Stand: 26.01.2018 10:42 Uhr  | Archiv

Kartenzahlung verdrängt das Bargeld

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Immer mehr Kunden zahlen mit Karte statt Bargeld.

Im Einzelhandel ist es Alltag geworden: Statt mit Bargeld bezahlen immer mehr Kunden mit einer Plastikkarte. Eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstitutes forsa ergab, dass zwei Drittel der Girokonten-Besitzer regelmäßig bargeldlos einkaufen. 16 Prozent bezahlen sogar täglich mit ihrer Giro-, Geld- oder Kreditkarte, 33 Prozent nutzen sie mehrfach in der Woche. Die Girocard und ihre Vorläufer, die Scheckkarte und EC-Karte, gibt es seit 50 Jahren. Obwohl der Begriff EC-Karte seit 2007 offiziell nicht mehr verwendet wird, hält er sich im allgemeinen Sprachgebrauch hartnäckig.

Jeder zweite Euro in bar

Der Blick ins Portemonnaie

Nach einer Studie der Bundesbank hatten die Menschen in Deutschland 2017 im Schnitt 107 Euro Bargeld in der Geldbörse. Gut sechs Euro davon waren Münzen. 88 Prozent der Befragten wollten auch weiterhin mit Scheinen und Münzen bezahlen können.

Allerdings bleibt auch Bargeld in Deutschland ein wichtiges Zahlungsmittel. Fast 40 Prozent der Befragten heben mindestens einmal pro Woche Geld am Automaten ab. Während jüngere Menschen eher niedrige Beträge holen, versorgen sich ältere über 70 Jahren mit den höchsten Summen. Im Einzelhandel werden besonders kleine Einkäufe häufig bar bezahlt - insgesamt 74 Prozent der Käufe. Damit kommen allerdings nur rund 50 Prozent des Umsatzes per Münze und Schein in die Kassen, die andere Hälfte per Karte.

Eine EC-Karte steckt halb in einem Schlitz eines Geldautomaten. © dpa - Bildfunk Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Vor 50 Jahren wurde die Scheckkarte eingeführt

NDR Info - Aktuell -

Viele Deutsche nutzen zum Bezahlen an der Kasse eine kleine Plastikkarte: die Girocard. Am 18. Januar 1968 wurde sie eingeführt. Was hat sich dadurch seitdem verändert?

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Die Girocard liegt vorn

Bei Kartenzahlungen gibt es einen klaren Favoriten - die Girocard. Fast jeder Bundesbürger besitzt eine solche Karte. Rund 40 Prozent des gesamten Umsatzes im Einzelhandel vor Ort werden mit Girokarten bezahlt, Kreditkarten kommen auf sechs Prozent. 2008 waren es zusammen erst knapp 30 Prozent. Eine Girocard ist stets an ein Girokonto gekoppelt. Die Herausgeber, Banken und Sparkassen, verwenden teilweise auch die Begriffe Bankcard oder Sparkassen-Card. Ein kleines Symbol mit einer Tastatur und dem Wort girocard auf Vorder- oder Rückseite zeigt an, dass mit der Karte eingekauft und an Automaten Geld abgehoben werden kann.

Bezahlen mit Unterschrift oder PIN

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Das Girocard-Symbol auf der Vorder- oder Rückseite der Karte steht für die Bezahl-Funktion.

Beim Bezahlen mit der Girocard greift das Lesegerät im Geschäft auf die Kontodaten des Kunden zu. Die ausgebende Bank legt fest, welche Höchstbeträge kassiert werden können - sie liegen meist zwischen 1.000 und 3.000 Euro pro Tag. In der Praxis gibt es zwei Zahlmethoden. Beim elektronischen Lastschriftverfahren (ELV) beauftragt der Kunde mit seiner Unterschrift auf einem ausgedruckten Beleg eine Lastschrift. Das Geschäft darf den Betrag dann vom Konto des Kunden einziehen lassen. Das ELV prüft jedoch nicht, ob genügend Geld auf dem Konto ist, oder die Karte gestohlen wurde. Dagegen löst man mit der Eingabe der Geheimzahl (PIN) sofort eine Zahlung per Electronic-Cash-Verfahren (EC) an das Geschäft aus. Für Händler ist das EC-Verfahren sicherer, aber auch teurer.

Händler tragen die Kosten

Bargeldloses Bezahlen ist nicht nur für viele Kunden attraktiv, sondern auch für den Einzelhandel. Zwar müssen Händler für die elektronische Abrechnung bezahlen, doch sie sparen Kosten und Aufwand für den Transport von Bargeld. Das EC-Verfahren schlägt für den Einzelhändler mit rund 0,2 Prozent der kassierten Summe zu Buche - bei einem Einkauf von 100 Euro also mit 20 Cent. Bezahlt der Kunde mit einer Kreditkarte, wird es für Händler spürbar teurer. Das Kreditkarten-Unternehmen fordert etwa 0,8 Prozent, bei geringen Umsätzen des Händlers auch deutlich mehr. Für Verbraucher sind beide Verfahren kostenfrei.

Kontaktlose Alternativen

Ein recht junges Verfahren ermöglicht es, mit einer Karte zu bezahlen, ohne sie in ein Lesegerät zu stecken. Die Giro- oder Kreditkarte enthält dafür einen Chip, der per Near Field Communication (NFC) eine Funkverbindung zum Zahlungsterminal aufbaut. Kleinere Beträge bis 20 Euro werden ohne Unterschrift oder PIN abgebucht. Ähnliche NFG-Chips sind auch in manchen Smartphones eingebaut. Kontaktloses Bezahlen ist allerdings noch wenig verbreitet.

Was bedeuten die Symbole?

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Hat die Karte ein Maestro-Zeichen, kann sie weltweit eingesetzt werden.

Girocards haben ganz unterschiedliche Farben und Gestaltungsmerkmale, denn jede Bank legt das Design selbst fest. Auf den meisten Karten findet sich aber ein blau-rotes Symbol mit dem Schriftzug Maestro. Dann kann man mit der Karte auch weltweit bei Hunderttausenden Händlern oder Dienstleistern bezahlen. Zeigt die Karte ein blaues V mit dem Zusatz PAY, kann damit nur in Deutschland und zahlreichen anderen Ländern Europas eingekauft werden. Im Online-Handel können Kunden mit der Girocard nicht bezahlen.

Hilfe, die Karte ist weg!

Wenn die Kreditkarte oder Girocard gestohlen wird oder verloren geht, sollte man sie so schnell wie möglich sperren lassen. Die meisten Herausgeber von Karten haben sich dem zentralen Sperrnotruf unter der Telefonnummer 116 116 angeschlossen. Innerhalb Deutschlands ist der Anruf gebührenfrei. Die Nummer funktioniert mit der Vorwahl +49 auch aus dem Ausland.

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Wer erfand die Kreditkarte?

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Die Taschen voller Geld - dies ist seit der Erfindung der Kreditkarte überflüssig. Man kann überall und sofort mit der kleinen Plastikkarte zahlen, heutzutage gar nicht mehr weg zu denken. Audio (03:50 min)

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Wirtschaft | 15.01.2018 | 10:41 Uhr

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