Stand: 05.07.2020 16:39 Uhr  - Mehr wissen - besser leben

Wegwerfmode - Wie dämmen wir die Kleiderflut ein?

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Fünf Tonnen Kleidung werden alle zwei Minuten in Deutschland weggeschmissen.

Noch nie haben wir so viel Kleidung besessen: Seit dem Jahr 2000 hat sich unser Konsum verdoppelt, von 50 auf rund 100 Milliarden neu gekaufter Stücke. Gleichzeitig sind die Ausgaben für Bekleidung gesunken. Der Grund ist das Phänomen "Fast Fashion". Es wird viel Wegwerfmode gekauft, die so günstig ist, dass sie nach zwei- oder dreimal Tragen meist schon im Altkleidercontainer landet. Und auch im Schrank stapeln sich Hosen, T-Shirts oder Pullover: Einer Studie von Greenpeace zufolge besitzt jeder Erwachsene in Deutschland im Schnitt 95 Kleidungsstücke - Unterwäsche und Socken nicht mitgerechnet. 

Wegwerfgesellschaft: Nach kürzester Zeit wird aussortiert

Rund 60 neue Teile kommen jedes Jahr dazu. Insgesamt sind das 5,2 Milliarden Textilien. Laut Greenpeace wird ein Großteil selten bis gar nicht getragen: geschätzte zwei Milliarden. Mode ist Wegwerfware geworden. Nach kürzester Zeit wird sie wieder aussortiert und im Altkleidercontainer entsorgt, in der Hoffnung, damit Bedürftigen zu helfen. Aber ist das so?

Nur bis zu zehn Prozent der Altkleider für Bedürftige

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Nur bis zu zehn Prozent der Altkleider gehen an Bedürftige.

Der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zufolge gibt jeder Bundesbürger pro Jahr 16 Kleidungsstücke in die Straßensammlung oder in den Altkleidercontainer - das entspricht einem Kleiderberg von rund 1,1 Millionen Tonnen Textilien pro Jahr. Ein Teil der Textilien landet sofort im Müll, weil sie zu dreckig oder kaputt sind. Der Großteil kommt in die Altkleidersammlung. Davon wiederum werden nur bis zu zehn Prozent an Bedürftige weitergegeben oder als Secondhandware verkauft. Etwa 40 Prozent der Textilien wird als Handelsware in osteuropäische oder afrikanische Länder exportiert. Rund die Hälfte der Kleidungsstücke sind zum weiteren Tragen unbrauchbar und gehen an Recyclingfirmen, wo aus den Fasern Putzlappen oder Dämmstoffe hergestellt werden. Ein kleiner Teil von fünf bis zehn Prozent, der auch dafür nicht genutzt werden kann, dient als Ersatzbrennstoff für Kohle oder geht in die Müllverbrennung.

Textilrecycler und karitative Einrichtungen haben dabei dasselbe Problem: Die Qualität der Ware hat in den vergangenen Jahren deutlich nachgelassen. Oft handelt es sich um miese Stoffe oder billige Kunstfasern, die noch dazu schlecht verarbeitet wurden.

Wer sammelt Altkleider?

In Deutschland gibt es eine Vielzahl von Organisationen und Einrichtungen, die Altkleider sammeln. Allerdings verfolgen nicht alle karitative Zwecke - und für den Verbraucher ist es oft nicht einfach zu erkennen, wer hinter den Sammlungen steckt.

  • Verschiedene karitative Einrichtungen sammeln Altkleider für einen guten Zweck, darunter etwa das Deutsche Rote Kreuz, die Arbeiterwohlfahrt und kirchliche Institutionen. Zum Teil unterstützen sie konkrete Hilfsprojekte im In- und Ausland und betreiben Kleiderkammern oder Secondhand-Läden.
  • Es gibt gewerbliche Sammler und Wiederverkäufer, die im Auftrag einer Hilfsorganisation tätig sind. Sie geben einen Teil ihrer Erlöse an die Hilfsorganisationen ab.
  • Auch Kommunen sammeln Altkleider und verkaufen sie an gewerbliche Altkleidersammler weiter.
  • Gewerbliche Sammler sind nicht verpflichtet, Spenden oder Gelder für karitative Zwecke zur Verfügung zu stellen. Ihre Container finden sich oft auf Privatgrundstücken wie Parkplätzen, es gibt zum Teil auch Sammlungen an der Haustür oder in Säcken und aufgestellten Körben.
  • Einige Textilhandelsketten bieten Kunden an, ihre Altkleider im Geschäft abzugeben. Die Textilien werden dann durch einen Dienstleister weiterverwertet.

Wichtig zu wissen ist, dass auch seriöse Altkleidersammler die gesammelten Textilien teilweise weiterverkaufen. Mit dem Geld, das damit verdient wird, kann dann an anderer Stelle Hilfe geleistet werden. Wer sichergehen will, dass er seine Altkleider an eine seriöse Organisation gibt, die karitative Zwecke verfolgt, kann sich unter anderem an Qualitätssiegeln orientieren, die die Verbraucherzentrale in einem Flyer aufführt.

Was tun gegen den Kleider-Wahnsinn?

Verbraucher können einiges gegen den Kleider-Wahnsinn tun:

  • Beim Einkauf von Klamotten auf Qualität achten. Das schont die Umwelt und spart Geld.
  • Gut erhaltene Kleidung an Bekannte oder über Secondhand-Läden und Flohmärkte weitergeben.
  • Besonders für Baby- und Kinderkleidung gibt es in vielen Städten Tauschbörsen.
  • Schäden selbst reparieren oder reparieren lassen, statt die Textilien gleich auszusortieren.
  • Auch Kleidung, die nicht mehr zu retten ist, gehört nicht in den Müll, sondern in die Altkleidersammlung. Denn die Fasern können recycelt und weiter genutzt werden.

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Dieses Thema im Programm:

Arte | Xenius | 01.07.2020 | 16:50 Uhr

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