Stand: 22.05.2017 13:28 Uhr  | Archiv

Kaffeebecher: Was steckt in der Beschichtung?

von Heike Dittmers

Kaffee trinken viele unterwegs aus einem Einwegbecher, der anschließend im Müll landet. Innen sind die Pappbecher meist mit Kunststoff beschichtet, damit der Coffee to go nicht ausläuft. Doch heiße Getränke könnten Chemikalien aus der Beschichtung lösen, sagen Experten wie die Umwelttoxikologin Dr. Jane Muncke von der Stiftung für Lebensmittelverpackungen in Zürich. Besonders kritisch seien Getränke, die zusätzlich Fett enthalten, wie zum Beispiel Milchkaffee, da viele möglicherweise schädliche Stoffe fettlöslich sind.

In einem zertifizierten Labor hat Markt stichprobenartig Kaffeebecher von McDonald's, Tchibo, Starbucks, von Allwörden und einen Becher aus einer Kantine untersuchen lassen.

Kaffeebecher im Labortest

Problematische Weichmacher in drei Bechern

In drei Bechern der Stichprobe wurde der Weichmacher Diisodecylphthalat nachgewiesen:

  • im Becher aus der Kantine 0,03 mg/kg (Milligramm pro Kilogramm)
  • im Becher von Starbucks 0,06 mg/kg
  • im Becher von McDonald's 0,10 mg/kg

Der gesetzliche Grenzwert für Diisodecylphthalat liegt deutlich höher - bei 9,5 mg/kg. Dennoch sieht Dr. Jane Muncke den Befund kritisch: Die Gruppe der Phthalate stehe im Verdacht, das Hormonsystem zu schädigen. Der Grenzwert sei problematisch, weil viele Menschen Phthalate auch über andere Lebensmittel zu sich nehmen, zum Beispiel in Getränken aus Plastikflaschen, Milch und Brot.

Auf Anfrage von Markt schreiben McDonald's und Starbucks, dass bei der Produktion der Pappbecher kein Diisodecylphthalat verwendet werde. Das Labor erklärte dazu, dass möglicherweise Becher einer anderen Produktionsreihe untersucht wurden.

Mix aus Kohlenwasserstoffen in zwei Bechern

Bei der Untersuchung wurde in zwei Bechern ein Mix aus Kohlenwasserstoffen nachgewiesen - laut Laborbericht 0,41 mg/kg im Becher von McDonald's und 4,86 mg/kg im Becher aus der Bäckerei von Allwörden. Die gemessenen Werte liegen deutlich unter den gesetzlichen Grenzwerten. Dennoch hält Umwelttoxikolgin Dr. Jane Muncke den Befund für problematisch. Sie vermutet, dass sich die nachgewiesenen langkettigen Kohlenwasserstoffe im Körperfett anreichern könnten. McDonald's ist sich der Problematik nach eigenen Angaben bewusst: Für die Becher würden "seit Jahren nur mineralölfreie Farben und Lacke" eingesetzt.

Das sagen die Hersteller

  • Ragaller, Hersteller des Kantinen-Bechers, über Diisodecylphthalat

    Der Hersteller verweist auf eigene Untersuchungen, die keine "kritischen Werte" ergeben hätten, und ergänzt: "Unbeschichtet weicht ein Pappbecher jedoch durch."

  • McDonald's über Diisodecylphthalat

    Phthalate würden "im Produktionsprozess weder verwendet noch aktiv dem Produkt zugesetzt. (...) Bei eigenen Messungen wurde es nicht nachgewiesen."

  • McDonald's zu Kohlenwasserstoffen

    Der Anbieter ist sich der Problematik nach eigenen Angaben bewusst: Für die Becher würden "seit Jahren nur mineralölfreie Farben und Lacke" eingesetzt.

  • Starbucks zu Diisodecylphthalat

    "Im gesamten Produktionsprozess unserer Papierbecher" wird kein Diisodecylphthalat verwendet.

  • von Allwörden zu Kohlenwasserstoffen

    keine Stellungnahme

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 22.05.2017 | 20:15 Uhr

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