Stand: 31.01.2019 05:00 Uhr

Online-Betrug: Fakeshops immer professioneller

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Betrugsopfer: Christian Corduan zahlte 650 Euro, erhielt aber keine Ware.

Christian Corduan wollte eine Kaffeemaschine, die alles kann: einen sogenannten Kaffeevollautomaten. Er suchte bei Google - und fand den Onlineshop Kafelia.de. "Es sah alles seriös aus", sagt Corduan, "und war nicht viel günstiger als anderswo. Dann hatten sie noch ein Angebot: zehn Prozent Neukundenrabatt. Da wurde es interessant für mich." Dabei bestellt der Mann aus dem niedersächsischen Peine nicht einfach so. Er weiß, worauf er bei einem Onlineshop achten muss. "Wenn die Internetadresse ein 'de' hat, also eine Domain in Deutschland, dann ist das für mich seriös. Wenn ein deutsches Bankkonto hinterlegt ist, es ein Impressum gibt. Keine Rechtschreibfehler, wenn alles funktioniert."

650 Euro gezahlt, nichts bekommen

Corduan überweist rund 650 Euro auf ein Konto bei der Berliner N26-Onlinebank. Doch geliefert wurde: nichts. Er war wie viele andere auch auf einen betrügerischen Internetshop neuer Machart reingefallen - alles in Hochglanz, aber leider alles falsch; in diesem Fall mit geklauten Daten einer seriösen Firma in Osnabrück. Ein groß angelegter und bis ins Detail ausgefeilter Betrug. "Die Täter sind sehr organisiert", sagt Matthias Eichler vom Landeskriminalamt Niedersachsen: "Es gibt Gruppen, die kümmern sich nur um die Seiten an sich und die anderen um den Geldfluss. Da gibt es schon eine organisierte Struktur dahinter."

Manchmal sind die Shops nur 24 Stunden online

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Die Fake-Shops sind professionell gestaltet.

Vorsichtsmaßnahmen, auf die sich Kunden bisher verlassen können, reichen bei diesen Fakeshops nicht aus, um sich vor einem Betrug zu schützen. Nicht nur, dass die Fassaden fast perfekt sind. Die Täter spielen auch auf Zeit. Montags taucht der Shop bei Google ganz oben auf, dann wird abkassiert - und bis erste Warnungen in Internetforen auftauchen, gibt es schon den nächsten. "Es gibt sogar Shops", sagt LKA-Mann Eichler, "die nach 24 Stunden wieder abgeschaltet sind, weil auf solche Seiten massenhaft User gelockt werden - von woher auch immer. Den Tätern reicht es manchmal schon, wenn sie eine gewisse Anzahl von Bestellungen bekommen haben."

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Immer häufiger werden Kunden beim Kauf in Fakeshops betrogen. Auch Tabea Lampe wurde Opfer von Betrügern. Sie zahlte eine Kaffeemaschine per Vorkasse - das Gerät wurde nie geliefert. Video (02:51 min)

Oft Konten der N26-Bank betroffen

Die Betrüger verwischen dabei alle Spuren. Nach NDR Recherchen wurde Kafelia.de, bis heute online, von einem "Kalle Kloppkeiler" am Brandenburger Tor in Berlin angemeldet - ein Phantasiename mit falscher Adresse. Das Geld landet offenbar auf Konten, die im Namen von Menschen eröffnet wurden, die gar nichts davon wissen. Kaum eingezahlt, lassen es die Betrüger wieder abheben. Oft betroffen sind - wie im Fall von Christian Corduan - Konten der N26-Bank. Diese betont, alle gesetzlichen Vorschriften strikt einzuhalten. Sobald man Betrug oder Identitätsdiebstahl vermute, leite man "sofort alle notwendigen Schritte zur Abschaltung eventuell vorhandener Webseiten ein." Die beschriebenen betrügerischen Webseiten lägen aber "außerhalb des Einflussbereichs von N26"

Besser Aufklärung für Verbraucher

Die Behörden ermitteln und auch Verbraucherschutzpolitiker suchen nach Lösungen. In wenigen Wochen sollen schon Maßnahmen beschlossen werden - eine bundesweite Warnstelle und eine entsprechende Internetseite sind in der Diskussion - und vor allem bessere Aufklärung der Verbraucher. Bisher geht es aber Woche für Woche mit dem Betrug weiter. Als der NDR vor gut vierzehn Tagen anfängt, nach Geschädigten zu suchen, melden sich Dutzende aus ganz Deutschland. Ein massives Problem: 4,4 Millionen Deutsche wurden der Verbraucherzentrale Brandenburg zufolge schon Opfer - und diese Zahl stammt vom vergangenen Sommer.

Vorsicht bei Vorkasse

Doch es gibt Wege, sich vor Fakeshops zu schützen. So lassen sich die oft missbrauchten Qualitätssiegel wie das von "Trusted Shops" schnell überprüfen - auf den Seiten von Trusted Shops selbst. Dann gibt es unter archive.org ein Internetarchiv. Gibt man die Internetadresse eines Fakeshops ein, sieht man: Es gibt ihn erst seit wenigen Tagen. Außerdem gilt: Vorsicht bei Vorkasse. Und das Wichtigste: sich nicht von einer edlen Fassade blenden lassen. Denn die neuen Fakeshops lassen sich eben nicht mehr auf den ersten Blick erkennen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 31.01.2019 | 06:00 Uhr

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