Stand: 29.05.2017 10:46 Uhr  | Archiv

Kochschinken: Hersteller ignorieren Vorgaben

von Benjamin Cordes

Kochschinken gibt es im Supermarkt und Discounter abgepackt schon für weniger als einen Euro pro 100 Gramm. Solche Scheiben sind meist nicht von einer einzigen Schweinekeule abgeschnitten, sondern aus vielen Schinkenstücken zusammengefügt. Eigentlich muss das auf der Verpackung stehen. Doch viele Hersteller halten sich nicht daran.

Unterschiedliche Qualität bei Kochschinken

Kochschinken wird aus dem Schinken, also der Hinterkeule des Schweins, hergestellt. Die Leitsätze für Fleisch und Fleischwaren unterscheiden mehrere Qualitätsstufen:

  • Am teuersten ist handgemachter Kochschinken, der nur aus einer einzelnen Schinkenkeule von einem Tier besteht.
  • Etwas günstiger ist Schinken, bei dem einzelne Teile von Hand in Formen gelegt werden. Dabei kann das Fleisch unterschiedlicher Tiere verarbeitet werden. Die einzelnen Schinkenteile sind so groß, sodass eine Scheibe Schinken nur aus wenigen Tieren besteht. Diesen Schinken erkennt man an Bezeichnungen wie Metzgerschinken, Fleischerschinken oder Meisterschinken.
  • Der günstigste Kochschinken wird Slicer-Ware genannt. 100 Gramm dieser Ware sind schon für 58 Cent zu haben. Bei der Herstellung werden viele kleine Stücke maschinell in Kunstdärme gefüllt und darin gegart. 80 Prozent der Stücke müssen schwerer als 250 Gramm sein. In einer Scheibe können viele verschiedene Schinkenteile von verschiedenen Schweinen stecken. Slicer-Schinken muss gemäß den Leitsätzen für Fleisch und Fleischerzeugnisse den Hinweis "Aus Schinkenstücken zusammengesetzt" tragen.

Stichprobe: Slicer-Ware nicht deklariert

In einer Stichprobe von Markt bei Aldi, Edeka, Lidl und Rewe trug keines der gekauften Produkte in Slicer-Qualität den vorgeschrieben Hinweis. Auf Anfrage schreiben die Supermärkte und Discounter, warum sie die Vorgabe ignorieren. Sie berufen sich auf den Bundesverband der Deutschen Fleischwarenindustrie: Der Verbraucher erwarte "kein Erzeugnis wie gewachsen, sondern weiß, dass Schinkenstücke, ohne entsprechende Hinweise zu größeren Einheiten seit jeher zusammengefügt werden".

Die Mitarbeiter der Lebensmittelüberwachungsbehörden haben bereits begonnen, die betroffenen Produkte zu beanstanden - denn streng genommen dürften sie so nicht verkauft werden. Mögliche Konsequenzen: ein Bußgeld oder eine Anordnung, den Schinken korrekt zu kennzeichnen.

Zusatzstoffe in abgepacktem Kochschinken

Bei allen abgepackten Schinken in der Stichprobe kommt der umstrittene Zusatzstoff Phosphat zum Einsatz. Mediziner machen die Substanz unter anderem für die Entstehung von Osteoporose und Gefäßverkalkung verantwortlich.

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 29.05.2017 | 20:15 Uhr

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