Stumpenkerzen in verschiedenen Farben und Größen auf einem Tablett © Gütegemeinschaft Kerzen Foto: Steinhart

Kerzen: Warmes Licht für gemütliche Stunden

Stand: 09.12.2020 14:51 Uhr

Warmes, weiches Kerzenlicht gehört zur Weihnachtszeit wie Plätzchen und heiße Getränke. Das Angebot an Kerzen ist riesig und auch beim Preis gibt es große Unterschiede. Worauf sollten Käufer achten?

Ob schmal oder dick, farbig oder weiß: Kerzen sind in fast allen erdenklichen Formen und Farben erhältlich. Hergestellt werden sie aus Paraffin, Stearin oder Bienenwachs, häufig auch aus einer Mischung von Paraffin und Stearin.

  • Die meisten Kerzen werden aus Hartparaffin produziert, einer Substanz, die als Nebenprodukt beim Raffinieren von Erdöl entsteht. Damit gehören sie nicht gerade zu den umweltfreundlichsten Produkten. Paraffin schmilzt bei etwa 55 Grad Celsius.

  • Deutlich seltener bestehen Kerzen aus Stearin, das überwiegend aus pflanzlichen Rohstoffen wie Palmöl gewonnen wird. Es schmilzt erst bei etwa 65 Grad und ist weniger elastisch als Paraffin. Obwohl Stearin als nachwachsender Rohstoff gilt, sehen es Umweltschützer ebenfalls kritisch. Zum Anbau des gängigen Rohstoffs Palmöl werden nämlich in Südostasien große Flächen Urwald gerodet.

  • Kerzen aus Bienenwachs dürfen keine Zusatzstoffe enthalten. Der natürliche Rohstoff ist nur begrenzt verfügbar, deshalb sind Bienenwachskerzen in der Regel teurer als Kerzen aus Paraffin oder Stearin.

  • Kerzen aus Pflanzenwachs auf der Basis von Raps-, Sonnenblumen- oder Sojaöl gelten als vegane und nachhaltige Alternative. Allerdings sollte man auf die Anbaubedingungen achten und möglichst Kerzen aus heimischen Bio-Rohstoffen kaufen.

Zusätze in bunten Kerzen und Duftkerzen

Kerzen aus Paraffin oder Stearin sind zunächst weiß. Um farbige Kerzen herzustellen, werden dem Rohstoff fettlösliche Farbpigmente zugesetzt - es entstehen durchgefärbte Kerzen. Billiger zu produzieren sind getränkte Kerzen: Dabei tauchen die Hersteller weiße Kerzen in eine Mischung aus Wachs und Farbpigmenten, um sie in einen bunten Mantel zu hüllen.

Am besten brennen ungefärbte Kerzen, denn Farbstoffe können den Docht verstopfen und das Brennverhalten negativ beeinflussen. Paraffin und Stearin verbrennen weitgehend geruchlos. Speziellen Duftkerzen werden Geruchsstoffe unterschiedlichster Aromen und Intensität zugesetzt.

Schadstoffe: Rauch und Ruß vermeiden

Fünf brennende Kerzen in verschiedenen Farben © imago images / blickwinkel
Gute Kerzen brennen ruhig und ohne zu rußen ab.

Das Verbrennen von Kerzen entzieht der Raumluft Sauerstoff und verursacht Schadstoffe. Nach Ansicht von Verbraucherschützern sind die Mengen jedoch sehr gering, unabhängig vom Brennmaterial. Beginnt die Kerze zu flackern oder zu rußen, nimmt die Belastung mit Feinstaub deutlich zu. Daher sollten Kerzen nicht in Zugluft stehen oder mit zu langem Docht brennen.

Brennt sich die Flamme weit in das Wachs ein, bekommt sie nicht genügend Sauerstoff und es bilden sich mehr Schadstoffe. Zum Löschen den Docht in das flüssige Wachs drücken, denn so entsteht kein Rauch. Haben in einem Raum längere Zeit Kerzen gebrannt, sollte danach gut gelüftet werden.

Worauf es beim Docht ankommt

Der Docht einer Kerze besteht meist aus geflochtenen Baumwollfäden. Je dicker die Kerze, desto dicker der Docht. Der Docht zieht flüssiges Wachs nach oben, das verbrennt. In der Mitte der Flamme ist die Temperatur jedoch niedriger als am Rand. Deshalb ist es wichtig, dass sich der Docht etwa in einem Viertelkreis krümmt und in die heißere Zone des Feuers reicht. Dort kommt die Dochtspitze in Kontakt mit Sauerstoff, glüht und brennt nach und nach ab.

Qualität von Kerzen erkennen

Die Qualität von Kerzen lässt sich vor dem Kauf schlecht einschätzen. Ein Anhaltspunkt kann das RAL-Gütezeichen sein. Produkte, die damit gekennzeichnet sind, wurden mit Blick auf hochwertige Rohstoffe sowie raucharmes und tropffreies Abbrennen geprüft.

Als weiteres Merkmal guter Kerzen gilt das Gewicht. Je schwerer eine Kerze bei gleicher Größe ist, desto länger sollte sie brennen. Pro Stunde verbrennen etwa sieben bis zehn Gramm Wachs - bei Stearin tendenziell etwas weniger. Dabei spielen allerdings auch die Stärke des Dochts und die Größe der Flamme eine Rolle. Das optimale Verhältnis von Docht und Durchmesser zu finden, gilt als hohe Kunst der Kerzenherstellung.

Kerzen herstellen: Pressen, gießen, ziehen

Kerzen lassen sich in drei unterschiedlichen Verfahren herstellen. Industriell gefertigte, gerade Kerzen werden überwiegend gepresst. Dazu wird pulverisiertes Paraffin in eine Hülse gefüllt und unter hohem Druck von beiden Seiten zusammengepresst.

Alternativ lassen sich Kerzen auch gießen. Dabei wird flüssiges Wachs in Formen aus Kautschuk gegossen und erstarrt darin. Reine Stearinkerzen werden nur im Gießverfahren hergestellt. Vor allem einfache, längliche Kerzen können auch mit dem Ziehverfahren hergestellt werden: Dabei wird der Docht immer wieder in flüssiges Wachs getaucht, das Schicht für Schicht abkühlt.

So brennen Kerzen sicher ab

So schön ihr Licht auch ist - wo Kerzen brennen, sollte man immer auch ein paar Vorsichtsmaßnahmen beachten. So sollten Kerzen immer senkrecht stehen und nie unbeaufsichtigt abbrennen. Zusätzlich empfiehlt es sich, sie vor Zugluft zu schützen. Zu brennbaren Gegenständen wie Vorhängen immer ausreichend Abstand wahren. Auch zwischen den einzelnen Kerzen ist ein Abstand von mindestens zehn Zentimetern empfehlenswert.

VIDEO: Kerzen aus Bienenwaben selbst herstellen (2 Min)

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Bienenwachs, ein Docht und eine Schere liegen auf einem Tisch. © MIRELLA PAPPALARDO Foto: MIRELLA PAPPALARDO

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