Uhr

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