Wände selbst tapezieren: Anleitung & Tipps

Stand: 23.10.2020 17:27 Uhr

Die Raufasertapete blättert unter der Last vieler Farbschichten von der Wand? Höchste Zeit für eine neue Tapete. Aber wie die alte ablösen? Welche neue eignet sich am besten? Und wie kommt sie an die Wand?

Tapeten bringen Farbe, Struktur und Muster an die Wand. Die Auswahl ist riesig, aber keine klebt von selbst: Beim Tapezieren kann so einiges schief gehen. Verschnittene Bahnen, Luftblasen unter der Tapete und Farbunterschiede. Mit diesen Tipps und Tricks wird Tapezieren nicht zum Albtraum.

1. Tipp: Den Untergrund vorbereiten

Niemals über eine vorhandene Tapete tapezieren! Die alte muss runter von der Wand - und zwar am einfachsten so:

  • Steckdosen- und Lichtschalterabdeckungen entfernen.
  • Kleine Löcher in die Tapete walzen - mit einem Tapetenperforierer, der auch so schöne Namen wie Igelwalze, Tapetentiger oder -stripper hat.
  • Die durchlöcherte Tapete dann mit warmem Wasser besprühen. Geht am einfachsten mit einer Sprühflasche, einem Drucksprüher oder einer Tiefengrundbürste. Bei fest sitzenden Tapeten Tapetenlöser ins Wasser geben.
  • Jetzt kommt die Tapete in großen Stücken runter. Reste mit einem Spachtel entfernen.

Ist die Wand glatt und sauber, könnte es eigentlich gleich mit dem Tapezieren losgehen. Aber lieber erst die Wand grundieren. Dann haftet die Tapete hinterher besser, vor allem an stark saugenden Wänden oder wenn eine Wand sandet, also beim Darüberstreichen mit der Hand Körnchen hängen bleiben. Davor noch Fenster- und Türrahmen abkleben.

Mehr Geduld braucht es bei Wänden mit größeren Kerben und Löchern. Die muss man erst zuspachteln, nach dem Trocknen leicht anschleifen und abschließend die Wand "entstauben".

2. Tipp: Die richtigen Tapetenrollen

Eine Frau zeigt auf die Anfertigungsnummer auf einer eingepackten Tapetenrolle. © NDR/nonfictionplanet
Die Tapetenrollen müssen alle die gleiche Anfertigungsnummer haben.

Vor dem Tapezieren einmal die gekauften Tapetenrollen checken: Reicht die Menge? Haben alle Rollen die gleiche Anfertigungsnummer? Wenn nicht, kann es Probleme geben. Denn unterschiedliche Anfertigungsnummern bedeuten meist: Die Tapeten sehen zwar auf den ersten Blick gleich aus, unterscheiden sich aber ein klein wenig bei Farbe oder Muster. Das sieht man, wenn scheinbar gleiche Tapeten mit unterschiedlichen Nummern nebeneinander kleben. Wer nachbestellen muss, sollte immer diese Anfertigungsnummer mit angeben.

Ob Kunststoff-, Papier-, Textil- oder Fototapete: Sie unterscheiden sich vor allem beim sogenannten Trägermaterial. Also der unteren Tapetenschicht, die auf die Wand geklebt wird. Sie kann etwa aus Vlies oder Papier sein. Je nach Material muss der Kleister auf die Wand oder auf die Tapete gestrichen werden.

Häufig verwendete Tapeten, mit denen Anfänger gut klarkommen:

  • Vliestapeten: aus Zellstoff- und Polyesterfasern. Sie sind leicht zu verarbeiten und kommen mit einem Vliestapetenkleber direkt an die Wand. Und später auch wieder leicht herunter. Sie können kleine Risse und Einkerbungen in der Wand überdecken. Doch farblich muss die Wand zur Tapete passen, da Vliestapeten leicht durchscheinend sind.
  • Raufasertapeten: aus Papier mit eingearbeiteten Holzfasern. Sie sind günstig und lassen sich leicht überstreichen. Der Kleister kommt hier direkt auf die Tapetenbahn.

3. Tipp: Der passende Tapetenkleister

Für jede Tapete gibt es den passenden Kleister. Deswegen immer auf die Herstellerangaben der Tapete achten. Da sollte genau stehen, welcher Kleister es sein muss und in welchem Mix er mit Wasser anzurühen ist.

