Stand: 26.01.2018 14:06 Uhr  | Archiv

Wärmepflaster: Sinnvoll bei Schmerzen?

von Wiebke Neelsen
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Wärmepflaster sind beliebt, aber nicht immer sinnvoll.

Wärmepflaster aus der Apotheke oder aus Drogeriemärkten sollen Rückenschmerzen und Nackenverspannungen lindern. Es gibt zwei Arten: Wärmepflaster mit dem Inhaltsstoff Capsaicin, einem Pfefferextrakt, reizen die Haut, dadurch erweitern sich die Gefäße - ein Wärmegefühl entsteht. Wärmepflaster mit Aktivkohle und Eisen erzeugen in einer chemischen Reaktion mit Sauerstoff Wärme.

Wirkung und Nebenwirkungen von Wärmepflastern

Wärmepflaster mit Capsaicin erzeugen indirekt eine Wärmeproduktion der Haut und sind daher als Arzneimittel zugelassen. Bei der Anwendung kann es passieren, dass die Haut zu stark gereizt wird und unangenehm brennt. Auch eine Rötung der Haut ist möglich. Zudem ist Wollwachs enthalten, es kann Kontaktallergien auslösen.

Wärmepflaster mit Aktivkohle und Eisen können bei falscher Anwendung zu Verbrennungen führen - von Rötung über Blasenbildung schlimmstenfalls bis zur Zerstörung der Haut (Nekrose). Wird Wärme über einen längeren Zeitraum auf der gleichen Stelle angewendet, sind außerdem sogenannte kalorische Hautveränderungen möglich - dauerhafte Veränderungen der Pigmente ("hot water bottle rash").

Nach Ansicht von Experten ist die Wirksamkeit von Wärmepflastern mit Aktivkohle und Eisen nicht überzeugend belegt. Sie sind daher lediglich als Medizinprodukt zugelassen.

Vorsicht bei der Anwendung

Menschen mit verletzter oder empfindlicher Haut sollten die Pflaster erst nach Rücksprache mit ihrem Arzt anwenden. Auch bei Erkrankungen wie Diabetes, Herzerkrankungen und rheumatoider Arthritis muss vorher mit dem Arzt Rücksprache gehalten werden. Bei akuten Sportverletzungen, bei Prellungen oder Zerrungen sollte man kühlen statt wärmen.

Alternativen zu Wärmepflastern

Für Orthopäden sind Wärmeanwendungen eine begleitende Maßnahme gegen Schmerz - neben Physiotherapie, Medikamenten und Injektionen. Denn Wärme entspannt die Muskulatur, lockert das Bindegewebe und fördert die Durchblutung. Eine Alternative zu Wärmepflastern sind Wärmflaschen, Kirschkernkissen, Infrarotlampen und Heizkissen. Sie entspannen die Muskulatur an der Körperoberfläche und ermöglichen so Dehnungen und Massagen, die sonst sehr schmerzhaft wären.

Eine Variante, die jeder zu Hause anwenden kann, ist der Einsatz eines heißen, feuchten Handtuchs: Dazu wird das Handtuch zu einem kleinen Trichter gerollt, der mit heißem Wasser gefüllt wird. Mit der heißen Handtuchrolle streicht man über die verspannten Körperteile.

Wärmepflaster im Test

In einer Stichprobe hat Markt Wärmepflaster aus Apotheken und Drogeriemärkten getestet. Der Preis pro Pflaster liegt bei 66 Cent (Aldi Nord) bis 6,35 Euro beim Marktführer ThermaCare von Pfizer. Beim Test hielt das Aldi-Pflaster nach vier Stunden nur noch an einer Ecke - laut Verpackung sollte es bis zu acht Stunden wärmen. Die Wärme des Pflasters wurde als zu stark empfunden. Beim ABC-Pflaster von Beiersdorf fiel dem Tester eine starke Hautrötung auf.

Aldi schreibt dazu, der Kleber des Pflasters sei "so konzipiert, dass das Pflaster haftet, aber dennoch leicht abziehbar ist". Und: "Die Wahrnehmung von Wärme ist (...) individuell. (...) Es wird (...) dazu geraten, sich nicht auf das angewendete Produkt zu legen oder zu setzen."

Beiersdorf schreibt dazu: "Das Wärmegefühl (geht) immer mit einer deutlichen Hautrötung einher. (...) Diese Reaktion ist Teil der normalen Wirkung."

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 22.01.2018 | 20:15 Uhr

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