Eine junge Frau mit einer Aktentasche schaut auf ihr Smartphone (gestellte Szene). © picture alliance / dpa Themendienst Foto: Christin Klose

Versicherungen für Berufseinsteiger: Welche sind notwendig?

Stand: 07.09.2022 14:00 Uhr

Wer ins Berufsleben startet, sollte sich absichern. Welche Versicherungen müssen sofort sein, welche können warten? Die Krankenversicherung ist gesetzlich vorgeschrieben, die private Haftpflicht ein Muss.

Berufseinsteiger müssen sich nicht nur mit dem neuen Job oder der Ausbildung auseinandersetzen, sondern auch mit dem leidigen Thema Versicherungen. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen gibt Berufsanfängerinnen und -anfängern Tipps.

Krankenversicherung ist Pflicht

Die Krankenversicherung ist gesetzlich vorgeschrieben. In der Regel sind Schülerinnen und Schüler, die die Schule abgeschlossen haben, erst einmal kostenlos über die Eltern familienversichert. Das ändert sich jedoch, wenn eine Ausbildung oder ein Studium anstehen. Für Studierende gilt die Familienversicherung bis zum 25. Geburtstag. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, eine günstige studentische Krankenversicherung abzuschließen. Auszubildende hingegen sind verpflichtet, selbst eine Krankenversicherung abzuschließen. "Bei der Auswahl kann es sich durchaus lohnen, Service, Zusatzleistungen, Bonusprogramme und Tarife unter den Krankenkassen zu vergleichen", rät Rotraud Mahlo, Gesundheitsexpertin der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Manchmal ist es daher sinnvoll, die Krankenkasse zu wechseln.

Eine Auslandskrankenversicherung ist nicht zwingend erforderlich. Sie kann aber bei Urlaubsreisen hilfreich sein, damit Kosten, die von der gesetzlichen Krankenkasse nicht getragen werden, gedeckt sind. Sie kostet nur wenige Euro im Jahr.

Unbedingt private Haftpflicht abschließen

Ein Muss ist die private Haftpflichtversicherung. Auszubildende und Studierende sind auch hier meist über den Vertrag ihrer Eltern beitragsfrei mitversichert. Erst bei Berufsstart muss unbedingt ein eigener Vertrag abgeschlossen werden. Denn die private Haftpflicht versichert Personen-, Sach- und Vermögensschäden im privaten Bereich. "Das betrifft nicht nur den kleinen Kratzer im Autolack, den jemand mit seinem Fahrrad versehentlich verursacht hat. Auch wer einen Unfall verursacht, ist abgesichert“, erklärt Mahlo. Wer anderen durch Unvorsichtigkeit oder Leichtsinn einen Schaden zufüge, müsse dafür in voller Höhe aufkommen. Das könne mitunter sehr teuer werden. "Schlimmstenfalls muss ich ein Leben lang zahlen“, warnt die Expertin.

Gegen Berufsunfähigkeit absichern

Wer gerade erst ins Berufsleben startet, macht sich meist wenig Gedanken über ein jähes Arbeitsende oder zumindest über deutliche Einschränkungen. "Auch junge Menschen kann das Thema Berufsunfähigkeit treffen. Plötzlich sitzen sie dann zum Beispiel wegen einer schweren Krankheit ohne Einkommen da“, erklärt Mahlo. Außerdem bestehen in den ersten fünf Jahren der Berufstätigkeit noch keine Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Bis dahin sind nur die Folgen von Arbeitsunfällen versichert. Aber auch danach fallen die gesetzlichen Erwerbsminderungsrenten eher gering aus.

"Mit der Berufsunfähigkeitsversicherung sind junge Menschen auf der sicheren Seite“, sagt Expertin Mahlo. Diese ist zwar vergleichsweise teuer, aber wer sie früh genug abschließt, kann sich niedrige Beiträge sichern. Eventuell können in den ersten Jahren die Eltern einspringen, um die Beiträge zu bezahlen.

Unfallversicherung: Über das Unternehmen versichert

Wer bei einem Unternehmen in Deutschland beschäftigt ist, steht automatisch unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Auszubildende und Beschäftigte müssen dazu keinen extra Versicherungsvertrag abschließen. Sie müssen auch nicht namentlich bei der Versicherung angegeben werden.

Für die Freizeit kann eine private Unfallversicherung abgeschlossen werden. Wer ein Hobby mit erhöhter Unfallgefahr betreibt, wie zum Beispiel Skifahren oder Mountainbiken, sollte das in Erwägung ziehen.

Private Altersvorsorge zur Erhöhung der Rente

Auszubildende und Berufseinsteiger haben in der Regel nur wenig Geld zur Verfügung, um davon etwas beiseitez legen. Falls doch etwas übrig ist, lohnt der Gedanke an eine private Altersvorsorge, um damit später die gesetzliche Rente zu erhöhen. Dabei sind private Rentenversicherungen keine gute Wahl, denn diese sind laut Verbraucherschützern unpassend und unattraktiv. Aktien seien ertragreicher.

Mann füllt Versicherungsantrag aus © dpa Foto: Jörg Carstensen
AUDIO: Private Rentenversicherungen lohnen sich fast nie (4 Min)

Hausratversicherung bei eigener Wohnung

Wer noch bei den Eltern wohnt, benötigt noch keine eigene Hausratversicherung. Diese ist erst sinnvoll, wenn die erste eigene Wohnung bezogen wird. Sie kommt für Schäden an Einrichtungsgegenständen durch Feuer, einen Wasserrohrbruch oder einen Einbruchdiebstahl auf. Auch Fahrräder können mitversichert werden, meist über eine Extra-Klausel.

Kfz-Versicherung über die Eltern abschließen

Für viele Berufe ist es notwendig, ein Auto zu nutzen. Bei der Kfz-Haftpflichtversicherung lässt sich Geld sparen, wenn der Wagen über die Eltern versichert wird. Fahranfänger müssen deutlich mehr bezahlen. Die Eltern fahren in der Regel bereits länger Auto und haben bei ihrer Versicherung einen hohen Schadenfreibetrag. Dieser lässt sich nutzen, indem ein Elternteil Versicherungsnehmer des neuen Vertrags wird und das Kind als Fahrer benannt wird. Versicherungen bieten zudem auch Familientarife an.

Rechtsschutz: Absicherung bei Streitigkeiten

Kaum im Arbeitsleben und direkt Ärger? Eine Rechtsschutzversicherung hilft zum Beispiel bei einem Streit über eine Abmahnung oder eine Abfindung nach einer Kündigung. Es gibt Bausteine für den Berufs- sowie für den Privatrechtsschutz.

Letztlich spielen die persönlichen Lebensumstände eine entscheidende Rolle dabei, welche Versicherungen abgeschlossen werden sollten und welche nicht. Wer sich unsicher ist, kann sich von einer der Verbraucherzentralen in Deutschland beraten lassen.

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Markt | 21.02.2022 | 20:15 Uhr

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