Kleister gibt es als Pulver und Granulat. Einfach Wasser dazu, kräftig rühren, um Klumpen zu vermeiden, aufquellen lassen und fertig ist er. Andere Klebstoffe sind bereits fertig angerührt - etwa Dispersionskleber. Achtung: Diese kleben sehr stark und sind daher eher für schwere Tapeten geeignet. Also schon vorher überlegen: Wenn die schwere Tapete mal nicht mehr gefällt, wird es schwierig, sie von der Wand zu kratzen.

Bleibt nach dem Tapezieren noch viel nicht getrockneter Kleister übrig, diesen zum Recyclinghof bringen. Er gehört nicht in den Hausmüll.

4. Tipp: Alles im Lot - Orientierung ist alles

EIne Frau zeichnet ein Lot, eine senkrechte Linie, an die Wand. © NDR/nonfictionplanet
Eine gerade, exakt senkrechte Linie ist die perfekte Orientierungshilfe.

Die Tapeten sollen ja nicht krumm und schief an der Wand kleben. Das kann aber passieren, wenn man in der Ecke eines Raumes anfängt, zu tapezieren. Denn so ein Wand-Ende ist nicht immer Lot - also nicht zu 100 Prozent gerade. Heißt: Eine links an der schiefen Wand ausgerichtete Tapetenbahn hat rechts eine ebenso schiefe Kante. An die die nächste Tapetenbahn genauso schief geklebt wird, sodass immer mehr schiefe Kanten entstehen. Deswegen lieber vor dem Tapezieren ein gerades Lot, etwa einen Bleistiftstrich, mit einer Wasserwaage auf die Wand zeichnen und die ersten Tapetenbahnen dort ansetzen. Das gibt gerade Kanten.

5. Tipp: Die Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Tapezieren

Dann kann es mit dem Tapezieren losgehen:

  • Bei Vliestapeten zuerst den Kleister mit dem Pinsel in den Wand-Ecken verteilen, anschließend gleichmäßig mit der Rolle auf die Wand bringen. Dabei eher klotzen statt kleckern: Ist nicht genug Kleister an der Wand, gibt es schneller Luftbläschen und die Tapete hält nicht richtig.  
  • Anschließend die Tapete in der Länge zuschneiden, mit etwas Überhang oben und unten. Dann verkehrt herum aufrollen.
  • An der angezeichneten senkrechten Linie die Tapete auf den Kleister drücken. Um alle Luftbläschen zu entfernen, mit einer Tapezierbürste, einer Moosgummirolle oder einem breiten Spachtel die Tapete fest andrücken. Dabei von der Mitte an die Ränder vorarbeiten.
  •  Läuft oder kleckst Kleister auf die Tapete, dann sofort mit einem feuchten Lappen abwischen.
  • Fenster beim Tapezieren und dem Trocknen danach unbedingt dicht halten. Wenn nicht, bekommt die Tapete Luftzug, wodurch sie an den Rändern nicht mehr fest klebt.
  • Die oben und unten überstehende Tapetenbahn an den Kanten mit einem scharfen Cuttermesser abschneiden. Dabei möglichst an einem geraden Werkzeug wie der obere Kante einer Tapezierbürste entlang ritzen.
  • Die zweite Bahn genau "auf Stoß" kleben, also so an die Kante der ersten Tapete, dass man keine Lücke sieht und die Tapeten auch nicht überlappen. Vorm Andrücken an die Wand lässt sich die Tapete noch kurze Zeit leicht verschieben und in die richtige Position bringen.
  • Bei gemusterten Tapeten auf den sogenannten Rapport achten: Mit Symbolen geben die Tapetenhersteller an, wie die Bahnen zu kleben sind, damit das Muster stimmt. Sie unterschieden zum Beispiel zwischen einem gerade oder einem versetzen Ansatz oder geben an, dass man die Bahnen "gestürzt" kleben muss. Das bedeutet, dass jede zweite Bahn kopfüber anzubringen ist.

Wichtig: Nicht vergessen, zur Sicherheit vor dem Tapezieren den Strom abzuschalten!

Dieses Thema im Programm:

Mach kein Murks! | 26.10.2020 | 21:00 Uhr

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